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Sauenabende...

Jetzt wirds ersnt... (7 Einträge)

338 mal angesehen
18.08.2009, 17.21 Uhr

Überaschung...

Ich will es nun endlich wissen. Seit dem späten Frühjahr beobachte und verfolge ich einen Bock, der am Rande meines Reviers steht. Er scheint gar nicht so sehr alt zu sein. Vielleicht drei Jahre. Aber sein Gehörn liegt nach Ausprägung und wohl auch Masse unter dem Revierdurchschnitt. Es handelt sich bei ihm um einen Gabler. Naja, wenn man ganz optimistisch ist, könnte man mit viel gutem Willen einen ungeraden Sechser daraus machen. Aber wie auch immer. Ich habe mich entschlossen, ihn zu strecken. Mit meinem Reviernachbarn habe ich wegen des Bockes auch schon telefoniert, hab ihm vom Bock berichtet und davon, dass ich ihn erlegen wollte. Schon am nächsten Tag nach unserem Gespräch hatte mein Nachbar wegen des Bockes angesessen, sich dann aber entschlossen, ihn „nur“ zu fotografieren. D. ist der Ansicht; dass der Bock nicht „weg muss“. Da mag er Recht haben. Aber wenn der Plan noch nicht voll ist, dann ist dieser hier sicher ein Kandidat...
In meiner eigentlichen Heimat der Heide südlich des Flämings hätten wir diesen Bock sicher auch gehegt, hätten ihn eher an Altersschwäche sterben lassen, als ihn vielleicht zu früh zu strecken, aber hier....

Bereits am Samstag, nach meiner Rückkehr aus dem Urlaub, hatte ich hier wieder angesessen. Im Weizen standen sechs weibliche Stücke. Am Grabenkopf im Bereich der Esche fand sich lediglich mein junger Freund mit gutem Entwicklungspotential. Dem hatte ich schon früher noch ein paar Jahre zugebilligt.
Aber mein Sechser-Gabler blieb für mich unsichtbar. Dabei hätte ich schon noch damit gerechnet, dass er noch treibt...
Nun sitze ich also hier und bin ein wenig enttäuscht, dass der Weizen immer noch steht. Ich sehe es schon kommen: Der Weizen hier wird der letzte, der gedroschen wird, dafür ist die Stoppel dann bestimmt die erste, die wieder umgedreht wird...
Nach dem Regen vom Tage hat es jetzt aufgeklart. Die Sonne scheint wieder und langsam wird auch das Rehwild aktiv. Überall erscheinen Häupter im Weizen. Ricken und Schmalrehe aber bewegen sich innerhalb des Weizens kaum.
Wenn mein Bock kommen würde, würde es sicher erst später werden, nach Sonnenuntergang. Also schön geduldig bleiben...

Nun bin ich mal wieder enttäuscht. Der Bock hat sich den ganzen Abend nicht sehen lassen. Und während bei den vorherigen Ansitzen der Bock zumindest hinter mir im angrenzenden Wald zu vermuten war, weil man Rehwild hat ziehen hören und auch genau mitbekam, wie der Bock seine Aggressionen an verschiedenen Zweigen abreagierte, blieb es heute völlig still hinter mir. Tja das ist schon ein wenig deprimierend, wenn man Ansitz um Ansitz auf einen bestimmten Bock wartet und dennoch erfolglos bleibt...
Das laute Schrecken wohl eines Bockes, dass plötzlich links hinter mir ertönt, lässt mich aus meinem Frust hochschrecken. Jedoch im gleichen Moment stimmt ein weiteres Reh ein, jetzt direkt hinter mir. Aha, mein Jagdnachbar fährt gerade mit seinem Auto los, das erklärt die Unruhe. Doch obwohl mein Nachbar nun schon nicht mehr zu sehen ist, verstärkt sich das Schreck-Konzert. Sollten möglicherweise Sauen in Reichweite sein? Für ein vernünftiges Ansprechen eines etwa erscheinenden Bockes reicht das Licht nun kaum noch. Aber ich bleib lieber noch ein paar Minuten sitzen, auch wenn die Sauen diesen Weizen hier bislang völlig ignorierten...
Dann geht alles ganz schnell. Mehrfach knacken Zweige links von mir. Und schon fängt es im Weizen an zu rascheln und zu schmatzen. Aber zu sehen ist erst mal nichts. Das können doch nur Sauen sein! Ah, da ist das Haupt einer Bache zu sehen. Na endlich mal wieder Schwarzwild in Anblick!!! Die Rotte will ziemlich zügig in´s Feld, wohl zum Mais, der nördlich an den Weizen grenzt. Na das passt doch. Sie passieren eine Teilflächen, wo der Regen und der Wind den Weizen niedergedrückt hat. 6 kräftige Frischlinge, zwei Bachen und zwei Überläufer sind es, die hier zügig drüber ziehen. An einen Schuss ist bei dem Tempo, dass die Schwarzen vorlegen nicht zu denken, zumal sie schräg wegziehen. Schade, das hätte doch ruhig klappen können...! Aber so richtig enttäuscht bin ich dann auch nicht. Nach den trüben letzten drei Wochen freue ich mich schon nur über den Anblick.
Die Rotte selbst ist schon ein ganzes Stück weitergezogen und stoppt plötzlich. Kommen die etwa zurück? Jetzt ergreift mich doch die Aufregung, der Puls steigert sich erheblich. Ich nehme die Waffe in Anschlag und warte, was wohl passiert. Und tatsächlich. Die Sauen kommen zurück. Ich erwarte sie aufgeregt an der Lagerfläche, kann aber nur sehen: 2 Bachen und sechs Frischlinge sind drübergesprungen –keine Chance. Eine Überläuferbache ist auch sehr zügig, die zweite aber verharrt. Und das genau einen Moment zu lange.
Im Schuss ist das Stück verschwunden. Auf dem Lagerweizen kann ich das Stück nicht entdecken.
Der Rest der Rotte wuselt wirr durch den Weizen. Die Frischlinge haben den Anschluss an die Bachen verloren. In der Fahrspur kann ich einen Frischling ausmachen. Für einen Moment bin ich versucht, auch auf ihn eine Kugel los zu werden, lasse den Finger trotz der regelrechten Einladung des Frischlings aber gerade, weil ich mir unsicher bin, wie ich auf das erste Stück abgekommen bin.

Aber die Überläuferbache liegt nur etwa 2 Meter vom Anschuss im stehenden Weizen. Im Schuss stand das Stück wohl ein wenig schräg. Der Einschuss liegt hinter der linken Blattschaufel. Ein Ausschuss ist nicht da. Da steckt die 7x65 wohl im rechten Blatt, was das Aufbrechen des Stückes später bestätigt.

Soweit zum gemütlichen Teil des Abends. Das Bergen des Stückes, das aufgebrochen später knapp 50 kg auf die Waage bringen wird, gestaltet sich doch sehr schwierig. Vor mir liegen etwa 500 Meter durch den Weizenacker – kürzester möglicher Weg. Der Regen hat den Boden völlig aufgeweicht, die Fahrspuren der Traktoren stehen knöcheltief unter Wasser, der absolut schmierige Lehmboden gibt keinerlei Halt beim Ziehen des Stückes. So bleibt mir nur der Weg durch den stehenden Weizen. Und bei jedem Schritt verfängt sich das Gebräch in den nassen und wegknickenden Weizenhalmen – klasse!!!
Beim Hereinwuchten des Überläufers in den Kofferraum gebe ich meiner Bandscheibe schließlich den Rest. Klatschnass und nahezu bewegungsunfähig quäle ich mich in´s Auto – aber egal! Überläufer mit einem guten Schuss gestreckt – da zählt jetzt der Rücken nicht mehr – bis ich den Überläufer wieder an den Haken bringen muss, und ich weiß noch nicht, wie ich das hinkriegen soll...

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Kommentare

18.08.2009 18:10 Lakai
Waidmannsheil - unverhofft kommt oft!
Sehr gut geschrieben.
18.08.2009 20:44 platzi
Schön geschrieben!
Weidmannheil zum Überläufer!
Diether
19.08.2009 08:18 jaegerlein007
Schön geschrieben!

Waidmanns Heil
19.08.2009 11:49 Dorschkoenig
fein hast du das gemacht...
WMH
19.08.2009 11:57 Galloway
Waidmannsheil !
Nette Geschichte.
Hoffentlich geht es deinem Rücken wieder besser.

19.08.2009 12:01 anser
Galloway schrieb:
Waidmannsheil !

Nette Geschichte.

Hoffentlich geht es deinem Rücken wieder besser.





Ja immerhin war er wieder so weit in Ordnung, dass ich drei Tage später meinen erlegten Bock an gleicher Stelle ohne größere Komplikationen bergen konnte...- Weidmanns Dank!
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