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Oh, Du schöne Blattzeit

Blattzeiterinnerungen (7 Einträge)

Böckchen.jpg Erlegungsort des Böckchens Die Beute
500 mal angesehen
10.06.2009, 19.00 Uhr

Enthaltsamkeit

Der Titel dieser Geschichte scheint manchmal selbst schon der Vergangenheit anzugehören. Gerade aber diese hatte ich mir mangels direkter Führung in den ersten Jahren meines Jungjägerlebens selbst auferlegt. Bei meinen ersten wackeligen Schritten im staatlichen Jagdbezirk saß niemand neben mir auf dem Ansitz und sprach das Wild an. Als Vorteil diente mir aber sicher, dass ich von Kindesbeinen an Vater und Großvater begleiten durfte. Damit verfügte ich schon über Jahre der Erfahrung in der Rehwildbeobachtung. Nun galt es aber, Taten folgen zu lassen, denn das grüne Abitur war in der Tasche. Im ersten Jahr konnte ich dann auch meinen ersten Bock, einen Jährlingsspießer erlegen. Doch auch im zweiten Jahr stand mir nicht der Sinn nach reifen Recken. Ich fühlte mich für die Jugendklasse zuständig. Das mag verstehen wer will… so war es eben.

Der Sommer begann, die Blattzeit nahte und bisher konnte ich trotz eifriger Ansitze nicht zum Schuss kommen. So gingen der junge Mai und auch der erfrischende Juni ins Land, reichlich Anblick war mir zuteil geworden, aber der gezogene Lauf meines Drillings war blank geblieben. Das war ja nicht weiter schlimm, denn in Zugzwang war ich nicht, die Erfüllung des Abschussplans oblag mehreren Begehungsscheininhabern.

Was geschah nun aber? Abendansitz im wunderbaren Zieglersgrund, einem langgestreckten Wiesental. Da trat noch bei bestem Licht ein strammer Sechser aus und äste eifrig das frische Grün. Vielleicht hundert Meter waren es, aber ich nahm den Dreilauf nicht einmal in die Hand. Ich hatte einfach in diesem Moment keine Freude an ihm.
Da die Blattzeit nahte, probierte ich es auch schon einmal mit der Pirsch nach einem leckeren Frühstück. Langsam einen grasbewachsenen Ziehweg hoch schleichend gewahr ich plötzlich einen roten Fleck im Laub. Ja, da stand ein weibliches Stück und sicherte in den links vom Weg liegenden Fichtenwald. Und plötzlich stand er da. In Erwartung eines Jährlings war ich im hüfthohen Kraut versunken und hatte den Drilling entsichert und angeschlagen. Aber was zeigte sich da? Erneut ein starker Bock, das Gehörn zwei deutlich über Lauscher hohe Spieße, vielleicht mit winzigen Vereckungen. Wie in Stein gemeißelt stand dieses wundervolle Tier am Wegesrand und ich konnte es nur wie eine Fabelgestalt durch das 8x56er Nickel beobachten, bestaunen… vielleicht sogar bewundern…
Wenig später war der Zauber vorbei und der Bock hinter seiner Ricke verschwunden. Heute gibt es Momente, an diesen ich mein damaliges Verhalten verstehe… es gibt aber auch die anderen…

Früher Morgenansitz an der runden Wiese, die eigentlich gar nicht rund ist. Noch in stiller, nebelverwobener Morgenstunde dringt plötzlich ein Keuchen aus dem Busch. Sollte es ein Bock hinter einer Ricke sein? Nein, im nächsten Moment kommt ein Reh hochflüchtig auf die Wiese, passiert meinen Hochsitz und ist auch schon wieder im Wald verschwunden. Gleich dahinter, mit seiner Tat sichtlich zufrieden, stolziert ein starker Sechser aus dem Holz – offensichtlich der Platzbock. Die Recken rannten mich förmlich um. Auf nicht einmal zwanzig Meter prüfte er noch einmal die Fluchtfährte des Rivalen und zog dann langsam Richtung Einstand. Ein tolles Erlebnis, aber wo nur blieben die jungen Böcke, die kümmerlichen Spießer und Knopfböcke?

Der kommende Abendansitz aber sollte mich endlich zum Ziel führen. Noch saß ich nicht lange. Hinter mir der Wald, vor mir ein ausgedehntes, goldgelbes Weizenfeld. Entspannt lauschte ich dem seichten Sommerwind, genoss die Wärme und erfreute mich überhaupt des Daseins… als ich ein leichtes Scharren direkt hinter meinem Sitz hörte. In Zeitlupe drehte ich den Kopf, um das schon Vermutete zu bestätigen. Keine zwanzig Meter hinter mir wackelten die Zweige eines Busches ganz erheblich. Da markierte ein Bock seine Einstandsgrenzen mittels Fegen und Plätzen… aber was für einer würde es sein? Aus den Augenwinkeln sah ich einen rotbraunen Rehkörper durch das Kraut ziehen und wenig später stand im hellsten Sonnenschein ein Rehbock. Knapp über Lausch hoch war das Gehörn, aber knuffig und reich geperlt. Ein Sechser war es und ich konnte es nicht fassen. Direkt unter dem Hochsitz zog er bedächtig ins Weizenfeld, äste wählerisch mal hier, mal da, ließ es sich in seinem Bockleben einfach gut ergehen… ich aber verstand so langsam die Welt nicht mehr… nichtsdestotrotz – der Drilling blieb in der Ecke des Hochsitzes, bis der Starke meinen Blicken entschwand und wieder einzog. Aber ins Grübeln bin ich schon gekommen. Was war nur los?

Na das soll mal einer seinen Mitjägern erzählen… „Der Passende ist einfach nicht gekommen!“. Dieser Satz hatte hier nun mal eine besondere Bedeutung. Und so trat ich erneut die Heimreise an, ohne Beute gemacht zu haben.

Zwei Wochen später, es war Mitte August, wollte ich es dann aber doch noch einmal versuchen. Vielleicht würden die alten Böcke nun langsam wieder ruhiger und somit den Jünglingen mehr Freiraum geben. Der Morgenansitz mit herrlichem Weitblick rechts und links in einen Wiesentunnel sollte es zeigen. So langsam den Herbst einläutend krochen Nebelschwaden über die Wiesen, welche taudurchnässt glänzten. Und dann ging auf einmal alles ganz schnell. Rittlings auf dem Sitzbrett hockend ging mein Blick immer nach rechts und links und dann wieder zurück. Plötzlich sah ich ein Reh, welches aus dem Wald kommend ohne zu verhoffen gleich mitten auf die Wiese zog, keine 40 Meter vor mir. Langsam das Glas hebend sprach ich es als weiblich an, vermutlich ein Schmalreh. Da gewahr ich aus dem Augenwinkel eine Bewegung am Waldrand unter den überhängenden Buchenzweigen. Da stand ein weiteres Stück und spielte mit Äser und … ja… Gehörn am herabhängenden Grün. Ein Bock, ein Böckchen – wahrhaftig! Schnell war das Fernglas gegen den Dreilauf getauscht, Entsichern und Stechen gingen wie von selbst, als der Jüngling auch schon auf die Wiese stürmte, dem Schmalreh hinterher… Jetzt musste es schnell gehen. Ansprechen, schwacher Gabler, Absehen 1 hinter Blatt – RUMMS.

Im Knall warf es den Jährling um und er rührte kein Haar mehr.

Ich konnte es nicht fassen. Was einem so lange nicht gegeben wird, erfüllt sich plötzlich so leicht. Enthaltsamkeit gipfelt in unverhoffter… Belohnung?

Nur kurz hielt es mich noch auf dem Hochsitz, dann baumte ich ab und ging durch das immer noch taunasse Gras zu „meinem“ Bock. Ein Jährling war’s, allerdings schon mit kleinen Gäbelchen. Jedoch machte mir die Erlegung eine unglaubliche Freude. Fotos wurden gemacht, das Böckchen bestaunt, schließlich zum Hochsitz gezogen und nach dem Aufbrechen an die Leiter gehängt. Waidmannsheil und Waidmannsdank.
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swinging_elvis

swinging_elvis

Alter: 45 Jahre,
aus Dubai
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Kommentare

10.06.2009 20:39 Silberkeiler
Schöne Ausführung....Super geschrieben....!!!!!
Gruß
Silberkeiler
10.06.2009 20:44 swinging_elvis
Silberkeiler schrieb:
Schöne Ausführung....Super geschrieben....!!!!!
Gruß
Silberkeiler

Danke. Einen Silberkeiler konnte ich auch einst erlegen ... Story kommt eines Tages...
10.06.2009 22:01 Renevolution81
Klasse Geschichte- nur wer lange Enthaltsam lebt, darf sich auch über die kommende Ernte freuen
Wird sicher eines der 1. Kapitel im Projekt
Weiter so- Grüße René
11.06.2009 08:57 platzi
top Erzählung!
Ja - die Jagd zählt und das Drumherum, nicht unbedingt die "Qualität des Opfers".
Ein erarbeiteter Knopfbock mach oft mehr Freude als ein schnell erlangter Sechserbock.
DIe Erinnerung an das Erarbeitete hält mit Sicherheit länger!
Weidmannsheil
Diether
11.06.2009 19:12 faehe81
Waidmannsheil zum Bock!

Tolle Geschichte
Schreibst du irgendwann mal ein Buch?
Du hast doch bestimmt noch viel mehr Jagdgeschichten die du erzähken kannst.

Viele Grüße
faehe
11.06.2009 19:15 swinging_elvis
faehe81 schrieb:
Waidmannsheil zum Bock!

Tolle Geschichte
Schreibst du irgendwann mal ein Buch?
Du hast doch bestimmt noch viel mehr Jagdgeschichten die du erzähken kannst.

Viele Grüße
faehe


... psssst... is geheim aber hab da schon so top secret Pläne mit nem Stuttgarter... aber pssssssst.... elvis
Waidmannsdank im Nachhinein. elvis
11.06.2009 19:17 faehe81
swinging_elvis schrieb:
... psssst... is geheim aber hab da schon so top secret Pläne mit nem Stuttgarter... aber pssssssst.... elvis

Waidmannsdank im Nachhinein. elvis



Keine Sorge, ich schweige

Viele Grüße
faehe
11.06.2009 21:30 SauerlaenderJung
Sehr schön geschrieben, auch von mir ein herzliches Weidmannsheil! 5 Sterne für die tolle Geschichte!!
11.06.2009 21:48 swinging_elvis
SauerlaenderJung schrieb:
Sehr schön geschrieben, auch von mir ein herzliches Weidmannsheil! 5 Sterne für die tolle Geschichte!!

Waidmannsdank Dir elvis
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