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Ein schöner Abend

(1 Eintrag)

322 mal angesehen
22.06.2009, 10.01 Uhr

Sonntags

Achtung, langer Eintrag!



Sonntag war, entgegen der Wettervohrhersagen, ein sehr schöner Tag bei uns. Um die 20 Grad, leichter Westwind, die Natur noch am Abtrocknen der morgendliche Regengüsse. So entschied ich mich Abends kurzfristig doch noch auf einen Ansitz zu gehen. Wollte auf einen neu aufgestellte Leiter, auf der ich zuvor noch nicht saß, da ich wusste, dass dort schon des öfteren ein schwacher Jährling unterwegs war. Bis dato sah ich ihn nur aus der Entfernung und ärgerte mich jedesmal.
So fuhr ich um viertel nach sieben raus, 10 min später war ich an der Leiter. Diese steht am Nordöstlichen Eck eines Waldstücks, schön in eine Eiche eingepasst. Man hat geradeaus, Richtung Westen, guten Blick über eine Wiese am Waldrand, nach rechts gehts in ein Weizenfeld und links vom Sitz schließt sich ebenfalls eine Wiese an. Kaum hatte ich aufgebaumt, da sah ich ungefähr 15m vor mir hinter ein paar Bäumen ganz friedlich eine Gaiß äsen, die sich an meiner Ankunft offensichtlich nicht sonderlich störte. Langsam äßend zog sie nach ca. 5 min ohne Hektik wieder in den Wald. Geht ja schon gut los, dacht ich bei mir. Ca. 15 min später trat die gleiche Gaiß ungefähr 60m vor mir auf die Wiese aus. Ich betrachtete sie lange, denn deutlich konnte man auch Gesäuge erkennen. Eine starke Gaiß, stark im Wildbret, so ein Anblick erfreut! Mit der Zeit sicherte sie in Richtung Westen, immer öfter. Dort trat ein Schmalreh aus, ca. noch 150m von mir entfernt, aber deutlich als sehr schwach anzusprechen. Ich dachte so bei mir, wenn mir der Bock nicht kommt, dann schieß ich das Schmal.
Mein Blick schweifte immer wieder nach links, Richtung der anderen Wiese. Dort zeigte sich zwar nicht der erhoffte Bock, aber eine Gaiß mit zwei Kitzen, die aufgeregt und übermütig um die Gaiß hüpften und sich des Lebens freuten. Was ist die Natur doch für ein herrliches Gebilde!

Mit der Zeit wurde der Entschluss, das Schmal zu schießen, immer konkreter. Schön langsam richtete ich mich ein. Die erste Gaiß zog derweilen auf lediglich knapp 15m neben mir ihre Bahnen, hatte mich aber nicht bemerkt. Das Schmal jedoch blieb die ganze Zeit auf ner Entfernung von ca. 60m stehen, eigentlich ideal für einen Schuss, aber es stand immer Spitz zu mir, und so verbot sich ein Schuss. Die Zeit verstrich, mittlerweile war es schon fast neun, da zuckte das Schmal auf einmal zusammen. Ich sah nichts, aber irgendwas musste da passiert sein. Ganz leicht hörte man aufeinmal ein grunzen und quäken. Ganz klar, weiter oben auf der Wiese, einem Eck wo ich nicht hinsah, da musste die Bache mit ihren Frischlingen anwesend sein. Und schon war das Schmal in Aufregung und fetzte wie von der Tarantel gestochen in meine Richtung, direkt unter meinem Sitz vorbei nach links auf die andere Wiese und verhoffte dort. In gebotener Schnelle bzw. Langsamkeit legte ich nach links an, doch da zog das Stück schon weiter in den lichten Wald vor mir. Mist, dachte ich, Chance vertan. Doch aufeinmal sah ich es wieder, 15m vor mir, wo Anfangs die Gaiß stand, stand jetzt das Schmal. Vorsichtig richtete ich mich ein, das Jagdfieber stieg, doch, entweder stand das Stück spitz oder das Blatt wurde durch Blätter verdeckt. Zog es auf eine Fehlstelle wo ein Schuss möglich gewesen wäre, so stand es wieder spitz. So ging es bis halb zehn, als es plötzlich wieder auf die Wiese rauszog. Ca. 40m vor mir stand es nun, so breit wie es nur ging und ich war schon im Ziel, kurz hinter Blatt, hatte schon eingestochen, aber, ich schoß nicht. In dem Moment dacht ich bei mir:"Du hast dich jetzt so lange meiner erwehrt, jetzt wärs mir zu billig dich so zu erlegen.". Als wenn es meine Gedanken lesen könnte sicherte das Stück aufeinmal ganz ruhig zu mir. Für mein Gefühl eine Ewigkeit blickte es zu mir, und ich betrachtete es noch immer im ZFR. Dann zog es langsam in den Wald und ich baumte ab.

Zufrieden ging ich ins Auto. Ich wusste, ich hatte genau das Richtige getan es nicht zu schießen. Diese Entscheidung gab mir eine große Genugtuung. Natürlich gehen wir auf die Jagd um Beute zu machen. Und wir freuen uns rießig über derartige Chancen. An einem anderen Tag hätte ich geschossen, aber heute nicht. Es war ein herrlicher Abend, mit gutem Anblick und einem schönen Ende. Jeder Tag ist Jagdtag, nicht jeder Beutetag. Sonntag war für mich eindeutig kein Beutetag.
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Niederbayer

Niederbayer

Alter: 33 Jahre,
aus gesprochen gesetzesaffin
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Kommentare

22.06.2009 15:55 Galloway
Bravo !
...wie du schon geschrieben hast:
"Was ist die Natur doch für ein herrliches Gebilde!"
Da muß man nicht zwingend immer "Beute" machen.

Gruß
Galloway

NS: Leute mit solch Einstellung dürften bei mir sofort mit Einladungen rechnen! ...wenn ich die Möglichkeiten hätte.
22.06.2009 16:13 Niederbayer
Galloway schrieb:
Bravo !
...wie du schon geschrieben hast:
"Was ist die Natur doch für ein herrliches Gebilde!"
Da muß man nicht zwingend immer "Beute" machen.

Gruß
Galloway

NS: Leute mit solch Einstellung dürften bei mir sofort mit Einladungen rechnen! ...wenn ich die Möglichkeiten hätte.


Vielen Dank Galloway!
24.06.2009 10:28 Tegernseer
Servus Niederbayer,

... so is recht! Man muss den Finger auch mal gerade lassen.
Schöne Geschichte! 5*

Gruaß, Tegernseer
25.06.2009 17:40 Semmelkneter
Super Einstellung! Solche Ansitze sind meist mehr wert, wie das Schmalreh wenn du es erlegt hättest!

Weidmanns heil!
26.06.2009 00:29 Argo
Nicht geschossen aber die frische Luft genossen. Schöne Geschichte. Auch das ist Jagd.
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