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Frühlingsgefühle

Jagd im Frühjahr (5 Einträge)

Nach der Bockjagd
381 mal angesehen
25.05.2009, 16.47 Uhr

Der schnelle Jährling

Gerade wenn man sich viel in Ländern aufhält, deren Klima rau und somit die Flora eher karg ist, kann man den Mai und die erwachende Natur in unseren schönen Gefilden nur als Wunder bezeichnen. Es grünt und sprießt, so dass die Natur förmlich explodiert. Überall platzen Knospen zu zarten Blättern auf, eine Phase, die jedes Jahr nur kurz andauert, bis Wind, Regen und Temperatur diesen Zauber wieder abschwächen.
In jener Zeit, die oft gerade mal eine Woche andauert, versuche ich, hautnah dabei zu sein, optimalerweise in Gestalt eines Ansitzes auf Böckchen oder Schmalreh.

Auch dieses Jahr war es mir gelungen mich den Pflichten zu entziehen und den Freuden zu widmen. In der noch morgendlichen Kühle um fünf Uhr saß ich bereits auf dem Ansitz, das neue Jagdjahr zu beginnen. In Loden gehüllt hatte ich einen wunderbaren Blick über mit Wald bestandene Hügel, die zurzeit einem regelrechten Urwald glichen, vor allem, da es in der Nacht geregnet hatte. Direkt vor mir lag eine schon arg zugewachsene Schneise im Hang, die steil abfiel, nach rechts und links fiel mein Blick auf den Waldweg, der direkt vor dem Hochsitz querte.
Durch die herrliche Hanglage hatte der Jäger wirklich einen wunderbaren Fernblick und so genoss ich zunächst die wenigen Minuten der Stille, bis um ca. zehn nach fünf die ersten zaghaften Piepser aus den Bäumen rings um mich zu hören waren. Auch die Singvögel erwachten so langsam, für mich ein Zeichen, dass ich früh genug den wärmenden Federn entstiegen war.

Der Beständer hatte hier in der Woche bereits angesessen, konnte sogar mehrere Spießer-Böckchen bestätigen, kam aber aufgrund der schon dichten Vegetation nicht zum Schuss. Heute sollte ich mein Glück versuchen. Der Dreilauf stand geladen in der Ecke, das Fernglas lag auf der Brüstung. Das neue Jagdjahr konnte beginnen!

Gespannt hatte ich dem Beständer beim abendlichen Ankunftsbierchen gelauscht, er war bereits aktiv gewesen und hatte den wegnahen Unterwuchs ein wenig gestutzt. Ob mir dies nutzen würde? Oder war das Wild dadurch vergrämt? Der anbrechende Tag würde es zeigen… Das Laufbündel des Drillings wies jedenfalls schon einmal in die Richtung des bekannten Wechsels links über den Weg. Wie vorhergesagt musste es im Falle des Falles ja schnell gehen. So richtig passen wollte mir das Anschlagen in diese Richtung allerdings nicht, musste ich doch ein wenig überdrehen aufgrund der nicht ganz rechtwinkligen Konstruktion der Kanzel, aber da die Entfernungen nicht allzu groß waren, würde es schon gehen…

Knick… vernahm mein Ohr. Im Morgengesang der Vögel fiel dieses Geräusch sogleich auf. Meist lasse ich mich vom einmaligen Knacksen eines Zweigleins aber nicht irritieren… als es auch schon ein weiteres Mal knisterte… da wechselte Wild von hinten an. Zunächst vermutete ich eine Sau, die heimlich auf dem morgendlichen Rückwechsel war. Wie einem da das Adrenalin in die Adern schießt. Mit Quasi-Röntgen-Augen versuchte ich, die Dämmerung zu durchdringen, etwas zu entdecken, als ich links auf grade einmal zwanzig Meter ein Reh spitz auf mich zuziehen sah. Das Doppelglas bestätigte meine Vermutung, dass ein junges Böckchen hier kontrollierte, was am Vortag am Wegesrand passiert war. Überall windend und prüfend zog es langsam auf mich zu. Der würde passen! Bevor ich aber den Drilling anschlagen konnte, zog das Stück wieder nach hinten in den Wald. In Zeitlupe erhob ich mich, die Waffe schon in den Händen. Der Daumen lag an der Greener Nierensicherung. Würde der Jährling hinter dem Hochsitz durchziehen? Auch hier bot eine Schneise Schussfeld. Oder würde er wieder nach oben im dunklen Wald verschwinden? Eine leichte Bewegung am Schneisenrand bemerkend wollte ich schon in Anschlag gehen, als ich erkannte, dass es schon wieder zurück in den Wald ging. Beute verloren? Chance vertan?

Unschlüssig stand ich da, mal den Blick nach hinten, mal zur linken Seite wendend. Vielleicht…

Plötzlich, ich hatte gerade wieder einmal nach hinten spekuliert, stand das Böckchen auch schon mitten auf dem Weg links von mir, vielleicht fünfzig Meter entfernt. Und wieder ging diese Wandlung mit mir von Statten. Die Konzentration galt nur noch der Beute, sachte aber gelöst waren die Bewegungen als ich nun zeitgleich auf den Sitz zurück sank, in Anschlag ging, entsicherte und einstach. Als das Stück im achtfachen Glas mit Absehen eins auftauchte, war es bereits am gegenseitigen Wegrand angekommen, stand mit den Vorderläufen schon wieder im Hang und äste an einige überhängenden Zweigen. Der erste Blick galt dem Haupt – ja, ein Spießerböckchen, und schon glitt der Zielstachel hinters Blatt und mit einem „Plopp“ fuhr die 7x57 hinaus in den feuchten Frühlingswald. Das plopp entstand übrigens durch meinen aktiven Gehörschutz, den ich erst wieder bemerkte, als der Schuss aus dem gezogenen Lauf heraus war. Ende, Leere, Stille.
Am Anschuss war nichts zu sehen, die Bühne war leer, der Blick durchs Feuer war mir dieses mal nicht gelungen. Hmm…

Des Abkommens war ich mir allerdings sicher. Etwas hoch hinter Blatt musste die Kugel sitzen. Ach wüsste man in der sich nun wieder einstellenden Unsicherheit doch schneller, dass man mit seiner Einschätzung auch richtig lag…

Mit dem Beständer war verabredet, auch bei einem Schuss bis um 8:30 Uhr sitzen zu bleiben. Die Neugier schien ihn aber nicht zu halten. Denn wenige Minuten später vernahm ich das Knirschen von Reifen auf dem Schotterweg. Er war im Anmarsch und schon wenig später – die Schein-Zigarettenpause war noch nicht vorüber, rollte der Audi unter dem Hochsitz durch. Das verwirrte mich ein wenig, bin ich doch normalerweise zunächst einmal mit Anschuss und Beute alleine. Also gepackt und abgebaumt. Von unten kamen in der Zeit bereits die fragenden Blicke, die ich ja zurzeit nur mit halb hohem Daumen beantworten konnte. Nach kurzer Schilderung der Ereignisse schritten wir dann in Richtung Anschuss. Meine Aufregung war entsprechend groß und zeitgleich versuchte ich, Schweiß zu finden oder das Böckchen am Dickungsrand liegen zu sehen -.ohne Erfolg. Mittlerweile war ich für mein Gefühl bereits zu weit gegangen, als ein Waidmannsheil mir einen wohligen Schauer über den Rücken jagte. Das ruhige Auge des Beständers hatte Schweiss und Beute gefunden. Der Bock war nach dem Schuss nur noch ein wenig in den Hang gerutscht, ich hatte ihn aber vielleicht auch aufgrund seiner noch vorhandenen Winterdecke nicht erblickt. Erfreut stieg ich ins Kraut und barg mein erstes erjagtes Wild im neuen Jagdjahr. Ein kräftiges Waidmannsheil sowie die Übergabe des Erlegerbruches machten dieses tolle Erlebnis rund. Noch einmal stellte ich die Ereignisse dar, die denen des Beständers ähnelten. Das war wieder Jagd gewesen, bei der Reaktion und Jagdinstinkt gefordert war. Spannend und mit Jagdglück. Und der Schuss saß tatsächlich hoch hinter dem Blatt. Gut.

Das schönste an diesem Erleben war aber sicher, dass es sich bei dem Beständer um den eigenen Vater handelte. Solche gemeinsamen Erlebnisse sind und bleiben unvergesslich!

PS: Wenig später konnte ich mit einer Freundin Leber, Nierchen und Herz des Jünglings an Kartoffelpüree, Äpfeln und Zwiebeln genießen. Ein Traum!
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swinging_elvis

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Kommentare

25.05.2009 20:43 Renevolution81
Gratulation
Lese gerade das Klettsche Buch: "Auf waldgrünen Wegen"- die Geschichte hier, könnte durchaus als Kapitel darin auftauchen!

Ein Traum auf grünem Grund- eben!
25.05.2009 20:54 SauerlaenderJung
Weidmannsheil zum Jährling. Sehr schön geschrieben, wie man es von dir kennt!

5*****
25.05.2009 21:31 swinging_elvis
SauerlaenderJung schrieb:
Weidmannsheil zum Jährling. Sehr schön geschrieben, wie man es von dir kennt!

5*****

Waidmannsdank. Freut mich
25.05.2009 21:32 swinging_elvis
Renevolution81 schrieb:
Gratulation
Lese gerade das Klettsche Buch: "Auf waldgrünen Wegen"- die Geschichte hier, könnte durchaus als Kapitel darin auftauchen!

Ein Traum auf grünem Grund- eben!

Ja, die Einflüsse sind unverkennbar - jagdromantisch eben.... auf das Buch bin ich jetzt mal neidisch, denn das hab ich noch nicht Aber bald, aber bald... rock!
25.05.2009 23:36 Lakai
Waidmannsheil an den Clubbruder, heute Mittag wollte ich dir fast eine PN schreiben wo denn die Geschichte zum Bock bleibt ;)

Gruß Jan, der hofft das wir dieses Jagdjahr mal gemeinsam jagen ;) Ich denke auch René wäre davon nicht abgeneigt
26.05.2009 05:35 swinging_elvis
Lakai schrieb:
Waidmannsheil an den Clubbruder, heute Mittag wollte ich dir fast eine PN schreiben wo denn die Geschichte zum Bock bleibt ;)

Gruß Jan, der hofft das wir dieses Jagdjahr mal gemeinsam jagen ;) Ich denke auch René wäre davon nicht abgeneigt

Ja, ein gemeinsames Club-Treffen wäre scho net schlecht. Gut, dass mich mal einer wach macht Hat echt lange gedauert mit der Geschichte... und die Birkhahnsache.. oh, oh, oh elvis
26.05.2009 09:57 platzi
Hallo Elvis
Bravo! - Auch ein Spiesserchen ist es wert, ... das Erlebnis kann aufregender sein, als ein Kapitaler Abschuss. Genau wie du geschrieben hast, so passierts wirklich.
Weidmannsheil zum Böckchen!

Diether
26.05.2009 14:09 swinging_elvis
platzi schrieb:
Hallo Elvis

Bravo! - Auch ein Spiesserchen ist es wert, ... das Erlebnis kann aufregender sein, als ein Kapitaler Abschuss. Genau wie du geschrieben hast, so passierts wirklich.

Weidmannsheil zum Böckchen!



Diether



Waidmannsdank. Ich sag nur: Jagd Anfang Mai - ob Schmalreh oder Böckchen - immer ein Traum!
26.05.2009 16:23 WiednerDerSteirer
So spannent kann Jagd sein - ein sehr schöner Erlebnisbericht !
Danke und Waidmannsheil
der Steirer
Wiedner
26.05.2009 18:27 faehe81
Waidmannsheil zum Bock!

Dein Erlebnis hast du wirklich super erzählt

Viele Grüße
faehe
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