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Redaktioneller Jagdblog

(27 Einträge)

Frischlinge Schweinemagen Schweinekehle
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14.07.2009, 10.51 Uhr

Darauf sollte man achten! – Teil 2: Bedenkliche Merkmale an inneren Organen im Verdauungstrakt und im Atmungssystem

Magen und Darm

Nach dem Aufschärfen von Decke, Schwarte oder Vlies – vom Kinnwinkel entlang des Trägers über das Brustbein bis hin zum Schloss – und dem Eröffnen der Bauchhöhle und des Brustkorbs stellen sich nach dem Auslösen von Magen, Dünn- und Weiddarm folgende Fragen:
- Sind Därme und Magen (Pansen) aufgebläht oder wirken sie unauffällig?
- Zeigen Leber, Milz und Nieren Anzeichen einer Verfärbung ins grünlich-bläuliche?
- Findet sich im Bauchhöhlenbereich Magen- oder Darminhalt, gar Urin, weil Magen, Darm oder Blase durch einen Kugelsplitter verletzt wurden?
- Sind Brust oder Bauchfell (Zwerchfell) grünbläulich verfärbt?
- Ist der Inhalt im Weiddarm (Dickdarm) verfestigt oder dünnflüssig?
- Finden sich weißgelbliche, stecknadelkopfgroße Punkte auf der Darmwand und an der Bauchhöhlenwandung?

Verfärbung der inneren Organe, aber auch von Brust- und Bauchfell, speziell im Bereich des Zwerchfells, sind immer ein Hinweis für eine hohe Belastung des Wildfleisches mit die Gesundheit des Menschen gefährdenden Erregern. Ein aufgeblähter Darm und Magen stellen für sich noch kein „bedenkliches Merkmal“ dar. Kommt jedoch noch eine Verfärbung der inneren Organe hinzu, dann ist die amtliche Fleischuntersuchung unabdingbar. Gleiches gilt bei verfärbtem Brust- und Bauchfell, verursacht u.a. durch sich in der Bauchhöhle befindenden Magen-/Darminhalt. Weicher bis flüssiger Darminhalt im Dickdarm ist ein Hinweis auf starken Befall mit Darmparasiten oder eine krankhafte Darmentzündung (z.B. Kokzidiose).

Geradezu höchste Gefahr für den Verbraucher bedeutet die Feststellung von weißgelblichen, stecknadelkopfgroßen Punkten im Bauchhöhlenbereich. Sie können Hinweis auf eine Pseudotuberkulose oder Tularämie (Hase) sein. Um welchen Erreger es sich letztlich handelt, der die kleinen Abszesse verursacht hat, kann erst durch eine Bakteriologische Untersuchung im Rahmen der amtlichen Fleischuntersuchung eindeutig bestimmt werden.

Rachen, Drossel, Lunge

Beim Herauslösen von Leber, Milz und Nieren aus der Bauchhöhle, von Herz und Lunge einschließlich Drossel und Drosselknopf aus der Brusthöhle, dem Träger und Kopfbereich stellen sich folgende Fragen:
- Wimmelt es im Rachenbereich von Rachendasseln?
- Zeigen sich auf den weißen Flächen des Drosselkopfes (Mandeln) punktförmige Blutungen, die wie Einstiche mit einer Stecknadel wirken?
- Zeigen sich auf der Oberfläche der Lungenflügel wie gesprenkelt wirkende, linsengroße und an den Rändern unscharfe käsige Auflagen?
- Sind an den Spitzen der Lungenflügel und in deren Randbereich großflächige, gelblich schimmernde Einschlüsse erkennbar?
- Finden sich beim Durchtasten der Lungenflügel Verhärtungen, aus denen beim Anschneiden ein gelbliches Sekret austritt?

Der Befall mit Rachendasseln stellt stets dann ein gesundheitlich „bedenkliches Merkmal“ dar, wenn gleichzeitig Untergewichtigkeit des Stückes in Verbindung mit einem scharfen, urinösen Geruch des Wildbrets nach dem Ausweiden gegeben sind. Hinweis: von Parasiten stark belastetes und abgemagertes Wild ist besonders anfällig für Infektionen. Punktförmige Blutungen auf den Mandeln finden sich bei Schwarzwild als einer von mehreren Hinweisen auf Schweinepest.

Veränderungen auf der Lungenoberfläche in der beschriebenen Form sind Hinweise auf eine hochgradig bakterielle Infektion. Das Schrillen innerer Alarmglocken sollte sofort einsetzen, wenn sich gleiche Feststellungen, punktförmige gelblichweiße Flecken, auch in der Bauchhöhle und/oder auf den anderen inneren Organen zeigen. Auch hier gilt: nur im Rahmen der amtlichen Fleischuntersuchung mit einer bakteriologischen Untersuchung lässt sich der Erreger und damit auch die Ursache der Erkrankung endgültig bestimmen. Es ist zu erwarten, dass das Wildbret dieses Stückes nicht für den Verzehr freigegeben wird. Dennoch lohnt die Anmeldung zur amtlichen Fleischuntersuchung, da sie Klarheit über die Art der Infektion bringt.

Die vom Lungenwurmbefall im Randbereich der Lungenflügel herrührenden gelblichen Einschlüsse sind für die positive Beurteilung des Wildbrets unbedenklich, sofern der Allgemeinzustand des Stückes gut ist und sich keine weiteren bedenklichen Merkmale finden. Anders bei eitrigen Abszessen in der Lunge. Als Verursacher oder Folge einer fiebrigen Infektion bedingen sie eine hohe Keimbelastung des Wildfleisches. Hier ist der amtliche Tierarzt gefragt.

Quelle: BLV Jagdpraxis - "Wildbrethygiene" von Olgierd E.J. Graf Kujawski, S. 29 - 31
[www.dlv-shop.de]

Fotos: Fotolia
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