Zur mobilen Version wechseln »
Jagd-VideosCommunityMediadatenNewsletterFormulare & Vordruckejagderlebenlandlive.deANVISIERTPRAXISSERVICEMARKTJAGD-WETTERAPPSPirschunsere JagdNiedersächsischer JägerDer Jagdgebrauchshund
Erweiterte Suche »
UploadChatForenFotosFotoalbenVideosBlogsTermineMitgliederGruppenPartnersuche

Redaktioneller Jagdblog

(27 Einträge)

Foto 1 zum aktuellen Blogeintrag
2747 mal angesehen
08.09.2009, 14.29 Uhr

Wie schnell verhitzt ein Stück Wild – Teil 2: Folgerungen für die Praxis

Sofern die Schusszeichen am Anschuss nicht eindeutig auf einen Laufschuss hinweisen, sollte jedes vom Anschuss in die Deckung flüchtendes Stück Wild 30 – 45 Minuten nach dem Schuss mit einem für eine kurze Nachsuche brauchbaren Hund nachgesucht werden. Dies auch am Abend und in der Nacht. Wird es nach einer Entfernung von ca. 150 m (durchschnittliche Fluchtdistanz bei Herz- und Leberschuss) nicht verendet aufgefunden, ist die Nachsuche abzubrechen und einem erfahrenen Nachsuchengespann zu überlassen. In Revieren, in denen relativ gut geschossen und so verfahren wird, werden acht von zehn nach dem Schuss in die Deckung flüchtende Stücke rechtzeitig aufgefunden und ihr Wildbret vor dem Verhitzen bewahrt.

Beim Auffinden von Wild, das nicht länger als zwei Stunden nach dem Verenden gelegen hat, kann in der Regel davon ausgegangen werden, dass sein Wildbret noch nicht verhitzt ist, da die die Fleischreifung bedingenden und auch zur stickigen Reifung führenden biochemischen Prozesse erst kurzzeitig angelaufen sind und noch nicht den gesamten Wildkörper, insbesondere die Rücken- und Keulenmuskulatur, erfasst haben. Dass solche Stücke anschließend an luftigem Ort hängend schnell auskühlen müssen, ist eine wichtige Bedingung für die Gewinnung verzehrfähigen Wildbrets.

Bei allen Stücken, die später als zwei Stunden nach dem Verenden – erkenntlich an starker Gasbildung im Magen-/Darmkanal, an der Verfärbung der Bauchorgane und der Bauchinnenhaut – aufgefunden werden, ist ein beginnendes bzw. bereits erfolgtes Verhitzen des Wildbrets zu unterstellen. Dabei gilt: Je schwerer das Stück (höheres Wärmepotenzial), desto weiter fortgeschritten ist die stickige Reifung. Daß auch nach dem Versorgen eines ohne Nachsuche zur Strecke gekommenen Stückes Wild das Wildbret durch Wärmestau verhitzen kann, sollte nicht unberücksichtigt bleiben.

So von einem Revierpächter schmerzlich erlebt, der einen von einem Jagdgast mit Hauptschuß erlegten ca. 28kg schweren Frischling eine Stunde später in den Keller seiner Jagdhütte gehängt hatte und ihn am nächsten Tage wegen Verhitzens als stinkenden Kadaver entsorgen musste. Die 12°C Kellertemperatur hatten nicht ausgereicht, das Wildbret rechtzeitig herunterzukühlen. Mit eine der Ursachen für das Verhitzen könnte rückblickend auch das minutenlange Schlegeln des Stückes nach dem Schuss gewesen sein, bei dem es sich bei noch kurzfristig funktionierendem Blutkreislauf über die normale Körpertemperatur hinaus erhitzte.

Schwarzwild in Mais und Suhle

Wer schon einmal in Vollmondnacht ein am Maisacker beschossenes und in diesen hineinflüchtendes Stück Schwarzwild nachgesucht hat, der wird festgestellt haben, dass im Maisacker höhere Temperaturen herrschten als draußen. Der Grund: Die Blätter der Maispflanzen wirken wie eine Markise, so dass der am Tage durch Sonneneinstrahlung aufgeheizte Acker sich in der Nacht wesentlich langsamer abkühlt als das freie Feld. Damit ist die Gefahr des Verhitzens des Wildkörpers besonders hoch. Hinzu kommt, dass bei einem Stück Schwarzwild, das sich vor dem Schuß den Magen voll Mais geschlagen hat, nach dem Verenden relativ rasch die Gärung des Mageninhaltes beginnt.

Gärung, ein durch Mikroorganismen verursachter biochemischer Prozess, führt zur Gasbildung mit einem gleichzeitigen Anstieg der Temperatur in der Gärmasse (Mageninhalt). Relativ schnelles Aufblähen des Wildkörpers bei zusätzlicher innerer Erwärmung, die ein Absinken der Körpertemperatur zeitlich hinauszögert, sind die Folgen.

Werden solche Sauen erst Stunden nach dem Verenden gefunden, weisen sie alle Merkmale des Verhitzens und eine hohe Belastung des Wildbrets mit Erregern auf. Wird der Wildkörper solcher Stücke bei der amtlichen Fleischuntersuchung gespalten, sind im Bereich des Rückenmarks die Zeichen eindeutig: Schmierige gründliche Verfärbungen und scharfer, unangenehmer Geruch.

Gleiches ist bei angeschossenem Schwarzwild (aber auch Hirschwild) zu erwarten, das sich in den Sommermonaten in eine Suhle oder in einen Schilfgürtel einschiebt und dort verendet. Der gegenüber der Umgebungstemperatur wärmere Schlamm wirkt wie ein Isoliermantel, verzögert das Absinken der Körpertemperatur und beschleunigt das Verhitzen. Hinzu kommt, sofern das Stück noch einige Zeit lebt, eine Infektion durch über die Schusswunde eingedrungene Bodenbakterien, die über die Blutbahn im ganzen Körper umverteilt werden, mit kurzzeitig nachfolgender infektionsbedingter Erhöhung der Körpertemperatur auf 40°C und mehr. Eine amtliche Fleischuntersuchung (nicht zu verwechseln mit der amtlichen Untersuchgung auf Trichinen!) mit bakteriologischer Untersuchung (BU) ist zwingend. Ansonsten: Entsorgen des Wildkörpers in einem Tierköperbeseitigungsunternehmen.

Rotwild

Ob Rot- oder Damwild: Nicht rechtzeitig nach dem Schuss (maximal zwei Stunden) aufgefundene, ausgeweidete und in eine Kühlung verbrachte Stücke verhitzen relativ schnell. Als Wiederkäuer besitzt Hirschwild im Magen und Darm Zellulose vergärende Bakterien, die den Panseninhalt unter Bildung von Gas bei gleichzeitigem Anstieg der Temperatur zersetzen. Auf der Nachsuche zur Strecke gebrachtes Hirschwild ist ebenfalls erhöhter Verhitzungsgefahr ausgesetzt, da es bedingt durch den Stress bei der Flucht sowie durch eine angelaufene Infektion – eine höhere Köpertemperatur als im gesunden Zustand aufweist. Eine Gegebenheit, die auch während der Brunft speziell bei männlichen Stücken (in der Morgenkühle „dampfender“ Hirsch) feststellbar ist.

Reh-, Muffel-, Gams- und Steinwild

Dabei handelt es sich um Wildarten, die aufgrund ihrer Körpergröße und ihres Körpergewichtes im Vergleich zu Hirsch- und Schwarzwild der Verhitzungsgefahr weniger ausgesetzt sind. Dies gilt allerdings nur im Zeitvergleich. Bleibt z.B. verendetes Rehwild über mehrere Stunden unversorgt liegen, ist auch hier das Verhitzen des Wildbrets und dessen Entsorgung nach dem Tierische Nebenprodukte-Beseitigungsgesetz (TierNebG) letztlich das Ergebnis. Bei Muffel-, Gams- und Steinwild steigt die Verhitzungsgefahr, je stärker die Fettschicht unter Vlies bzw. Decke ist (Spätherbst und Winter!).


Quelle: BLV Jagdpraxis - "Wildbrethygiene" von Olgierd E.J. Graf Kujawski,
S. 46 - 49
dlv-shop

Foto: Fotolia
© Leiftryn - Fotolia.com (running wild pig © Leiftryn #353184)
offline

Geschrieben von

Anzeige

Schlagwörter

Bitte gib die Schlagwörter mit Komma getrennt ein.

Kommentare

Anzeige
Zum Seitenanfang