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Füchse, Füchse, Füchse

Fuchsjagd (10 Einträge)

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311 mal angesehen
05.02.2009, 19.52 Uhr

Fuchs-Reigen

Jedes Revier hat so seine besonderen Stellen. Bei uns war dies für die Winterzeit eine Waldecke, die weiten Blick in sanfte Hügel, genauer gesagt einen langgezogenen Hang bot, der mit Hecken, Feldern und Wiesen bestanden war. Dies war vor allem im Winter das Reich des Rotfuchses, der in den Hecken Singvögel und Elstern aufschreckte und die Feldwege nach fetten Mäusen absuchte. Der Sage nach gab es einst einen sehr langen Pirschpfad durch den rückwärtig liegenden Dornkrätzer, welcher vorbereitend auf die hohe Zeit gepflegt wurde. Zur Ranzzeit wurde um die Morgenansitze auf dem Hochsitz an der Waldecke geknobelt, gab es doch keine aussichtsreichere Stelle im Revier.

Diese Erzählung klang nach und schon im ersten Spätherbst konnte ich von einer nahe liegenden Leiter, dem jungen Gott, die streunenden Rotröcke im weiten Feld beobachten. Der Pirschpfad war nicht mehr vorhanden, also versuchte ich mein Glück im Winter mit dem möglichst frühen Angang übers Feld, hatte auch meist reichlich Anblick, nur Waidmannsheil wollte ich an dieser sagenumwobenen Stelle nicht haben. Als der Bann gebrochen wurde, geschah dies umso erfolgreicher: an einem Morgen konnte ich zunächst eine kleine Fähe mit der .22-Hornet und eine halbe Stunde später ein Schmalreh mit der 7x57 aus dem Dreilauf erlegen. Jägerherz, was willst Du mehr.

Jeder Waidmann kehrt an Orte so glücklichen Geschehens immer wieder gerne zurück. Kommt es auch in den seltensten Fällen erneut zu solchem Erfolg, so kann man sich doch intensiv erinnern, nachdegustieren, die kommenden Erlebnisse mit größerer Spannung erwarten. Auch an diesem Sonntagmorgen saß ich hoffnungsfroh auf dem schon recht betagten Hochsitz, dessen Dach bereits teilweise den Geist aufgegeben hatte. Früh hatte der Wecker geklingelt, bedächtig und möglichst leise war ich über die gefrorenen Wege und Wiesen durch die windige Nacht zu meinem Ziel gepirscht. Beim Aufbaumen drang an diesem Morgen nach dem Heraustreten aus der Jagdbude zum zweiten Mal das verheißungsvolle, heisere Bellen eines ranzenden Fuchses an mein Jägerohr. Die Bilder, die mir vor Augen traten, muss ich keinem echten Nimrod ausmalen…

Zunächst galt es aber, das Grauen des Tages zu erwarten. Die zunächst klare Nacht hatte sich wieder bewölkt und wollte nicht recht loslassen. Trotzdem verrenkte ich den Hals, um den Rundumblick so weit wie möglich nach einem grauen Strich in der Landschaft abzusuchen. Der damalige Erbauer hatte wohl die 1,60m nicht überschritten und so war der Sitz zu hoch bzw. die Lage Bretter über den Fenstern zu viel. Aber was tut man nicht alles, um stolz mit seiner gewitzten Beute nach Hause zu stapfen…
Nach einiger Zeit bemerkte ich die schon bekannten Flecken auf einem Rapsfeld im Nachbarrevier. Das mussten Rehe sein, die sich an den grünen Blättern gütlich taten… und meine Vermutung stellte sich als richtig heraus. Insgesamt fünf Stücke konnte ich ausmachen, wovon eines immer wieder vertrieben wurde, offensichtlich von einer stärkeren Ricke. Genau konnte ich das ob der Entfernung aber nicht ausmachen. Da wir den ersten Februar schrieben, war mein Interesse an Rehwild sowieso gering. Wo nur blieb der ersehnte Fuchs?

Mittlerweile war es unmerklich heller geworden. Erstaunlicherweise war weder nah noch fern ein Rotrock zu sehen, die Rehe zogen bereits ihren Einständen zu, meine Hoffnung wurde von Minute zu Minute geringer… als ich auf einer nach der Frostperiode graugelben Wiese in kilometerweiter Entfernung doch etwas sah, was in der Silhouette der begehrten Beute glich. Aber was half es – der sich tatsächlich als Fuchs erweisende Knubbel war für mich unerreichbar… naja, so hatte ich wenigstens den guten Ruf des Sitzes bestätigt und hatte was gesehen…
Vielleicht ein viertel Stündchen später traute ich meinen Augen nicht. Auf ca. 300m gewahr ich einen recht dunklen roten Freibeuter, der – wenn auch nicht direkt so doch ungefähr – in meine Richtung schnürte. Jetzt wurden die Karten neu gemischt. Eine unheimliche Spannung erfasste mich… sollte es heute gelingen? Zunächst einmal nahm Reineke einen der den Hang hoch laufenden Feldwege an. Ich wusste mittlerweile, dass dies der Lebensraum vieler Feldmäuse war… und schon bald sah ich den Fuchs starr vor sich äugen, der geschmeidige Körper spannte sich, ein Satz, fast überschlug er sich, die Lunte wedelte… aber der verdutzte Blick zeigt, dass hier die Maus mal wieder schneller gewesen war… weiter ging es… und plötzlich, wie schon so oft gesehen, schien er es sich anders überlegt zu haben und kam wieder den Hang herunter, dabei sich meinem Standort nähernd… Im Probeanschlag auf sicher 200 m bemerkte ich, dass mich ein leises Raseln erfasste… frühes Jagdfieber, dass es zu unterdrücken galt… aber noch war er ja außerhalb der Reichweite der Kugel aus dem Einstecklauf. Wie erwartet wollte der Rotrock nun auch den zweiten sich den Hang hochziehenden Feldweg untersuchen. An dessen unteren Ende verhoffte er eine ganze Weile, setzte sich lange auf die Keulen, sicher 150 m waren es…trotz des ruhigen Absehens vertraute ich weder meinen Schießkünsten auf diese Entfernung und dies kleine Ziel noch war ich mir der Wirkung der .22-Hornet sicher, also blieb der Finger grade… er würde sich schon entschließen, noch näher zu kommen…

Langsam schnürte er nun den Feldweg hoch, steckte seinen Fang in das ein oder andere Loch, war ein wenig unschlüssig… gleich würde er umkehren und… da gewahr ich eine Bewegung am Rande meines Sichtfeldes. Über den offenen Rapsacker kam ein heller – um nicht zu sagen blonder – Fuchs herangeschnürt, offensichtlich mit eindeutigen Absichten. Das war, das musste eine Fähe und „mein“ Dunkler ein Rüde sein… Wenig später sah ich mich in meiner Vermutung bestätigt, als nach langem „in die Seher schauen“ die Fähe den Ton bzw. die Richtung angab, und zwar den Hang hoch und damit von mir weg. Was denkt man in solchem Moment, wenn die leise Hoffnung auf eine Dublette der Sicherheit weicht, dass beide Füchse für heute morgen verloren waren. Wie an der Schnur gezogen folgte der Rüd der aparten Blonden, auf ins Feldgehölz, wo ich einen passenden Ort für ein Schäfers(t)ündchen vermutete, aber dann weiter über das offene Feld und die Kuppe aus meinem Blickfeld…
Wirklich enttäuscht konnte ich in diesem Moment nicht sein, hatte ich doch das seltene Schauspiel der Ranz erlebt. Der Drilling stand schon wieder in der Ecke als der Blick über die Felder meine Vermutung der begonnenen hohen Zeit Reinekes bestätigte. Ein weiterer Fuchs schnürte auf den Wiesen beim Nachbar… und da, in den Hängen beim Jungen Gott sah ich ebenfalls etwas rot leuchten… Sein Verschwinden in den Hecken brachte mich langsam zum Erwachen aus der Ranzzeit-Tance und erweckte noch einmal den Jäger in mir.

Weiträumig umschlug ich den Heckenkomplex um mit gutem Wind auf den Nanga Parbat, den höchsten Punkt in unserem Revier aufzubaumen. Einen Fuchs sah ich allerdings nicht mehr. Und nachdem ich mir eine halbe Stunde den kalten Wind hatte um die Ohren blasen lassen, waren meine Gedanken nur noch bei heißem Punsch am glühenden Ofen der Jagdbude. Ein wunderbarer Fuchs-Morgen ging zu Ende…
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swinging_elvis

swinging_elvis

Alter: 45 Jahre,
aus Dubai
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Kommentare

05.02.2009 20:27 Renevolution81
Nicht jeder Ansitz ist von Erfolg gekrönt
Das Erlebnis zählt nun mal und wenn jeder aus einem erfolglosen Morgen, so eine Erzählung stricken könnte, wäre die heutige Jagdkultur um vieles reicher
Wieder einmal meinen Glückwunsch zur spannenden Geschichte
Rock on
05.02.2009 20:36 swinging_elvis
Renevolution81 schrieb:

Nicht jeder Ansitz ist von Erfolg gekrönt
Das Erlebnis zählt nun mal und wenn jeder aus einem erfolglosen Morgen, so eine Erzählung stricken könnte, wäre die heutige Jagdkultur um vieles reicher
Wieder einmal meinen Glückwunsch zur spannenden Geschichte
Rock on


Macht Spaß... jetzt kommt ja eher wieder die etwas stillere Zeit, obwohl die Sauen...
Waidmannsgruß an den Club-Bruder vom ewig rockenden Elvis
05.02.2009 20:47 Lakai
Wenn René es nicht schon geschrieben hätte, hättest du von mir das selbe gehört wie von ihm.

Nun bleibt mir nur noch ein Waidmannsheil zur Geschichte zu sagen, und an das Projekt zu erinnern, das tief in uns schlummert

Gruß Jan
05.02.2009 21:02 swinging_elvis
Lakai schrieb:

Wenn René es nicht schon geschrieben hätte, hättest du von mir das selbe gehört wie von ihm.

Nun bleibt mir nur noch ein Waidmannsheil zur Geschichte zu sagen, und an das Projekt zu erinnern, das tief in uns schlummert

Gruß Jan


Ist das nicht schön? Der ganze Club zusammen
Merci, jeder verarbeitet die Dinge auf seine Weise... und Ihr müßt mit "meinen Problemen" klar kommen... elvis
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