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Sauenabende...

Jetzt wirds ersnt... (7 Einträge)

553 mal angesehen
13.07.2009, 14.46 Uhr

jetzt wirds ernst

Vor mir bog ein Geländewagen in den Feldweg ein. Einige Momente fuhren wir hintereinander her, ehe sich aus dem Fenster der Fahrertür eine Hand herausstreckte und mir bedeutete, anzuhalten. Erst jetzt registrierte ich, dass es „mein“ Bauer war, der da vor mir herfuhr. “Ich wollte nur bescheid sagen…“ beugte er sich zu mir, „im Weizen sind die Sauen jetzt aktiv…“
„Ja ich weiß. War sie schon ärgern gestern Abend…“ – Naja, das war nur die halbe Wahrheit. Vielmehr noch hatten die mich geärgert.

Ich hatte schon zwei Tage vorher die ersten beiden Stellen entdeckt, in denen die Sauen den jetzt milchreifen Weizen genossen. Diese Stellen waren noch recht klein, vielleicht drei Meter im Durchmesser. Aber ich hatte gleich reagiert und einen Bock in Reichweite gestellt. Wetter und Wind waren gestern abend günstig – also raus auf den Bock!
Ich richtete mich darauf ein, noch einige Stunden warten zu müssen, ehe sich vielleicht was tun würde. Und so leuchtete ich mit dem Fernglas den Weizen ab, zwei weibliche Rehe waren immer mal wieder zu sehen, wenn sie die Ähren des Weizens abzupfend ihr Haupt erhoben. Sonst aber tat sich nicht viel – also Sitzposition auf „bequem“ und die Ruhe genießen… Mein vierbeiniger Verbrecherkumpel am Fuße des Bockes hatte es sich bereits bequem gemacht – sehen konnte er ja eh nichts hier – und döste vor sich hin, erholte sich von den anstrengenden Übungen des Tages…
Das ging aber nur 10 Minuten, dann entdeckte ich reichlich hundert Meter rechts von mir am Rand des Rapsschlages die Teller eines Schwarzkittels zwischen den Weizenähren – na das war jetzt aber nicht sein Ernst… Noch nicht mal 20 Uhr und dann solch Anblick, und das vielleicht zweihundert Meter vom dahinter liegenden Gehöft entfernt???
Aber das Stück ließ sich gar nicht lange bitten, trat noch zwei Schritt aus dem Raps und tat sich an den Ähren gütlich. Na mal sehen, was das wohl wird…
Doch es tat sich gar nichts weiter. Das Stück, das ich zwischenzeitlich eindeutig als Bache ansprach, zog nicht weiter, blieb immer am Rand des Rapses und füllte sich den Waidsack. Eine Stunde tat ich mir das an, dann hatte die Bache mit den Frischlingen, die ich aber bislang nur hören konnte eine größere Fläche breit. Erst jetzt bekam ich einen der Frischlinge in Anblick – ein Kollege aus der 15-Kilo-Klasse. „Na gut Jungs, wenn ihr nicht zu mir kommt, komme ich eben zu euch“ – der Entschluss war gefasst. Abwarten, bis die Bache das Gebräch wieder gesenkt hatte und schnell vom Bock. Kiro bekam seinen Befehl zum Liegenbleiben und ich machte mich auf den Weg. Die 10 Meter bis in die Fahrspur des Vorgewendes dauerten sehr lange, ich wollte mich ja nicht ankündigen!
In der Fahrspur selbst konnte ich die Schwarzen Gesellen zügig angehen. Das Gelände war leicht gewellt und so konnte ich zunächst die Stelle, an der Sauen waren gar nicht sehen. Zur Kuppe hin wurde ich jedoch immer langsamer, suchte die Bache und entdeckte sie schließlich etwa 40 Meter vor mir im Weizen.
Die Waffe hatte ich schon von der Schulter und nun ging es gebückt weiter, langsam, gaaanz laaaangsam….
Die Bache stand günstig und ungünstig zugleich – am mir zugewandten Rand des Lagers maltretierte sie den Weizen. Hier war ihr Blickfeld zu mir etwas eingeschränkter als wenn sie auf der Rapsseite gestanden hätte, gleichzeitig aber war sie mir hier am nächsten und würde sicher früher Witterung von mir bekommen.
Plötzlich war sie nicht mehr zu sehen. Ich war irritiert, mein Puls ging und mir stockte der Atem. Was war da los, wo war die nur hin? Ich hatte keine Ahnung. Im Schneckentempo arbeitete ich mich in der Fahrspur Meter um Meter vorwärts, darauf achtend, dass auch kein über der Spur liegender Halm an meine Stiefel schlug. Ich wurde mit jedem Schritt kleiner, meine Oberschenkel begannen zu verkrampfen und ich bekam zunehmend Schwierigkeiten, das Gleichgewicht zu halten. Den Hut hatte ich schon lange tief in´s Gesicht gezogen, damit mein Gesicht nicht so leuchtete –hoffte ich zumindest.
Ich mochte noch zwanzig Meter weg sein. Und mir ging es richtig schlecht. Vorsichtig machte ich mich etwas gerade, vielleicht bekam ich ja einen Frischling frei… Nee, nichts zu machen. Die Frischlinge waren zu hören, steckten sicher immer noch hier in dieser Stelle. Aber der Weizen war zu hoch, die Stelle selbst noch nicht groß genug für ausreichend freie Sicht.
Ich dachte gar nicht lange nach und schlich mich förmlich auf Zehenspitzen weiter. Erst einen Schritt, kurz ausruhen, dann den nächsten Schritt. Atem anhalten, in Zeitlupe etwas aufrichten… Waffe war im Anschlag… Nichts… weiter ging nicht… Warten… Da, was dunkles – ein Frischling…? Ja. Tatsächlich… Ziel erfassen, ich hatte mein Glas vorsichtshalber auf 2,5fach runtergeschraubt… Halme im Weg… Warten… zunehmendes Zittern… - Auf einem Mal alles Schwarz im Zielfernrohr! –„Wuff“ – Prasseln – Bühne leer! Ein wirklich derber Fluch meinerseits war die Antwort auf den rasanten Abmarsch der Truppe! Erst jetzt merkte ich, wie angespannt ich dabei war, wie meine Arme und vor allem meine Beine zitterten. Das Aufrichten war beinahe eine Qual.

„ Mein“ Bauer grinste, als ich mit der Schilderung meines Erlebnisses am Ende war. Ja, der hatte gut Lachen. Ich aber war noch immer enttäuscht, dachte aber, „ich warte, bis nach einem ordentlichen Gewitterguss vielleicht ein wenig Lagerweizen entsteht, da sieht man wenigstens was…“

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Kommentare

14.07.2009 19:53 Lakai
Klasse geschrieben, kann verstehen wie dich das ärgert.
Klappt bestimmt noch.
Waidmannsheil
15.07.2009 19:17 harzbaer
klasse geschrieben, wirklich ärgerlich.
16.07.2009 21:58 swinging_elvis
Sehr angenehm geschrieben und tolles Erlebnis. Schließlich erfährt man sowas öfter als das man Waidmannsheil hat. Oder geht das nur mir so?
Waidmannsgruß und beim kommenden mal hast Du Erfolg und freust Dich umso mehr. elvis
18.07.2009 07:53 Emmerthaler
Toller Bericht! Man fühlt richtiggehend mit!
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