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Aikon´s Jagderlebnisse

Erlebnisse und Erfahrungen mit der Jagd. (25 Einträge)

Mond durch unser Hofesche
898 mal angesehen
10.03.2009, 12.11 Uhr

Ein Frischling in heller Mondnacht am Hartwedel

Sonntag 08.03.2009 22:30 Uhr
Es war mal wieder soweit, der Mond stand hoch am Himmel und war bereits am frühen Abend aufgegangen. „Sollte ich die Chance noch mal nutzen und mich auf Schwarzwild ansetzen oder doch lieber auf dem Sofa liegen bleiben?“ so ging es mir durch den Kopf. Allerdings war ich am Freitag und Samstag schon nicht draußen gewesen und das Wetter schien recht gut zu werden. Der Endschluss viel beim Telefonat mit einem Freund, er bejagte das Nachbarrevier und hatte an unserer Grenze die Sauen gefährtet, natürlich wollte er selber im Wald ansitzen. Somit raffte ich mich auf und packte meine Sachen, das Abendbrot viel dürftig aus, denn mit vollem Magen jagt es sich schlechter. Der Beutetrieb ist mit leichtem Hunger stärker und so erhöht sich das Sitzfleisch. Dazu kam noch, dass ich von dem selbst gemachtem Wildschweinschmalz aß, um schon mal auf den Geschmack zu kommen.

Somit war ich perfekt vorbereitet und machte mich auf dem Weg zu dem nahe gelegenen Hochsitz. Ich fuhr grade aus dem Dorf raus, da merkte ich, dass mein Handy zuhause liegen geblieben ist, also wieder zurück Man weiß ja nie was passiert. Den Feldweg fuhr ich langsam und mit gedämpftem Licht entlang, 300 m vor meinem Ziel parkte ich das Auto hinter einer Hecke. Der Mond stand sehr schön im Sternenbild, keine Wolke zu sehen und den Duft von 500 Sauen machten mir Hoffnung heute Beute zu machen. Der Duft der 500 Sauen kam aus dem entfernten Schweinestall. Da ich den Geruch war nahm, bestätigte mir das den gut stehenden Wind. Sehr vorsichtig und immer wieder horchend machte ich mich auf die Pirsch zur Kanzel. Nichts war zu hören, bis auf wenig Hundegebell aus dem Dorf, die Kirrung war frei und unberührt. Routinemäßig zog ich in die Kanzel ein, die Waffe wurde geladen, anschließend öffnete ich die Fenster. Immer noch zog der Wind vom Maststall herüber, zwar etwas gewöhnungsbedürftig dieser Geruch dafür allerdings ein sicheres Zeichen das der Wind richtig stand.
In dem Buchen- Eichenbestand konnte ich alles wunderbar sehen, die Kirrung lag ca. 40m weit weg um war umgeben von Ilex. Meiner Meinung nach eine gute Kirrung da sie genügend Deckung brachte und wir von dem hohen Sitz sehr gut auf die Kirrstelle schauen konnten. Auf der Feldseite war Raps angebaut und dahinter Weizen, der Rest der Äcker lag noch brach.
Die ersten Beobachtungen, nachdem sich meine Augen an das Mondlicht gewöhnt hatten, waren Rehe. Sie zogen umher und sorgten für Abwechslung wären ich auf die Schwarzkittel wartete. Ein rascheln unter meinem Sitz ließ mich aufhorchen, den Lauten nach lief etwas auf dem leicht gefrorenen Raps entlang. Ich nahm das Glas zur Hand und siehe da ein Fuchs, genau vor der Kanzel suchte er nach Mäusen. Der Griff zur Waffe unterblieb denn Meister Reinecke hatte seine wohlverdiente Pause, im Sommer würde ich Ihn sicherlich wieder treffen.
Die Zeit verging schnell und es wunderte mich wie spät es schon war, als ich auf die Uhr schaute. So ging es mir immer wenn ich während des Ansitzes Wild beobachten konnte. Doch was war das? Bereits ein paar Minuten zuvor hatte ich diesen Laut schon mal gehört aber nicht zuordnen können. Mein erster Gedanke ging an einen Uhu aber diese Eulenart hatten wir nicht im Revier, somit verwarf ich den Gedanken.
Die Rehe um mich rum wurden mehr, im Wald, in der Nähe der Kirrung, standen nun drei weibliche Stücke. Erstaunlich wie das Licht es Mondes durch das Geäst der Eichen und Buchen schien, selbst einen Bock konnte ich später sicher ansprechen. Hinter mir in der Ferne hörte ich Tritte, schnelle Tritte und vor allem mehrere Stücke. Es waren mal wieder nur Sekunden die alle Möglichkeiten aufkommen ließen. Mein Drehstuhl drehte sich zum anderen Fenster und sofort konnte ich in der Ferne eine dunkle Bewegung erkennen. Mit dem Fernglas zu Hilfe fand ich schnell die Ursache. Unvorstellbar und schon wieder gegen alle Regeln die man mir erzählt hatte, kamen in einem schnellen Galopp, die Sauen über den Acker. In ca. 150m konnte ich sie bei dem hellen Mondschein wunderbar ansprechen. An erster Stelle die Bache, gefolgt von vier Frischlingen. Zuerst überquerten sie das Weizenfeld, sprangen elegant über einen Graben und liefen weiter über den Raps. Wahnsinn dachte ich ohne die Waffe in die Hand zu nehmen, diese Momente sind immer wieder unbeschreiblich. Allein das Gefühl und das Erlebnis Sauen zu sehen, ist fantastisch. Am Waldrand blieb die Rotte stehen und sicherte, sehr ungünstig für mich, denn mein Wind ging genau in ihre Richtung. Die Bache sicherte sofort und hielt das Gebräch in die Luft, „auf Wiedersehen“ flüsterte ich vor mich hin. Zu meiner zweiten Verwunderung kam die Bache auf mich zu, was ist denn jetzt, will sie auf Nr.- sicher gehen? Nein, sie nahm den Wechsel in den Wald und war verschwunden. Dem Anschein nach hatten sie keinen Wind bekommen, nun lag die Spannung in der Luft. Was würden sie als nächstes machen? Entweder gingen sie nach link weg, ins Nachbarrevier oder sie würden zu mir hoch kommen und somit den Weg gegen den Wind nehmen. Das wäre sicherlich die beste Variante, meinen Wind würden sie nun nicht mehr bekommen da er von ihnen parallel wegzog. Ich drehte meine Position wieder Richtung Kirrung, die .30-06 legte ich mir quer auf die Beine und meinen Hut legte ich schon mal auf das Fensterbrett. Mit dem Glas beobachtete ich die Rehe auf der Kirrung, sie hatten ebenfalls die Sauen mitbekommen und guckten in deren Richtung. Es dauerte nicht lange und das Rehwild machte sich lautlos davon. Nun war ich gespannt wie ein Flitzebogen, würden sie Sauen tatsächlich auf meine Kirrung kommen oder doch durch die Buchen in das Nachbarrevier wechseln. Die Ungewissheit sorgte gleich wieder für einen höheren Blutdruck. Knack, Knack na kommen sie? Mit dem Glas konnte ich nichts sehen, der Ilex gab den Sauen die nötige Deckung, nur das Rascheln konnte ich deutlich hören. Wo sind sie denn bloß? Da ein Schatten, Glas hoch und sofort erkannte ich die Wildsau wenige Meter entfernt zur Lockstelle. Zielstrebig lief die Bache auf die Kirrung zu, dort angekommen holte sie tief Luft und gab Entwarnung. Mit einem kräftigen Satz öffnete sie die Snackbar, beeindruckend was für eine Kraft die kleine Bache hatte. Ich schätzte sie auf ca. 40 kg und die Frischlinge, die sofort die Maiskörner aufsuchten, lagen um die 25kg und mussten irgendwann im November das Licht der Welt erblickt haben. Noch immer saß ich dort oben in meiner Deckung und suchte mir das passende Stück raus. Da die Bache etwas abseits stand, konzentrierte ich mich auf die vier Kleinen. Einer stand sofort breit und so sollte dieser meine Beute werden. Die Waffe legte ich vorsichtig auf die Brüstung, die durch meinen Hut eine sichere Auflage bot. Um etwas den Puls zu beruhigen atmete ich tief ein und wieder aus, leider beschlug dadurch das Zielfernrohr. So mist, es war nichts mehr zu sehen. Ich wartet die Zeit ab bis das Zielfernrohr wieder frei war und ging erneut in Anschlag. Noch immer standen die Frischlinge im Kreis um die schmackhaften Körner, der eine stand noch breit und die Bache scheuerte sich an der Buche. Ich aktivierte das Leuchtabsehen und ging ins Ziel, noch etwas die Vergrößerung ändern und ja jetzt müsste es passen. Als ich hinter dem Blatt das Absehen stehen ließ knallte meine .30-06 ihre Pulverladung heraus. Der Schuss war raus und „nein“ so mist, was war das, wieso hatte ich kein Mündungsfeuer gesehen? Schei... dachte ich, ich habe es noch gemerkt aber es war nicht mehr auszuhalten. Ich habe tatsächlich bei der Schussabgabe die Augen geschlossen, warum denn nun das, so etwas habe ich doch sonst nie gemacht. Die Sauen flitzen nach hinten weg, alle! Wo meine beschossene Sau genau abgeblieben ist kann ich nicht sagen. Natürlich habe ich sofort durchrepetiert und die Verfolgung aufgenommen aber erkennen konnte ich nichts mehr.
Jetzt war die Ruhe gänzlich dahin, das zittern begann erneut und heftiger denn je. Das war nicht meine Jagd, ich liebe es wenn die Stücke liegen oder in Sichtweite umfallen aber das hier machte mich verrückt. Sobald ich mich halbwegs gefasst hatte rief ich meinen Kumpel an, er hatte natürlich den Schuss gehört und meinte gleich einen deutlichen Kugelschlag gehört zu haben. Ich wartete noch solange auf dem Hochsitz bis mein Jagdfreund zu mir kam, als ich sein Auto sah, machte ich mich auf den Weg nach unten. Als ich auf der Leiter stand hörte ich ein Rascheln auf der Kirrung und schaute mich um, das Rehwild war wieder da. Nur was war das, wieder dieser Ruf und jetzt viel lauter wie vorhin, nun aber doch recht eindeutig das Rufen eines Uhu´s. Kaum zu glauben das wir einen solchen Vogel hier im Wald haben, hoffentlich bleibt er und lässt sich mal blicken.
Zusammen gingen wir auf die Kirrung, die Stelle an der ich den Frischlingen beschossen hatte konnte ich mir gut merken. Mit unseren Taschenlampen suchten wir den Anschuss, doch es war nichts zu finden. Ärgerlich über mich selber machte ich mir kaum noch Hoffnung, getroffen zu haben. Sollte ich das erste mal eine Sau gefehlt haben? Ich wollte es nicht glauben, also noch tiefer runter mit der Nase, irgendwas musste doch zu finden sein. Da ein Buchenblatt mit Schweiß, was für eine Erleichterung. Es ist nicht viel Schweiß gewesen dennoch klebte etwas grobes wie gemahlener Mais mit am Blatt. Also hatte ich ein wenig zu weit hinters Blatt gehalten und der Magen wurde getroffen. Wir suchten weiter und fanden nichts bis wir anfingen Kreise zu ziehen. An einem Baumstumpf erkannten wir ebenfalls Schweiß, das Feist hatte sich vor den Ausschuss gesetzt und alles dicht verschlossen doch hier am Baumstumpf hatte sie augenscheinlich Kontakt. Ein paar Meter dahinter wurde es immer mehr, wir folgten der Spur und fanden zwischen Ästen, Sträuchern immer wieder die rote Fährte. Nach ca. 40m trafen wir auf einen verendeten Frischling mit einem guten Schuss (Wildbrett schonend) hinter dem Zwerchfell. Die Norma Vulkan hatte mal wieder ganze Arbeit geleistet. Kurz darauf traf auch mein Jagdfreund mit seinem kleinen Münsterländer ein, ersuchte ein zweites mal die Wundfährte mit dem Jungenhund nach. Auch er traf auf die Sau und freute sich über die Nase seines Hundes. Stolz wie Oskar zogen wir die Wildsau aus dem Bestand. Die richtige Größe zum verkaufen und auch von der Hege ein richtiger Abschuss. Den 25kg Keilerchen versorgten wir in der Wildkammer und ließen, wie bei uns üblich, den Abend bei Schluck und Bier in der Küche ausklingen.
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Aikon

Aikon

Alter: 40 Jahre,
aus Niedersachsen
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Kommentare

10.03.2009 13:33 faehe81
Waidmannsheil zum Keiler

Die Geschichte ist richtig toll erzählt.

Viele Grüße
faehe
10.03.2009 14:03 platzi
Weidmannsheil und wieder nett erzählt.

Gruß

Diether
10.03.2009 14:47 Anju
Wie immer klasse erzählt. WMH
10.03.2009 21:49 swinging_elvis
Manchmal kann ich die Argumentation derjenigen verstehen, die sagen, Kirrungsjagd ist keine echte Jagd. Anererseits hatte ich schon viele solcher oder ähnlicher spannender Erlebnisse an Kirrungen - unvergesslich und wie bei Dir: Am Ende freut man sich sehr, nach sauberem Ansprechen einen leckeren Frischling auf der Strecke zu haben. Fein! Dir Waidmannsheil und meine Meinung zu Kirrungen: Gezielte und selektive Jagd, die spannend ist und tolle Erlebnisse liefert - wie hier von Dir erzählt! Grüße, elvis
11.03.2009 10:50 Aikon
Die Wildschweine sind bei uns immer nur auf dem Durchzug und in dem Buchen- Eichenwald sind keine Dickungen vorhanden. Ohne Kirrung würden die Schwarzkittel daher nicht an einen Stopp denken. Sobald die Feldfrüchte Deckung bieten wird die Lockstelle auch nicht mehr angenommen dann muss auch ich im Feld auf die Suche gehen.
11.03.2009 14:18 Remmi
Waidmannsheil zum Frischling!
Hast du wiedermal super geschrieben, da kann man es toll nachvollziehen
11.03.2009 17:25 jaegerecki
Waidmannsheil !

Deine Erzählungen sind so lebendig wie ein Film geschrieben. Beim lesen der Geschichte kommt Jagdfieber auf. Super !! Mehr davon !!

Gruß aus dem Münsterland.




11.03.2009 21:51 Haderer
Waidmannsheil!
12.03.2009 18:14 Keiler
wie immer

dickes Waidmannsheil
vom Keiler
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