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Meine Jagderlebnisse

(5 Einträge)

Fux fux2 Spuren
472 mal angesehen
14.01.2009, 22.35 Uhr

Winterträume

Als ich aufgebrochen war dachte ich noch, nachher wirst du dich ärgern mit dem ganzen Kram den du mitschleppst, doch jetzt als ich auf dem freien Feld mit Blick Richtung Waldkante sitze, bin ich doch froh im Ansitzsack und mit einer warmen Decke die schneeverschneiten Hügel zu genießen.
Neun mal schallt der helle Klang der Glocken über das verhüllte Land.
In einiger Entfernung äßen drei Stück Rehwild, wahrscheinlich eine Gaiß mit zwei Kitzen.
Ein wundervolles Bild geben sie ab, so friedlich und ohne Hast wie sie langsam dahinziehen und hie und da die Schneedecke mit den Schalen aufscharren um an ihr Abendmahl zu kommen.
Momente zum genießen.
Ich schließe die Augen, doch den Traum sieht man nur mit offenen Augen. Den Traum einer verschneiten Winternacht.

Immer wieder treten Rehe aus dem Schatten des Waldes um das unwirkliche Licht aufzusaugen, dass eine atemberaubende Atmosphäre erzeugt.

Aber ich habe auch den Grund nicht vergessen warum ich bei fünfzehn Grad unter Null nicht am warmen Ofen sondern in der eisigen Natur sitze.
Meister Reinecke, der rote Freibeuter, ihm soll es heute gelten.
Im Kopf sehe ich schon den Roten über das Feld laufen, in solchen Nächten kann man seinen Gedanken freien Lauf lassen.

Ein eisiger Wind kommt auf und ich ziehe mir meine Mütze tiefer ins Gesicht,
wahrlich nicht der wärmste Abend.
Ab und zu wandert mein Blick über das Weiß, heute vermeide ich es durch das Doppelglas zu schauen, zu schnell würden die Hände klamm werden, doch ab und zu packt es mich, dann, wenn ich wieder einen verdächtigen Schatten entdeckt habe.
Doch immer wieder entpuppt es sich als Stein oder Strauch.

Minute um Minute vergeht. Etwas vermisse ich noch.
Schnell wird mir klar was es ist. Das Bellen der Füchse. Anfang Januar kann ich das auch noch nicht erwarten denke ich mir.

Warum bin ich hier? Was bringt mich dazu, in frostigen Nächten wie an heißen Abenden Stund' um Stund' draußen sein?
Diese Frage, denke ich mir, muss sich jeder Jäger selbst stellen, für die einen ist es nur der Wille nach Beute, doch für mich ist es mehr.
Es sind die Stimmungen der Jahreszeiten, die Erlebnisse in und mit der Natur die so manche Kälte vergessen lassen. Aber es geht auch ums Beute machen. Auch.

Etwas im Augenwinkel reißt mich aus meinen Gedanken. War da was?
Ich nehme vorsichtig das Glas hoch und schaue an die Stelle an der ich die Bewegung vermutete – und sehe nur noch einen Schatten aus dem Bild huschen. Ich versuche dem Schatten zu folgen. Weg.
Hatte ich mich getäuscht?
Wie oft wird einem doch ein Streich gespielt, nach langen Stunden des Sitzens und Wartens, werden plötzlich Steine lebendig und Sträucher schleichen.
Langsam nehme ich das Glas runter.

In dem Moment spüre ich den vibrierenden Puls bis in die Zehenspitzen, mitten auf dem freien Feld steht der Gesuchte, Schwarz auf Weiß.

Im Hagel macht er einen Satz nach vorne – und liegt.
Kälte kenne ich in diesem Moment nicht, dennoch zittere ich am ganzen Körper.
Der Schussknall ist verhallt, als von allen Seiten das vermisste Geräusch zu mir dringt - Die Füchse bellen.
Es ist als ob sie Abschied nehmen von einem Bekannten.
Der jedoch hört nichts mehr davon, regungslos liegt er eingesunken im weichen Schnee kaum dreißig Schritte vor mir.
Als der Kirchturm im Dorf elf mal seine Glocken schlägt, sind auch die Füchse wieder verstummt. Es war ein kurzes Konzert an diesem Abend, doch die Ranzzeit hat erst begonnen.

Eine halbe Stunde später schlupfe ich aus dem Ansitzsack, fühle wie die Kälte langsam die Hosenbeine hinauf kriecht und packe meine Sachen zusammen.

Welch ein Abend – welch ein Erleben. Ein Spruch geht mir durch den Kopf, als ich den Fuchs langsam aus dem Schnee hebe und betrachte:

"Der Jäger kennt den Atem der Natur, ihren gleichmäßigen Pulsschlag und selbstverständlichen Rhythmus. Ihre Einfachheit und Ursprünglichkeit empfindet er als Glück. Der Jäger ist nicht der Feind des Tieres. Er kennt vielmehr eine mystische Verbundenheit mit ihm, auch dann, wenn der Kampf elementar und tödlich ist."

Dieser Fuchs ist etwas Besonderes – es ist mein erster Winterfuchs, mein erster Schrotfuchs und: Ihm fehlt die halbe Lunte.
Es wird für immer sein Geheimnis bleiben wo der zweite Teil verblieben ist.



In diesem Sinne, Waidmannsheil!
J.Wagner
offline

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Lakai

Lakai

Alter: 26 Jahre,
aus gefuxt (B-W)
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Kommentare

15.01.2009 07:23 SauerlaenderJung
Schön geschrieben, 5 *

Weidmanns Heil zum Roten Freibeuter
15.01.2009 08:38 platzi
Klingt wie aus einem Buch.
Hast Du eine entsprechende Ausbildung genossen?
Jedenfalls super zum Lesen!

Diether
15.01.2009 09:11 faehe81
Tolle Geschichte

Waidmannsheil zum Fuchs!

Viele Grüße
faehe
15.01.2009 09:19 Renevolution81
Nun kannst Du Dich im Club der "Jagdromantiker" einreihen! Cramer Klett wäre stolz auf Dich Klasse Geschichte und spannendes Erlebnis!
Ich hoffe Du bekommst bald weiteres Material zum Schreiben
Waidmannsheil René
15.01.2009 09:40 kleineJagdfee
Hey, was für eine tolle Geschichte ***** Punkte die ich sehr gern vergebe.

Vor allem aber WMH!!!! für den 1. Winterfuchs.

LG und weiterhin viel WMH

Andrea
15.01.2009 11:26 orben76
Mehr als genial geschrieben - konnte vieles 1:1 nachempfinden!
Nur das mir in dieser Zeir bisher der Anblick fehlte

Beide Daumen hoch und ein kräftiges Waidmannsheil!

orben76
15.01.2009 12:28 Auerhahn
Super geschrieben und ein kräfitiges Waidmannsheil zum 1. Winterfuchs. Natürlich gibts auch 5 Punkte. lg
15.01.2009 15:17 anser
Weidmanns Heil zum Winterfuchs - und Weidmanns Heil zur Geschichte. Liest sich klasse - und das nicht nur, weil ich hier oben mal wieder keinen Winter abbekomme, so mit Schnee und so und deshalb einmal mehr auf mich auf´s Lesen solcher Geschichten beschränken muss

Gruß
anser
15.01.2009 19:18 Schack55
Hallo J. Hermann,
den zweiten Vornamen hast du dir verdient genauso wie die 5 Punkte !
WMH und Gruß
Schack
16.01.2009 09:20 Stroepper
Wenn Dein erstes Buch erscheint, will ich eine handsignierte Ausgabe!
Weidmannsheil zum Fux
Stroepper
16.01.2009 13:10 Rossi
Weidmannsheil zum Fux und echt toll geschrieben
Gruß Rossi
17.01.2009 11:13 swinging_elvis
Ja, Waidmannsheil vom 2. Jagdromantiker
Wirklich eine tolle Geschichte... die widergibt, was in der Tiefe eines Jägers noch anderes vorgeht als raus - peng - tot!
... außerdem eine intensive Auseinandersetzung mit dem, was man tut!
Eine seltener werdende Eigenschaft... Also, willkommen im Club, bitte mehr davon, elvis
20.09.2013 22:13 Michael1201
Außergewöhnlich gut geschrieben.

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