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Ringeln

(1 Eintrag)

Geringelt und sauber aufgebrochen
2659 mal angesehen
10.03.2009, 07.39 Uhr

Ringeln

Fotos dazu sind im Album "Ringeln" bei mir. Bilder zum Artikel

Qualitätssicherung von Wildbret durch hängendes
Aufbrechen „Überkopf“



Im Zuge strenger werdender Fleischhygiene und einem Preisverfall des Wildbrets, muss über Alternativen in der Behandlung des erlegten Wildes nachgedacht werden.
Einige Niedersächsische Forstämter vermarkten den Großteil ihrer Drückjagdstrecken über einen Wildhändler, der ein Aufbrechen des Wildes mit Ringeln und hängend „Überkopf“ fordert.
Ich habe auf einigen Jagden einen Großteil der Strecken nach dieser Methode aufgebrochen und stellte dabei immer wieder fest, dass diese Methode den meisten Jägern unbekannt ist.
Oft hörte ich auch die Kommentare „das ist aber umständlich“ oder „nach der alten Methode geht es doch viel schneller“. Das dem nicht so ist, wird hoffentlich anhand dieser Fotoreihe deutlich. Ein großer Vorteil ist hier, dass auch bei Waidwundschüssen kaum bis keine Entwertung des Stückes zu erwarten ist. Durch das Ringeln bleiben die Keulen geschlossen und ein Austrocknen und eine Verschmutzung mit Magen-/Darminhalt werden vermieden. Außerdem schont die Arbeit im Stehen den Rücken. Man benötigt lediglich ein scharfes Messer und eine Möglichkeit das Wild aufzuhängen. Dies kann bei Rehwild und schwachen Sauen die Hochsitzleiter sein, bei schwererem Wild bietet sich die Wildkammer oder ein schnell gebauter Aufbrechbock an.

Ein Frischling wurde geschossen und muss nun aufgebrochen werden.
Begonnen wird mit dem Ringeln um das Waidloch. Das Stück wird auf den Rücken gelegt und wenn möglich zieht eine zweite Person die Hinterläufe Richtung Haupt. Ist man alleine, wird das Stück einfach in eine Senke oder in einen Graben gelegt oder an einen Baum gelehnt.
Nun wird das Messer flach zwischen Waidloch und Pürzel angesetzt (Foto1) und soweit geschnitten, bis mit dem Zeigefinger der Mastdarm von außen gefasst werden kann (Foto2). Anschließend wird das Waidloch umschnitten, bis der Darm gänzlich vom Beckenknochen gelöst ist. Das Messer kann hier keinen Schaden anrichten, da der Darm vom Beckenknochen umgeben ist. Letzte Verbindungen werden mit dem Finger durchtrennt (Foto3).
Als nächstes wird die Schwarte vom Brustkorb bis in die Kinnspitze aufgeschärft (Foto4). Durch Schnitte rechts und links der Drossel wird diese gelöst. Der Lecker wird ebenfalls entnommen, da auch an diesem eine Beschau auf bedenkliche Merkmale stattfinden muss (Foto5).
Jetzt kann die Sau aufgehängt werden (Foto6). Dies geschieht wie beim Zerwirken.
Mit einem Schnitt wird die Bauchdecke geöffnet (Foto7). Nun wird mit einer Hand das Gescheide zurück gehalten und mit der anderen der Schnitt bis zum Brustkorb erweitert (Foto8). Nachfolgend wird der Brustkorb geöffnet. Dies geschieht mit dem Messer und ist auch bei starken Stücken ohne Säge zu bewerkstelligen (Foto9+10). Anschließend kann der geringelte Mastdarm in den Bauchraum gezogen werden (Foto11). Zum Schutz der Filets gegen Austrocknung und Beschmutzung, bleiben die Nieren und das Nierenfett im Stück. Dies ist nicht schwer, man muss nur den Darm beim Herabziehen vorsichtig vom Nierenfett trennen (Foto12). Nun kann das Gescheide schon teilweise aus dem Bauchraum gezogen werden (Foto13). Anschließend werden die Zwerchfellpfeiler ca. 4 cm unterhalb der Wirbelsäule durchtrennt, da diese für die Trichinenuntersuchung benötigt werden (Foto14). Danach wird das Zwerchfell entlang der Rippen abgeschärft. Der gesamte Aufbruch rutscht nun nach unten aus dem Wildkörper. Als letzter Schritt wird der Bauchraum mit reichlich Leitungswasser ausgespült. Mit Gescheideinhalt beschmutzte Partien werden großzügig ausgeschnitten.
Vor uns haben wir nun ein Lebensmittel bester Qualität, das mit gutem Gewissen verkauft werden kann (Foto15).

Ein so aufgebrochenes Stück Wild ist ein positives Aushängeschild für die Jägerschaft und trägt dazu bei, dass das Lebensmittel Wildbret für den Verbraucher, gerade in Zeiten von Gammelfleischskandalen, an Attraktivität gewinnt. Mit etwas Übung ist diese Methode sehr leicht zu erlernen. Für Fragen und Anregungen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung. Email an
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Heidefoerster

Heidefoerster

Alter: 36 Jahre,
aus der Heide
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Schlagwörter

ringeln, schießkino

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Kommentare

10.03.2009 08:09 sauer202forest
"Immer schön das Nierenfett drinne lasssen"
Zitat:"W.M"

Micha
10.03.2009 08:19 Heidefoerster
sauer202forest schrieb:

"Immer schön das Nierenfett drinne lasssen"
Zitat:"W.M"

Micha

Recht hat er damit.
Da hab ich auch noch einen: "Die Blätter sind wirklich das Beste vom Reh. Nur mit Pfeffer und Salz kurz in die Pfanne. Und wenn mal keine Pfanne da ist, dann ess ich die auch mal roh"
10.03.2009 13:56 DocZ


Prima Beitrag !


10.03.2009 14:22 sauer202forest
Heidefoerster schrieb:

Recht hat er damit.
Da hab ich auch noch einen: "Die Blätter sind wirklich das Beste vom Reh. Nur mit Pfeffer und Salz kurz in die Pfanne. Und wenn mal keine Pfanne da ist, dann ess ich die auch mal roh"


Das hab ich nicht gehört. Er meinte immer zu uns, " schießt lieber die Blätter kaputt, als den Pansen"
10.03.2009 18:24 Aikon
Kennt den einer von euch den Waidlochauslöser? Hat einer damit schon mal Erfahrungen gemacht?
10.03.2009 19:52 magnum
Du meinst die "Korkenzieher" für's A'loch?
[www.frankonia.de]
10.03.2009 20:06 swinging_elvis
Ist hier in Finnland die Regel. Beim Elch kann man den enddarm gleich mit dem ganzen Arm durchs Becken schieben.. genug Platz. Guter Artikel! Waidmannsgruß, elvis
10.03.2009 21:42 OEMI
Sehr guter Beitrag und aussagekräftig durch Fotos unterstrichen.
Hierfür meine volle Anerkennung mit einer Bewertung von 5 Punkten.
Gruss OEMI
11.03.2009 10:43 Heidefoerster
Aikon schrieb:

Kennt den einer von euch den Waidlochauslöser? Hat einer damit schon mal Erfahrungen gemacht?

Ich habe den mal benutzt, für Rehwild meiner Meinung nach zu klein, geht sehr schwer rein. Bei RW DW und Sau überflüssig weil die so große Waidlöcher haben das man da wunderbar ohne Milfsmittel arbeiten kann.

Wenn es den eine Nr. kleiner für Rehe geben würde wär das ganz OK, bei denen ist es nämlich in der Winterdecke mitunter schon manchmal etwas fummelich sauber zu arbeiten.
12.03.2009 14:13 querz
Sehr guter Beitrag...Danke

5 Punkte
31.03.2009 19:09 MeisterLampe
Gut geschrieben, sehr informativ 5P

Danke
MeisterLampe
16.04.2009 21:04 Muscardinus
Aikon schrieb:
Kennt den einer von euch den Waidlochauslöser? Hat einer damit schon mal Erfahrungen gemacht?

Meiner Meinung nach rausgeworfenes Geld. Mit dem Messer geht es besser und das hast Du auch immer dabei.
09.08.2010 11:11 Johannes06
Herzlichen Dank!
09.11.2010 06:37 kirrdoedel
Hab diesen Blog zum Thema - Ringeln - heute zufällig gefunden.
Mein Kommentar: Hut ab - - - Klasse !!!
Gruß
kd
...der auch schon seit Jahren "ringelt"
30.05.2011 20:10 Patze
Sauber! sehr anschaulich beschrieben.

WMH
25.04.2012 18:10 aufderheide
Ein kurzer und überaus prägnanter Artikel mit
hervorragenden Bildern. Danke.

aufderheide
07.05.2012 00:08 Dackeleva
so, hab heut nochmal diesen schönen blog interessiert durchgelesen und dann gleich mal an nem böckchen umgesetzt :)

danke für verständliche erklärungen und anschauliche bildchen
06.07.2012 08:54 Canidea
Dein Beitrag ist gut , wir beim Stammtisch
besprochen
06.07.2012 09:46 Heidefoerster
Canidea schrieb:
Dein Beitrag ist gut , wir beim Stammtisch
besprochen

Einen schlechten hätte ich auch nicht veröffentlicht.
17.10.2012 15:03 Ongi
Bezüglich des "Mastdarms durchziehen" eine Frage

Knotest du den nicht zu oder so oder entleeren , spülen, reinigen ?
Da dort doch Bakterien in bestimmt nicht kleiner Menge am Ausgang sind.
17.10.2012 17:14 Heidefoerster
Ongi schrieb:
Bezüglich des "Mastdarms durchziehen" eine Frage

Knotest du den nicht zu oder so oder entleeren , spülen, reinigen ?
Da dort doch Bakterien in bestimmt nicht kleiner Menge am Ausgang sind.

Außen ausstreichen, durchziehen, raushängen. Das geht so gut wie ohne Kontakt. Und ist im Verhältnis am elegantesten.
17.10.2012 17:20 Ongi
Heidefoerster schrieb:
Außen ausstreichen, durchziehen, raushängen. Das geht so gut wie ohne Kontakt. Und ist im Verhältnis am elegantesten.


Du siehst aber das Waidloch doch danach durchs Becken an dem dann ja noch ggf. Reste kleben ? Mit dem Gedanken kann ich mich irgendwie nicht so recht anfreunden, klar wird das danach mit wasser durchgespült aber das ist ja eigentlich vermeidbar ?
17.10.2012 19:28 Heidefoerster
Ongi schrieb:
Du siehst aber das Waidloch doch danach durchs Becken an dem dann ja noch ggf. Reste kleben ? Mit dem Gedanken kann ich mich irgendwie nicht so recht anfreunden, klar wird das danach mit wasser durchgespült aber das ist ja eigentlich vermeidbar ?

Brech mal so auf und guck Dir an ob und wie Kontakt stattfindet. Ist schwierig theoretisch zu erklären.
17.10.2012 20:09 Ongi
Heidefoerster schrieb:
Brech mal so auf und guck Dir an ob und wie Kontakt stattfindet. Ist schwierig theoretisch zu erklären.


Ich glaube ich habe gerade meine eigenen Bedenken beseitigt den ich ziehe das Waidloch ja durchs Becken= Knochen da ist ja gar kein Fleisch. Ich hatte die ganze Zeit im Kopf das ich es ja im Endeffekt "durchs Fleisch" ziehe aber das ist ja Unsinn. Werde es nächstes mal probieren.
08.01.2013 22:47 swinging_elvis
Späte Ergänzung: Ich öffne auch bereits den Brustraum im Liegen. Somit muss man nicht mit dem hängenden Gescheide kämpfen während man krampfhaft versucht, das verknöcherte Brustbein der alten Ricke zu öffnen... Gruß, el
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