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Redaktioneller Jagdblog

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29.09.2009, 13.27 Uhr

Trichinenuntersuchung beim Schwarzwild und Wildursprungsschein - Teil 1

Wer sich nach erfolgreicher Jagd auf Schwarzwild nachfolgend die Strecke anschaut, muß immer wieder feststellen, dass die für die amtliche Untersuchung auf Trichinen wichtigen Zwerchfellpfeiler (Nierenpfeiler), aber auch das an den Rippenbögen anhaftende und bei fehlenden Zwerchfellpfeilern als Ersatz für die Probenentnahme dienende Zwerchfell beim Versorgen der Stücke herausgerissen wurden.

Wichtig zu wissen: die Zwerchfellpfeiler befinden sich in der Mitte des Wildkörpers und oberhalb der Filetspitzen.

Durch die Zwerchfellpfeiler führt der Schlund aus dem Brustkorb in den Magen.
Hinsichtlich der Probenentnahme gilt: bei Hausschweinen und Sumpfbibern ist aus einem Zwerchfellpfeiler eine Probe von mindestens 1 g, bei allen anderen untersuchungspflichtigen Tierarten (z.B. Wildschweine und Dachse) außer Einhufern zusätzlich aus der Unterarmmuskulatur eine Probe von mindestens 0,5 g zu entnehmen.

Können Proben aus dem Zwerchfellpfeiler oder Zwerchfell mangels Masse nicht entnommen werden, ist die doppelte Anzahl gleichgewichtiger Proben von Stellen zu entnehmen, an denen Skelettmuskulatur in sehnige Teile übergeht. Hinweis: für einen Untersuchungsansatz nach der Verdauungsmethode (Digestionsmethode) werden mindestens 20 g an Probenmaterial benötigt. Meistens werden Proben vom Schwarzwild mit denen von Hausschweinen zusammen untersucht, so dass für einen Ansatz bis zu 200 g zusammenkommen.

Zur Entnahme berechtigt


Die Proben zur amtlichen Trichinenuntersuchung dürfen entnehmen:
- der amtliche Tierarzt,
- der dem amtlichen Tierarzt unterstellte amtliche Fachassistent
und neuerdings unter bestimmten Voraussetzungen:
- der in einem Jagdbezirk Jagdausübungsberechtigte und ihm durch Länderverordnung in Sachen Probenentnahme zur Trichinenuntersuchung gleichgestellte Jagdscheininhaber (Hinweis: dies kann in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich geregelt sein!).

Die Möglichkeit, dass Jagdausübungsberechtigte selbst Proben für die Trichinenuntersuchung entnehmen können, hat der Gesetzgeber durch eine 2004 durchgeführte Änderung der seinerzeit noch geltenden Fleischhygiene-Verordnung (FlHV) eröffnet. So kann die zuständige Behörde (Veterinäramt) einem Jagdausübungsberechtigten für seinen Jagdbezirk:
1.die Entnahme von Proben zur Untersuchung auf Trichinen und
2. die Kennzeichnung
übertragen.

Die Übertragung darf nur erfolgen, wenn:

1. keine Tatsachen die Annahme rechtfertigen, dass der Jagdausübungsberechtigte die erforderliche Zuverlässigkeit für diese Tätigkeit nicht besitzt und
2. er von der zuständigen Behörde für die Wahrnehmung dieser Tätigkeit geschult worden ist.

In den Fällen, in denen der von der zuständigen Behörde mit der Entnahme der Proben beauftragte Jagdausübungsberechtigte tätig wird, hat er die Untersuchung auf Trichinen unter Verwendung eines vorgegebenen Wildursprungsscheins bei der für den Erlegungsort zuständigen Behörde anzumelden.

Außerdem muß er an jedem der Wildschweine, bei denen er die Proben entnommen hat, eine ihm von der zuständigen Behörde (Veterinäramt) ausgegebene, nicht wieder verwendbare, länderspezifisch gekennzeichnete, nummerierte Wildmarke anbringen. Die Nummer ist auf dem ihm ebenfalls von der Behörde ausgehändigten Wildursprungsschein einzutragen (ein Original mit zwei Durchschriften).

Auf dem Wildursprungsschein hat der Jagdausübungsberechtigte nicht nur Ort und Zeitpunkt der Erlegung einzutragen, sondern auch mitzuteilen, auf welche Weise das Stück zur Strecke kam und ob sein Fleisch noch den Kriterien der Lebensmittelsicherheit und –hygiene genusstauglich ist. Erst wenn die Trichinenuntersuchung abgeschlossen ist und sich keine Auffälligkeiten ergeben haben, darf der einzelne Tierkörper, aber auch Teile von diesem vom Jagdausübungsberechtigten unter Beifügung einer ihm von der Behörde übermittelten Durchschrift des Wildursprungsscheines, kann auch per Telefax erfolgen, an Interessenten (lokaler Wildhandel, Gastronomie, Einzelpersonen) abgegeben werden. Die zweite Durchschrift des Wildursprungscheines hat der Jagdausübungsberechtigte zwei Jahre aufzuheben.

Wer bei in seinem Jagdbezirk erlegten Wildschweinen die Proben für die amtliche Trichinenuntersuchung entnehmen will, hat dies bei der für seinen Jagdbezirk für die Fleischhygieneüberwachung zuständigen Behörde (Veterinäramt) zu beantragen. Diese Behörde- nicht die untere Jagdbehörde oder der Kreisjagdverein – wird die Antragsteller im Sinne einer „kundigen Person“ zur Entnahme der Proben etc. gesondert schulen. Dieses wird amtlicherseits dokumentiert. Wildmarken und Wildursprungsscheine werden durch die nach Landesrecht zuständigen Behörden ausgegeben.


Quelle: BLV Jagdpraxis - "Wildbrethygiene" von Olgierd E.J. Graf Kujawski,
S. 50 - 53
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Foto's: Fotolia
© garteneidechse - Fotolia.com

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