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Redaktioneller Jagdblog

(27 Einträge)

Hirsch
1492 mal angesehen
16.09.2009, 09.24 Uhr

Treffpunktlage und Verhalten nach dem Schuss

Der beste Schuss ist der auf den Trägeransatz bzw. in die Kammer (Brusthöhle). Dabei werden große Blutgefäße eröffnet und das Stück schweißt relativ gut aus.
Je weniger Blut sich in den Adern und in der Muskulatur befindet, desto günstiger wirkt sich das auf die Haltbarkeit des Wildbrets aus.

Wird das Wild dagegen weidwund, d.h. ins große (Pansen, Magen) oder kleine Gescheide (Därme) getroffen, dann geschieht folgendes: durch den Schuss werden Bakterien aus dem Magen- und Darmbereich in hoher Zahl in die durch Schusswirkung in der Bauchhöhle aufgerissenen Blutgefäße eingeschwemmt und durch den noch funktionierenden Kreislauf innerhalb von Sekunden im gesamten Wildkörper umverteilt. In wissenschaftlichen Arbeiten wurden diese darm – und magentypischen Erreger in der Vorderlaufmuskulatur, im Trägerwildbret, in der Rücken- und in der Keulenmuskulatur nachgewiesen. Das Fatale daran: die eingeschwemmten Bakterien vermehren sich innerhalb der nachfolgenden Stunden zum Teil explosionsartig, da der Wildkörper zum Zeitpunkt des Erlegens eine Eigentemperatur zwischen 37 °C und 40 °C aufweist und nur langsam auskühlt. Der Grad der bakteriellen Belastung ist mit bloßem Auge nicht erkennbar und lässt sich nur durch eine bakteriologische Untersuchung ermitteln. Einen Hinweis auf eine hochgradige Belastung mit Keimen vermag die Koch – oder Bratprobe zu liefern. Sie fußt auf der Tatsache, dass Bakterien über einen eigenen Stoffwechsel verfügen, die Stoffwechselprodukte sich in der Muskulatur anlagern und den Geruch (urinös) und Geschmack (leberartig) des Wildbrets negativ beeinflussen. Feststellbar, wenn ein Stück Wildbret in wenig kaltem Wasser angesetzt und aufgekocht oder in heißem Fett angebraten wird.

Wildbret von weidwund geschossenem Schalenwild ist qualitativ minderwertig, umso mehr wenn das Stück nach dem Schuss noch über eine längere Strecke geflüchtet und ins Wundbett gezogen ist. Wird es hier nach längerer Zeit verendet aufgefunden oder Stunden nach dem Anschweißen auf der Nachsuche zur Strecke gebracht, sind weitere die Wildbretqualität mindernde Faktoren hinzugekommen: durch die Verwundung verursachtes hohes Fieber mit Temperaturen bis zu 44 °C und damit einhergehend eine rasante Keimvermehrung. Außerdem ist die Gefahr des Verhitzens gegeben sowie der nahezu völlige Verlust des muskeleigenen Glykogens. Eine normale, die Qualität des Wildbrets positiv beeinflussende Fleischreifung ist nicht mehr möglich. Wildbret derartiger Stücke, das zudem mit Millionen von Erregern pro Gramm Fleisch belastet ist, ist aus lebensmittelhygienischer Sicht nicht verkehrsfähig, d.h. es darf nicht an Dritte abgegeben werden. Ob es noch im eigenen Haushalt verwertet wird, sollte gut überlegt sein.

Wird dagegen das weidwund geschossene Stück innerhalb von 30 Minuten nach dem Schuss zur Strecke gebracht, sofort ausgeweidet, die Bauchhöhle gegebenenfalls mit Trinkwasser ausgespült und nachfolgend in eine Kühlung verbracht, können die sich negativ auswirkenden Prozesse verlangsamt und ab einer Kerntemperatur von 7°C sogar gestoppt werden. Das Wildbret ist dann zwar qualitativ nicht optimal, jedoch verkehrs- und verzehrfähig.

Lauf- und Keulenschüsse sind mit das Übelste, was im jagdlichen Betrieb passieren kann. Sie bedingen langwierige, oft über Stunden wenn nicht Tage gehende Nachsuchen und führen, wenn sie erfolgreich waren, letztlich zu einem Stück, dessen Wildbret als für den Verzehr überaus bedenklich zu bewerten ist. Streng genommen gehört es in eine Tierkörperbeseitigungsanstalt. Der Grund: über die Schusswunde sind eine Fülle unterschiedlicher, aus dem Boden stammender Bakterien in den Wildkörper gelangt. Darunter auch Erreger, deren Stoffwechselprodukte toxisch (giftig) sind. Man sieht sie nicht, man schmeckt sie nicht, doch ihre Wirkung kann für den Esser solchen Wildbrets letztlich tödlich sein. Ansonsten sind all die negative Fakten wie beim Weidwundschuss dargestellt, gegeben.

Quelle: BLV Jagdpraxis - "Wildbrethygiene" von Olgierd E.J. Graf Kujawski,
S. 14 - 16
dlv-shop

[www.dlv-shop.de]

Foto:
© Leiftryn - Fotolia.com
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Kommentare

17.09.2009 08:48 hugo1952
Ist ja mal was ganz Neues!
(gähn)
Und das Thema "Trägerschuss", von mir gelegentlich getätigt,
wurde im forum bereits des öfteren ausgiebig zerrisssen!

hugo
18.09.2009 09:54 Vollmond
Deshalb bin ich auch der Meinung, dass man nicht auf hoch flüchtiges Wild einen Schuss anbringt. Die Gefahr "schlechten" Abkommens ist wesentlich höher ... und entspricht nicht dem Grundsatz der Waidgerechtigkeit: das Wild unnötige Qualen zu ersparen.
So wird bei uns Rehwild zur Drückjagd garnicht erst freigegeben.
In unserem Revier gilt das "Blatt" als Ziel
(abgesehen von "zittrigen" Unfällen )
18.09.2009 17:15 Sunyi
hugo1952 schrieb:
Ist ja mal was ganz Neues!
(gähn)
Und das Thema "Trägerschuss", von mir gelegentlich getätigt,
wurde im forum bereits des öfteren ausgiebig zerrisssen!

hugo


Hier wird nicht der Trägerschuß erwähnt, sondern der Schuß auf den Trägeransatz (quasi Kammer).

Gruß
Sunyi
19.09.2009 20:07 Pille
Sunyi schrieb:
Hier wird nicht der Trägerschuß erwähnt, sondern der Schuß auf den Trägeransatz (quasi Kammer).

Gruß
Sunyi


Da ist schon noch etwas Entfernung zur Kammer.Jedoch die Wirksame Trefferfäche entspricht weiterstgehend dem Schuss auf die Blattschaufel.

Gruss Pille
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