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Das erste Mal

Bock Tot für den Jungjäger (1 Eintrag)

Mein Böckchen und Ich Der Spiesser und Ich 2
609 mal angesehen
23.05.2009, 00.30 Uhr

Der Spießer

Achtung - ggf. Überlänge.


Als frisch gebackener Jungjäger ist man um jede Jagdgelegenheit froh. Vor allem, wenn diese dann auch noch so großzügig vergeben wird wie von meinem Jagdherrn. Am Abend vorher erfolglos an einem frisch angeschütteten Misthaufen auf Sauen angesessen, möchte man natürlich den kommenden Abend sein Glück auf den Bock versuchen. Doch eins nach dem anderen.

Am 30.04. bestand ich meine Jägerprüfung und hatte direkt von Anfang an das Glück, das ich an einen sehr netten Pächter geraten war. So geschah es, das ich auf einer Windwurffläche, die nach Kyrill mit Douglasie und einem Buchen - / Eichengemisch bestockt worden war, mich auf einen Bock ansetzen durfte. "Da geht ein geringer Bock, vermutlich Jährling, wenn Du den vorhast und schiessen kannst, so mach" waren die Worte meines Pächters.
Mein ursprünglicher Plan, mich im Morgengrauen anzusetzen, wurde durch die Tatsache umgeworfen, das ich meine bestandene Prüfung mit ein paar Kameraden feiern wollte und den Samstag morgen zur Vorbereitung brauchte. Also baumte ich den vorherigen Abend auf.

Der Abend bedeutet nichts gutes. Als ich gegen 18.00 meinen Jimny abstellte und zu Fuss ca. 250 m Rückeweg erklomm, erklangen schon von weitem die laut kreischenden Motorsägen, anscheinend machte jemand richtig viel Holz im Revier. Immer wieder brachen große, alte Fichten, was in der Szenerie wie ein Schuss klang. Ich baumte auf einen verblendeten Drückjagdbock auf, da die letzten Ansitze auf einem ca 150m entfernten Scherensitz erfolglos geblieben sind.
Beim Aufbaumen fielen mir die Mountainbiker auf, die fröhlich unterhaltend über den Weg geprescht kamen, ... na, das sollte ja ein Abend werden. Das Sägen und den nun zunehmend stärker werdenden Wind im Rücken dachte ich noch bei mir, das das diesen Abend nichts geben wird, da der Wind genau auf den vermeintlichen Einstand des Bockes zutrieb. Vor mir in ca. 80m Entfernung ein Buchenrauschen mit dichtem Brombeerunterwuchs, rechts vor mir ein Fichtenaltbestand. Zu meiner Rechten eine Art Wall, wohl hervorgehoben durch umgefallene Fichten und deren Wurzelwerk.
Wie ich so dasitze und dem sonoren Sägegeräusch lausche, vertreibt der Wind die Wolken und die letzten warmen Sonnenstrahlen legen sich in meinen Nacken. Zu meiner Rechten macht es sich Meister Lampe gemütlich und nascht zum Teil am frischen Grün der Setzlinge, zum Teil am starken Bewuchs, der die Kyrillfläche immer mehr in sich vereinnahmt. Na, denke ich, wenn der Wind dem Hasen schon nicht meine Witterung zuträgt, vielleicht hast du dann ja Glück mit dem Rehwild.
Langsam verstummen die Sägen, es ist bereits 20.15 durch. Auch die Radfahrer und die Joger und wer sonst noch im Revier nach Erholung schreit, scheinen aufgrund des unbeständigen Wetterberichts heute früher wie sonst ihre Aktivitäten ins Wohnzimmer zu verlegen. Zum wiederholten Male glase ich den vermeintlichen Einstand sowie die gesamte Fläche ab. In Gedanken überlege ich, wie lange heute wohl das Büchsenlicht ausreichen mag, um einen Bock sauber anzusprechen. Viertel vor 10 habe ich mir als Ziel gesetzt, danach ist wohl Schluss.

Langsam resignierend, schweifen meine Blicke nach einiger Zeit nach links von meinem Sitz in ein weiteres Fichtenaltholz. Die Bewegung nehme ich so gerade im Augenwinkel war. Ein Stück Rehwild, keine 20 Gänge von dir entfernt. Es scheint von hinten an mich herangewechselt zu sein, also konnte es meinen Wind nicht mitbekommen haben. Langsam zieht es an mir vorbei. Moment, vorbei? Also rein in den Wind? Das ist aber gar nicht gut... wie auf Kommando wirft das Stück auf. Ich spreche es als Bock an, deutlich sehe ich das Gehörn blitzen vor dem dunklen Tann. Mit einer Geschwindigkeit, in der mich jede Schnecke überholt hätte, greife ich zum Doppelglas. Grade bekomme ich es zu packen, da äugt mich der Bock direkt an. Ich friere ein. Meine Atmung und meine Bewegung hält komplett an. Jetzt nur nicht bewegen. Da wirft der Bock herum und tut ein paar Gänge, mein Glas ist mittlerweile am Kopf, ein Spiesserchen wird ausgemacht. Die Lichter wandern wieder herum, schlagartig friere ich wieder ein. "Geh weiter", sagt mein inneres zu dem Böckchen, dessen Spiesse nicht mal Lauscherhoch gerade richtig erscheinen. Ich versuche, mein Glas mit der Waffe zu tauschen. Der Griff geht um den Vorderschaft, das Böckchen dreht sich um - Einfrieren. Das Böckchen zieht weiter - die Zeit vergeht, das Fichtenaltholz naht, Waffe muss an die Schulter. Gleichzeitig entsichern, Vergrösserung auf 3 runter - Böckchen schaut mich an - Statue. Böckchen zieht - ich versuche aufzulegen, scheisse... Pächter und Jagdausfseher beide 20 cm grösser als ich, Brüstung zu hoch...muss mich hinstellen. Mit der Geschwindigkeit eines Faultiers erhebe ich mich, das Böckchen, keine 40 Schritte von mir entfernt fest im Blick. Es geht so gut wie automatisch. Böckchen nimmt Fichte an - Waffe auf Faust auflegen. Böckchen schiebt seinen Vorderkörper so weit hinter der Fichte hervor, das das Blatt frei ist und sichert zu mir rüber, mich fest im Blick so scheint es. Ich steche ein. Das Blatt ist frei, das Böckchen sichert. Ich denke an die Worte meines Pächters - ... " auf 100m 4 cm Hochschuss" KAAAAWUUUUUUUUMMMMM. Die letzten Worte habe ich nicht mehr berücksichtigt. Meine Ohren klingeln. Scheiss 30.06 - viel lauter als die Lehrgangs - 222. Das Böckchen springt ab, tut ein paar Gänge, bleibt stehen und fällt um. Ich repetiere eine neue Patrone ins Lager und bin stehend freihändig sicherlich 3min auf dem nun immer weniger schlegelnden Böckchen. "Geht bitte tot" flehe ich es an. Die Büchse spüre ich nicht. Ansonsten so schwer, ist sie nun wie eine Feder. Das Schlegeln nimmt ab... hört auf ... Ruhe im Wald. Ich spreche mit mir selber... Nimm die Waffe runter, sicher sie vor allem!!! Ich stelle die Büchse ab, schmeisse sie fast um - lasse sie los.
Das Zittern trifft mich unerwartet... kerlekiste ... Das ist also Jagdfieber. Leck mich am Arsch, ich kann nicht mal mehr das Doppelglas ruhig halten.


Nach 5 Minuten baume ich ab, ich sehe den Bock ja liegen. Die Büchse nehme ich mit. Nach weiteren 15 min finde ich den Bock erst. Sieht alles so anders aus wie vom Sitz aus... Gehörn wird begutachtet. Kleiner, 2 jähriger Spiesser liegt vor mir. Passt alles. Ca 2t Geröll fallen mir vom Herzen. Mit zitternden Händen rufe ich meinen Pächter und danach meine Freundin an.
Bock tot. Weidmannsheil.

offline

Geschrieben von

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Kommentare

23.05.2009 00:47 Janniiis
Nett geschrieben, fast schon poetisch! ;)
Nochmal Waidmannsheil.
23.05.2009 00:51 Remmi
Waidmannsheil zu deinem Böckchen!
Es folgen sicher weitere!
übrigens: das mit dem jagdfieber ist eine tolle sache wenn dies gefühl fehlt, dann bist du nur ein "schiesser"
23.05.2009 00:52 SauerlaenderJung
Bolchower schrieb:
Waidmannsheil zu deinem Böckchen!
Es folgen sicher weitere!
übrigens: das mit dem jagdfieber ist eine tolle sache wenn dies gefühl fehlt, dann bist du nur ein "schiesser"


Das habe ich heute schon das zweite Mal gehört, scheint was dran zu sein.

Weidmannsdank!
23.05.2009 00:55 Remmi
SauerlaenderJung schrieb:
Das habe ich heute schon das zweite Mal gehört, scheint was dran zu sein.



Weidmannsdank!


glaub es mir, auch bei mir ist nach mittlerweile über 20 jahren noch eine anspanung da, die mit worten kaum zu beschreiben ist.
ich finde das aber ok so.
23.05.2009 01:00 Miki1967
gut geschrieben
noch mal waidmannsheil
Gruß Miki
23.05.2009 10:47 faehe81
Du hast dein Jagderlebnis wirklich toll erzählt, man kann richtig mitfühlen.

Waidmannsheil zu nochmal zu deinem 1. Bock!

Viele Grüße
faehe
23.05.2009 18:43 Knallfroesch
Toller Bericht eines Jagderlebnisses zum Miterleben
Gruß v. Knalli
24.05.2009 16:46 gruenrock
Weihei auch von mir in die Nachbarschaft.

Das ist doch ein sehr gelungener Einstieg. Und bestens erzählt. Da macht lesen wieder Spass.

Gruss
gruenrock
24.05.2009 17:47 Lakai
Waidmannsheil, der Erste ist immer ein besonderer! Das mit dem Jagdfieber gehört natürlich dazu, du musst dich nur beherrschen können nicht überhastig zu schiessen wenn du zu arg zitterst ;)
25.05.2009 08:49 Niederbayer
Waidmannsheil! In deiner Erzählung erkenn ich mich wieder!
25.05.2009 17:07 Dirk71
Super geschrieben!
Als wäre man dabei gewesen.
Waidmannsheil!

Dirk
25.05.2009 21:14 Malepartus
5
25.05.2009 22:52 Nuernberger
Waidmannsheil zu deinem 1. Bock
Bei mir hat es letzte Woche auch geklappt!
War ebenfalls mein 1.Bock und wie ich so lesen kann,dir ging es genauso wie mir
Gruß und weiterhin WMH
Pascal
26.05.2009 07:22 SauerlaenderJung
Weidmannsdank noch einmal an alle!
26.05.2009 08:05 jaegerlein007
Waidmanns Heil zum ersten Bock.
Klasse geschrieben.
29.05.2009 17:46 swinging_elvis
Hossa uns Waidmannsheil. Toll erzählt die Geschichte und man merkt förmlich, wie Du während des Schreibens wieder vorort bist... Toll geschrieben... da geht's richtig durch mit einem Alles Gute und weiterhin viel Waidmannsheil.
PS: War der Bock wirklich schon 2, sieht wie ein Jährling aus, ist aber überall anders...
29.05.2009 21:51 SauerlaenderJung
swinging_elvis schrieb:
Hossa uns Waidmannsheil. Toll erzählt die Geschichte und man merkt förmlich, wie Du während des Schreibens wieder vorort bist... Toll geschrieben... da geht's richtig durch mit einem Alles Gute und weiterhin viel Waidmannsheil.
PS: War der Bock wirklich schon 2, sieht wie ein Jährling aus, ist aber überall anders...


Weidmannsdank SwingingElvis.

Der Zahnwechsel war schon durch. P4 war nicht mehr dreiteilig, und der Rest der Zähne war auch schon vorhanden. Mein Pächter und sein Jagdaufseher denken ähnlich.
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