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Sauenabende...

Jetzt wirds ersnt... (7 Einträge)

433 mal angesehen
06.10.2009, 10.40 Uhr

Nichts als Adrenalin...

Nichts als Adrenalin….

Seit Tagen freute ich mich schon auf diese Mondphase. Der Mais war ab, ein Frischling blieb mir als Erinnerung an die Häcksellei, aber die Sauen hatten auch an der Stoppel, die uns über den Winter erhalten bleiben wird eine Freude. Was also lag näher, als den zunehmenden Mond schon mal zu nutzen und die Sauen beim Anwechseln abzupassen…

Das Wetter war ganz günstig, der Himmel zeigte genügend Auflockerungen, der Wind war günstig und ich bester Laune. Mein Weg führte mich über den grünen Weg zu einer Eiche auf dem aufgelaufenen Weizenschlag. Dort hatte ich jetzt wieder einen transportablen Bock zu stehen, von dem aus ich beste Sicht auf den häufig genutzten Schwarzwildwechsel an der Wiesenkante hatte.
Mit meinem Mitjäger hatte ich abgesprochen, dass ich auch zur Wiese langen könnte, sofern Schwarzwild auftauchen würde. Zunächst aber konnte ich mich erst mal der Ruhe hingeben, sie genießen. Dienstag ist Behördentag und danach habe ich solchen Ansitz bitter nötig…

Ja das Licht würde reichen, rechnete ich mir aus und erwartete nun langsam doch die ersten Sauen. Mit dem Glas kontrollierte ich immer wieder die Kante des gegenüberliegenden Waldes. Der Maisschlag hinter mir war tabu, da saßen zwei weitere Mitjäger von mir, die ebenfalls die Schwarzen erwarteten.
Die Waldkante aber lag im Schatten des dahinter stehenden Mondes. Wild war da nicht auszumachen. Da konnte ich meine Augen noch so anstrengen, auswechselndes Wild würde ich erst mitbekommen, wenn es weit auf den Acker rausgezogen wäre.

Das Quiecken eines Frischlings riss mich hoch, intensiv glaste ich den Waldrand ab, suchte den Wechsel nach Sauen ab – nichts. Aber da war es wieder, da rangelten zwei Frischlinge deutlich hörbar miteinander. Ob die noch im Wald waren oder aber im Schatten der Waldkanten gerade so auf dem Feld? Unsicherheit … Ich war hin und her gerissen. Sitzen bleiben und warten oder angehen? Ich entschied mich vorerst fürs Sitzenbleiben und sog mich förmlich an der Waldkante fest. Aber ich bekam sie nicht in Anblick, obwohl sie immer wieder zu vernehmen waren. Schon klang das Schmatzen der im Gebräch stehenden Sauen zu mir. Ich sondierte meine Möglichkeiten, unbemerkt anpirschen zu können und entschied mich, es zu versuchen. Zunächst musste ich zur Waldkante, nutze dazu den Wiesensaum, der einen Hauch von Deckung bot. Der Wind machte mir keine Sorgen.
Immer wieder verhoffte ich und suchte mit Glas den Waldrand ab – da, das mussten sie sein. Sie nutzten tatsächlich den Schatten, um in Deckung auf dem Weizen nach tierischer Nahrung zu suchen.
Nun aber los. Schnell zur Waldkante gekrochen (anders konnte man meine Bewegungsweise nicht bezeichnen), dort angekommen, erst mal verpusten. Kontrolle: Sauen noch da, also weiter. Langsam und behäbig im Schatten des Waldes den Sauen entgegen. Glas hoch: ja, 2 Bachen, 8 Frischlinge der 15kg-Klasse. Jetzt nur ruhig bleiben. Entfernung stimmt, langsam Waffe hoch und aussuchen. Blick durchs Zielfernrohr: Bache, ah da ein Frischling. Steht schräg zu mir, warten. Ein „Wuff“ einer Bache beendet das Geschehen. Die Rotte sprintet auf den Acker und lässt sie auf knapp 200 Meter verhoffen. Sollten die mich mitbekommen haben? Kann ich nicht glauben.
Die Rotte beruhigte sich und begann jetzt im Mondlicht zu brechen. Wie sollte ich da bloß rankommen??? Langsam zogen sie im großen Bogen wieder Richtung Waldkante, waren jetzt wieder sehr vertraut. Ich im Schatten des Waldes hinterher. Jetzt passte die Entfernung – aber im Hintergrund auf knapp 200 Meter das Dorf. MIST!!! Warten. Ich wollte aber auch nicht ihren zu vermutenden Wechsel zum Wald kreuzen, um das Dorf aus dem Hintergrund zu bekommen.
Auf einem Mal das Sichern der Leitbache… die Frischlinge rotteten sich blitzschnell zu einem Haufen zusammen, die Leitbache zog mit erhobenem Wurf ein Stück auf den Acker raus. Da kam vom Mais her tatsächlich ein einzelnes sehr starkes Stück auf uns zu gezogen – ein Keiler wohl… Na was das wohl werden wird.
Die Rotte zog es nun vor, zum Wald zu trotten. Ich nahm die Waffe wieder in den Anschlag. Mein Puls raste, ich merkte die Nässe durch die Hosen kriechen. Die Rotte selbst verharrte erst im Schatten des Waldes. An einen Schuss war nicht zu denken, kein Stück war frei gewesen. Wie eine Traube zogen sie und verharrten auch jetzt noch so, jetzt bedenklich nah an der Waldkante.
Die Bache selbst stand noch auf dem Acker und sicherte dem Keiler entgegen, der nun fast ran war. Erst jetzt folgte sie der Rotte. Das bekam ich aber nur am Rande mit, versuchte immer noch, einen Frischling frei zu bekommen…

Vor dem Wald sicherte die Bache noch ein Mal, bevor die ganze Schwadronerie im Wald verschwand.

Der Keiler hatte es sich überlegt. Er änderte seine Richtung und zog wieder von mir weg…

Enttäuschung machte sich breit, maßlose Enttäuschung. Hätte ich nicht schon vorher schießen können? Hätte ich es mit Anpirschen auf dem freien Acker versuchen sollen? Hätte…?

Etwas entnervt trat ich den Rückzug an. Der Mond war bereits bedenklich tief über´m Horizont. Es war ja auch nach Mitternacht. Also zurück zur Bock und die Sachen holen. Bevor ich aus dem Schatten trat, glaste ich den Acker vor mir noch einmal ab – da zogen gemütlich drei Überläufer in der Wiese in´s Gebräch… Puls von Null auf Hundert in 3,8 sec… Wie sollte ich da jetzt bloß rankommen. Sie zogen geradewegs in meinen Wind. Also schneller sein als die Sauen. Im Schatten des Waldes die Beine in die Hand und hin! Bis zur großen Eiche musste ich kommen, um günstige Schussposition zu bekommen. Laufschritt beinahe, war das angesagte Tempo. Alles auf eine Karte: Ich verlor…

Kurz vor der Eiche erwischte ich einen Ast, den ich in der Eile nicht gesehen hatte, der Schlug gegen den Lauf der BBF: Ich erschrak, Sauen erschraken und wendeten prompt… Nichts mit Schießen…

„Und…?“ fragte meine Frau schlaftrunken. „Nichts…“ meine gezügelte, betont kurze Antwort. „Wärst mal zu Hause geblieben heute…“ „Neee, dann hätte ich das nicht erlebt…“ „Von diesen Erlebnissen wird der Kühlschrank aber nicht voll.“ Tja, da hat sie wohl Recht. Aber ohne solche Erlebnisse wäre die Jagd langweilig…



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Kommentare

06.10.2009 11:18 Alpiae
Haste gut geschrieben
Liest sich sehr schön !!!!!
PS
Ich dachte nur mir passiert so ein Mist !
Hätteste wenn und aber......
So ist Jagd !
Grüße auf die Insel meiner Ahnen
Ük
06.10.2009 11:53 Albjaeger
Anser,
du hast mein tief empfundenes Mitgefühl!
Auf zur nächsten Runde
Waihai Albi
06.10.2009 13:05 SauerlaenderJung
Sehr schöne Geschichte! Beim nächsten Mal klappts bestimmt! Weidmannsheil auf jeden Fall zu dem schönen Erlebnis.
5 *
06.10.2009 13:06 Dackeleva

man kann das adrenalin förmlich auf der zunge schmecken!!! super!!
06.10.2009 13:34 platzi
Aus dem Leben gegriffen.
Aber Sschön!

Und gut erzählt!

Diether
06.10.2009 14:02 Wachtelhund
Klasse geschrieben! So ist halt Jagd,von den Erlebnissen lebt sie, die Beute ist dann das Sahnehäubchen.
06.10.2009 17:04 anser
Wachtelhund schrieb:
Klasse geschrieben! So ist halt Jagd,von den Erlebnissen lebt sie, die Beute ist dann das Sahnehäubchen.

Das stimmt. An dem Abend aber war mir wirklich sehr nach "Sahnehäubchen"...
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