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Sauennacht

(12 Einträge)

499 mal angesehen
16.02.2009, 15.59 Uhr

Sauennacht

Na, das passte ja wieder. Da standen gleich drei Autos am Bienenwagen, meinem angestammten Standplatz für mein Auto, wenn ich im Revier unterwegs war. Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen, als ich ausstieg. Natürlich hatten meine drei Mitjäger längst den Schweiß im Schnee erkannt – was ein Wunder – und ließen auch gleich einen Spruch vom Stapel: „ Wenn andere endlich im Bett liegen und zu schlafen versuchen, dann machst du hier draußen mit deinem Rumgeballer Krach...!!!“ Na nach der Steilvorlage konnte ich mir meine Antwort nicht verkneifen: „Und das ist genau der Grund, warum du den ganzen Herbst und Winter noch keinen Schwarzkittel gestreckt hast...!!!“ Uuups, das saß. Und dabei konnte auch ich mich in diesem Jagdjahr wirklich nicht damit rühmen, den Schwarzwildbestand nachhaltig genutzt zu haben. Im Herbst war mir Diana lediglich zweimal hold bei den Sauen. Und seit Oktober war einfach der Wurm drin. Jeweils um Neumond herum drehten die Sauen den Wald in unseren Revierteil komplett um. Sobald aber auch nur ein wenig Licht zu erahnen war, waren sie wie vom Erdboden verschwunden. Keine Fährten an den Suhlen, die Mahlbäume nicht angenommen, die Kirrungen verwaist und selbst die Hauptwechsel blieben ungenutzt. Es war zum Verzweifeln – vielleicht sollte man doch mal eine Kamera an die Kirrung hängen ??? Die Monde vergingen, ohne dass auch nur ein Pürzel auftauchte. Lediglich Anfang Januar erschien einmal eine Rotte an meiner Kirrung – fünf Minuten nachdem ich mich angesetzt hatte. Danach wieder Totentanz.
Und just in den paar Tagen, wo ich mal bei meinen Eltern war, da schneite es endlich und: die Sauen waren da! Das stellte ich auch gleich fest, als ich einen Tag später wieder im Revier war. Na da waren meine Abende auf absehbare Zeit ausgeplant! Und ich hatte noch gar nicht richtig zu Ende gedacht, da klingelte auch mein Handy und einer meiner Mitjäger wollte mich überzeugen, dass er sich bei mir mit ansetzen dürfte. Das erstaunte mich schon ein wenig. Auch in seinem Revierteil mussten die Sauen jetzt sein, sah ich ihre Fährten doch von mir zum seinem Gebiet ziehen. Aber was sollte es auch, sollte er sich doch mit ansetzen! Wir verabredeten uns zu 18:00 Uhr und hatten auch schon abgesprochen, wer wo sitzen sollte. Doch ich wartete vergeblich. Erst als ich meine Leiter bezogen hatte, die ich an den Hauptwechsel verlegt hatte, hörte ich ein Auto fahren und später halten. Aber da war es schon 19:00 Uhr!
Na und mit der Ausdauer war es auch nicht weit her. Bereits knapp drei Stunden später knallte die Tür und er fuhr nach Hause... Da hapert es bei mir dann schon mit dem Verständnis.
Doch auch bis ein Uhr blieb es ruhig. War es wieder nur so ein Kurzbesuch der Sauen bei uns??? Doch am nächsten Morgen konnte ich im Schnee abermals die Fährten einer großen Rotte ausmachen, die offensichtlich in der zweiten Nachthälfte in meinem Gebiet unterwegs waren. Die Kirrung aber blieb unbesucht, obwohl ich ihren Standort vor einiger Zeit verlagert hatte. Ich versetzte die Leiter noch einmal ein Stück, um bessere Einsicht auf den Hauptwechsel zu erlangen.
Der Abend war klar und vom Mond natürlich nichts zu erwarten, der sollte so gegen 23:00 aufgehen. Auf der Fahrt in´s Revier stellte ich entsetzt fest, dass über dem Schnee Nebel aufstieg. Lediglich in den Waldgebieten war davon noch nichts zu merken.
Am Bienenwagen standen drei Autos, als ich ankam – Na Klasse! Der Frost (mein Autothermometer zeigte schon jetzt minus 10°C!) sorgte dafür, dass auch das taubeste Reh hören musste, wie ich zur Leiter stapfte.
Beinahe eine halbe Stunde regte sich ein Stück Rehwild über meine Störung auf. Aber danach umgab mich endlich diese so erholsame Stille. Naja, die Uhr zeigte 21 Uhr und ich machte mich auf eine sehr lange Nacht gefasst. Heißer Tee war dabei und dieser tiefe Winter entschädigte mich für die lange Zeit des Wartens auf eben solch Winterwetter. Selbst wenn keine Sauen auftauchen sollten, ich würde die Nacht genießen, mit den Waldkauzrufen, der überhinfliegenden Entenschofen, die nur durch ihr Klingeln bemerkbar waren, mit dem regelmäßigen Knacken unter dem strengen Frost brechender Zweige – Moment! Das war nicht der Frost. Im Fichtenbestand halblinks vor mir war gerade deutlich Schwarzwild zu vernehmen. Doch so lange ich auch auf den 40 Meter neben mir liegenden Wechsel starrte, die Sauen ließen sich nicht sehen. Ach Mann...! Sie zogen doch ganz gemächlich im großen Bogen um mich herum Richtung Bienenwagen am Weg. Und genau jetzt klappten die Autotüren zweier Mitjäger, die Motoren starteten – und die Sauen auch, aber in die entgegengesetzte Richtung... ! Ich werde das nie begreifen! Wenn die kein Sitzfleisch haben, sollen sie doch gleich zu Hause bleiben...!!! Ich war wirklich stinksauer! Ich hätte sicher gern einen Schwarzen gehabt. Aber es wäre mir auch sehr Recht gewesen, wenn einer der Mitjäger einen gestreckt hätte. Aber dass die Jungs nach nicht mal drei Stunden die Lust verlieren, das begreif ich nicht.
Es dauerte ne ganze Weile, bis ich mich wieder einhatte. Über mir in der Krone einer Randfichte baumte wohl ein Waldkauz auf. Es raschelte kurz in den Zweigen, bevor einen Moment später der typische Ruf des Männchens erklang.
Und endlich! Ganz weit weg im Wald erklang leise das suchende Rufen eines Frischlings! Na mal sehen ob die wieder in den Fichtenbestand ziehen! Ja, so wird´s wohl kommen – oder doch nicht! Sie schienen rechts von mir durchwechseln zu wollen! Und dann ging alles sehr schnell. Die Rotte zog schnurstracks auf meine Kirrung zu, drei stärkere Bachen und 14 oder 15 Frischlinge kamen da angetrottet. Erst nach einer ganzen Weile bekam ich einen Frischling frei und ließ fliegen...
Um 3 Uhr war ich schließlich zu Hause. Viel später als meine Mitjäger. Aber jede Minute hatte sich gelohnt.

Jetzt am Bienenwagen gaben meine Mitjäger unumwunden zu, dass sie so lange nicht durchhalten. Ich weiß nicht was es ist. Vielleicht geht mir in deren Alter auch die Passion ab – ich hoffe es aber nicht! Ich hoffe auch nicht, dass es vielleicht eher der Jagdneid als die Passion ist, die sie dann raustreibt aber eben nicht lange genug ausharren lässt. Aber wie auch immer, vielleicht ist ja jetzt der Bann gebrochen, oder der Knoten geplatzt. In jedem Fall werde ich an den nächsten Abenden draußen sitzen und das herrliche Winterwetter ausnutzen...

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Kommentare

16.02.2009 18:46 Lakai
Waidmannsheil!
Super erzählt, von dir hört man hoffentlich mehr in der nächsten Zeit!

Gruß Jan
16.02.2009 19:45 Auerhahn
Waidmannsheil zum Frill! Schöne Geschichte und gut erzählt. Lg willi
17.02.2009 07:01 anser
Weidmanns Dank Euch! Ich hatte aber auch schon langsam Entzugserscheinungen bezüglich der Sauen... Aber auch ohne Sauen ist der Winteransitz einfach nur klasse...
17.02.2009 11:29 Keiler
anser schrieb:

Weidmanns Dank Euch! Ich hatte aber auch schon langsam Entzugserscheinungen bezüglich der Sauen... Aber auch ohne Sauen ist der Winteransitz einfach nur klasse...


Super Ausdauer und clever gemacht! Waidmansheil zum Frischling und zum Bericht!
Ich hab die gleichen Erfahrungen gemacht wie du - die Sauen richten sich nach dem kommen und gehen der Jäger und stellen ihre Uhren danach.
Geh einfach raus, ne halbe Stunde bevor die anderen heimfahren.

Grüße Keiler
18.02.2009 09:15 Bender
So habe ich am Wochende 3 Stück erlegen können, bin um 21 Uhr auf den Sitz und Nachts um 4 Uhr Morgens ins Bett, Die andren sind um 23 Uhr nach Hause und ich habe dann Nachts um 1 Uhr die Sauen an deren Kirrung angepirscht!

Waidmannsheil

Gruss Bender
18.02.2009 09:30 anser
Bender schrieb:

So habe ich am Wochende 3 Stück erlegen können, bin um 21 Uhr auf den Sitz und Nachts um 4 Uhr Morgens ins Bett, Die andren sind um 23 Uhr nach Hause und ich habe dann Nachts um 1 Uhr die Sauen an deren Kirrung angepirscht!

Waidmannsheil

Gruss Bender


Na da aber erst recht ein kräftiges Weidmanns Heil! Nachdem wir nun so lange Pech hatten in unserem Revier, klappt es jetzt dafür auch sehr gut. So sind es auch bei uns jetzt drei Stück innerhalb der letzten Woche.

Gruß
anser
18.02.2009 09:31 Keiler
Bender schrieb:

So habe ich am Wochende 3 Stück erlegen können, bin um 21 Uhr auf den Sitz und Nachts um 4 Uhr Morgens ins Bett, Die andren sind um 23 Uhr nach Hause und ich habe dann Nachts um 1 Uhr die Sauen an deren Kirrung angepirscht!

Waidmannsheil

Gruss Bender




Waidmannsheil dazu!
Damit hast du dir nicht unbedingt Freunde gemacht - wenn der Jagdneid nicht wär!

Gruß Keiler
18.02.2009 09:44 Bender
anser schrieb:

Na da aber erst recht ein kräftiges Weidmanns Heil! Nachdem wir nun so lange Pech hatten in unserem Revier, klappt es jetzt dafür auch sehr gut. So sind es auch bei uns jetzt drei Stück innerhalb der letzten Woche.

Gruß
anser



Waidmannsdank !!

Ja es ist wie verhext mit den Sauen !
Hatten zwei Kirrungen die waren immer angenommen, immer. Dort konnte ich auch drei Sauen erlegen in den letzten Monaten. Seit drei Wochen sind diese Kirrungen wie ausgestorben. ?!?!?!
Und an den andren kommen sie zu den unmöglichsten Zeiten !

Gruss Bender
18.02.2009 11:59 platzi
So eine Erfahrung hatte ich auch schon:
Ich war, wie ein paar andere Jäger auch, Gast und eingeladen auf Sauen anzusitzen.
Ich blieb jeweils die ganze Nacht und die anderen haben deren Plätze immer gegen Mitternacht verlassen. Dort wurde dann immer (!) in der zweiten Nachthälfte die Wiese umgegraben.
So ging es mehrere Nächte hintereinander, trotzdem wollten die anderen ihre Plätze nicht "abtreten".
Ich bleibe meistens die ganze Nacht sitzen, sofern ich es mit der Kälte irgendwie vereinen kann - dabei kann es schon passieren, dass ich ein paar Dösminuten einlege...
Selten genug habe ich die Möglichkeit und die Zeit auf Sauen zu sitzen. Da nutze ich so viele Stunden wie möglich aus um den Schwarzkitteln auf die Schwarte zu rücken.

Schön erzählt!
Weidmannsheil

Diether
18.02.2009 12:38 anser
platzi schrieb:

So eine Erfahrung hatte ich auch schon:
Ich war, wie ein paar andere Jäger auch, Gast und eingeladen auf Sauen anzusitzen.
Ich blieb jeweils die ganze Nacht und die anderen haben deren Plätze immer gegen Mitternacht verlassen. Dort wurde dann immer (!) in der zweiten Nachthälfte die Wiese umgegraben.
So ging es mehrere Nächte hintereinander, trotzdem wollten die anderen ihre Plätze nicht "abtreten".
Ich bleibe meistens die ganze Nacht sitzen, sofern ich es mit der Kälte irgendwie vereinen kann - dabei kann es schon passieren, dass ich ein paar Dösminuten einlege...
Selten genug habe ich die Möglichkeit und die Zeit auf Sauen zu sitzen. Da nutze ich so viele Stunden wie möglich aus um den Schwarzkitteln auf die Schwarte zu rücken.

Schön erzählt!
Weidmannsheil

Diether


Weidmanns Dank! Normalerweise gibt´s ja den Spruch "Kurz und heftig", aber bei Sauen ist es anders: "Lang und heftig" - was die Ausdauer und die Passion angeht...
18.02.2009 12:45 Thejel
Waidmannsheil auch von mir. Super geschrieben
Soviel Sitzfleisch haben nicht alle(ich manchmal auch n icht

Gruß
Thejel
18.02.2009 13:31 anser
Thejel schrieb:

Waidmannsheil auch von mir. Super geschrieben
Soviel Sitzfleisch haben nicht alle(ich manchmal auch n icht

Gruß
Thejel



Weidmanns Dank! So ausgiebig sitzen kann ich auch nicht jede Nacht - muss ja auch noch arbeiten, aber die anderen Mitjäger sind ohne Job und Rentner, die könnten es schon auch in der Woche mal anders einrichten. Aber einer der (selbsternannten) "größten Sauenjäger" gab mal vor mir an: "22 Uhr ist für mich Schicht, danach schieß ich sowieso nicht mehr, kommst ja sonst gar nicht mehr nach Hause..."

Gruß
anser
18.02.2009 14:19 Thejel
anser schrieb:

Weidmanns Dank! So ausgiebig sitzen kann ich auch nicht jede Nacht - muss ja auch noch arbeiten, aber die anderen Mitjäger sind ohne Job und Rentner, die könnten es schon auch in der Woche mal anders einrichten. Aber einer der (selbsternannten) "größten Sauenjäger" gab mal vor mir an: "22 Uhr ist für mich Schicht, danach schieß ich sowieso nicht mehr, kommst ja sonst gar nicht mehr nach Hause..."

Gruß
anser

Tolle Einstellung unsereins muß sich die Zeit stehlen vor lauter Arbeit.
In den letzten Monaten ist es schlimm. Aber es sollen ja wieder bessere Tage kommen .
Schöne Grüße auf die Insel.
Theo
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