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Vergangenheit

(5 Einträge)

1981_weiter gehts.jpg young_elvis.jpg Der Musikantenbock Blattzeit 1981
265 mal angesehen
24.02.2009, 22.52 Uhr

Der Musikantenbock

Der Sommer 1981 war einer derjenigen, an die man sich später gerne erinnert. Warm, aber nicht zu heiß… und trocken…
So wunderte es auch nicht, dass mein Vater mit seinem Sprössling oft im Revier war. Immerhin hatte er mehr oder minder freie Büchse in Großvaters Eifeler Rehwildrevier. An einem wunderschönen Abend, sicher war es Samstag, da auch damals die Arbeit die erste Geige spielte, stiefelten mein Vater und ich über den Grasweg an der Aspel vorbei zum Ansitz an der Mohnenwiese. Warum dieser Wald Aspel hieß, kann ich heute nicht mehr sagen, jedenfalls war er anstelle mit Aspen mit alten Rotbuchen bestanden, in deren grünen Blättern der warme Sommerwind wehte. Rechts zog sich die Mohnenwiese, die nach dem ersten Schnitt schon wieder recht hoch stand. Direkt dahinter erstreckte sich ein weiter Weizenacker, der in den schönsten goldenen Farben leuchtete. Ein Traum eben…

In diesen Jahren war auch mein Opa noch voll im Saft und bastelte fleißig an Kanzeln. Auch bei diesem Hochsitz war die „Kiste“ in Einzelteilen daheim gebaut, das Gestell war auf örtlichen Fichten gezimmert. An Holz hatte man damals nicht gespart und somit war die Stabilität entsprechend. Innen war das gute Stück mit Teppich ausgeschlagen und bot einen herrlichen Ausblick in die umliegenden Felder. Die Wiese machte hier einen L-förmigen Knick und bot dem Rehwild reichlich Äsung. Dass die Blattzeit soeben begonnen hatte, trug noch zu den hohen Erwartungen bei.

Obwohl ich mit der Nase so gerade eben über die Brüstung der Fenster schauen konnte, gab ich mir größtmögliche Mühe, ja der erste zu sein, der vielleicht ein Stück Wild entdecken würde. Denn das erfüllte mich natürlich immer mit besonders großem Stolz. Am Ende war es aber doch mein Paps, der das Stück rote Decke zuerst im Weizen entdeckte. Auf sicher 150m war dort ein Reh aufgestanden, wollte sich aber noch nicht recht ansprechen lassen. Ich reckte und streckte mich und bekam endlich das Fernglas gereicht. Nun konnte auch ich erkennen, dass es sich um einen Bock handelte, während mein Vater das Spektiv aus seinem großen Rucksack holte. Mit diesem als Unterlage konnte er damals ansprechen, was ich heute einen vielleicht 2-jährigen Spießerbock nennen würde. Erfasst von plötzlicher Unruhe trat er plötzlich auf die Wiese und zog spitz von uns weg. Vater schien mit sich zu hadern. Sollte er diese Chance vorüber gehen lassen? Alle Tage sind Jagdtag, aber nicht jeder ist ein Fangtag. Ein Blattjagdexperte war er auch nicht eben, kann ich mich doch an keinen Erfolg mit dem schwarzen Buttalo erinnern. In diesen Momenten des inneren Zweikampfes schien die Gummi-Quietsche aber wieder in seine Erinnerung zu rieseln. Langsam glitt die Hand in die Seitentasche des alten Bundeswehrparkas. Ja, glatt und kühl fühlte sich das Instrument an.
Während das Böckchen nahezu das hintere Ende der Wiese erreichte und Anstalten machte, dort ins Getreide zu ziehen, ließ mein Vater einen zarten, fiependen Ton erklingen. Die Wirkung war unerwartet und schlagartig. Obwohl es nicht das war, was man heute als Sprengfiep ansprechen würde, verhielt der rote Bock doch wie angewurzelt in seiner Spur und äugte in unsere Richtung. Ich glaube, uns beiden wurde der Mund trocken, als wir dieses Schauspiel beobachteten. Noch größer wurde das Erstaunen, als der Spießer sich auf ein erneutes Fiepen aus sicher 250m Entfernung über die Wiese in unsere Richtung aufmachte. Es klappte, der erste Blattjagderfolg bahnte sich an. Ich meine, es erklang noch ein weiterer Fiep, bis schließlich Glas mit Büchse getauscht wurde. Konzentriert in die Richtung schauend weiß ich nicht mehr, ob ich mir die Ohren zuhielt oder mit dem Fernglas die spannende Szene beobachtete. Einige Male wie ein Vorstehhund den Vorderlauf anziehend, kam das Böckchen immer näher und stellte sich endlich auf vielleicht hundert Meter breit. Im nächsten Moment war der Schuss aus der 7mm Rem. Mag. raus und wie vom Hammer getroffen versank unsere Beute im hohen Gras…
Jagdfieber kannte ich – so glaube ich – damals mit 9 Jahren noch nicht. Aber das hier entwas besonderes passiert war, kam mir wohl zu Bewusstsein. Ordnungsgemäß wurde die Büchse in aller Ruhe entladen und die Ausrüstung zusammengepackt. Ich kletterte zuerst die Leiter herunter, musste aber natürlich auf meinen Vater warten. Gemeinsam schritten wir dann durch die Wiese in Richtung Anschuss. Aber wo war dieser?
Vorwärts und rückwärts suchten wir, wer so etwas in einer hohen Wiese schon einmal erlebt hat, der weiß, was ich meine.

Am Ende aber fanden wir ihn doch. Ja, da lag er, leicht vom Grase verdeckt. Das Helfen beim anschließenden Aufbrechen war für mich das Natürlichste der Welt, schließlich hatte man gemeinsam Beute gemacht und musste das Wild auch gemeinsam versorgen. Stolz war ich damals, froh, mit meinem Vater so etwas erlebt zu haben. Meinem Vater erging es wohl nicht anders, denn auf das Brettchen schrieb er später:

„Mit meinem Sohn auf der Mohnenwiese erlegt; Musikantenbock.“
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swinging_elvis

swinging_elvis

Alter: 45 Jahre,
aus Dubai
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Kommentare

24.02.2009 23:57 steyrmannlicher
WMH zur schöne Geschichte
Ich kenn sowas mit dem Vater raus .
Ist immer super und wenns klappt freut man sich fast mehr als der Erleger
gruß steyrmannlicher
25.02.2009 09:23 Renevolution81
Klasse Geschichte zumal im besten Jahr überhaupt!!!
Wird 1. Kapitel in unserem Projekt (zumal noch mit einem echten Elvis Gemälde garniert). Ähnliches habe ich auch zusammen mit meinem Vater erlebt- nur ich hatte schon damals Jagdfieber, dass mir die Zähne nur so klapperten!
Erlebte Jagd= Gemeinsame Freude- gibt es was schöneres?
Grüße an die Waidkameraden!
25.02.2009 09:24 Renevolution81
... natürlich noch 5 Punkte für das Gemälde !
25.02.2009 10:00 platzi
Da werden Erinnerungen wach!
Auch von mir die 5 Punkte!

Diether
25.02.2009 11:44 Lakai
Wieder mal fein erzählt, Glückwunsch elvis!
Bald gehts wieder los mit den Böcken und bald wirds Frühling!
So schön der Winter auch ist, irgendwann ists genug

Waidmannsheil,
Jan
25.02.2009 16:04 Terzel
Sehr schön erzählt...wie immer eigentlich bei Dir!

Natürlich ........Finnland...5 Point´s

Gruß Hauke
25.02.2009 17:43 swinging_elvis
Vielen Dank an Euch. Sicher ist nicht jedes Detail haargenau der Wirklichkeit entsprechend, aber mit der Zeit verschwimmt alles ein wenig. Erst später realisiert man wirklich, was dieses und gleiche Erlebnisse für prägende Wirkung hatten... Waidmannsgruß, elvis
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