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30.12.2008, 23.28 Uhr

Drückende Sauen

Jeder hat in seinem Revier so Ecken, wo nur seltsame Jäger gerne hingehen. Das sind Stellen, die nicht leicht zu erreichen sind, wo vielen Ansitzen kein Anblick beschert wurde und andere Gründe den Waidmann hindern, in solch Revierteil des Öfteren seinen pirschenden Fuß zu setzen. Auch in meinem kleinen Hessenrevier gab es solch eine Stelle. Über einen alten Ziehweg erreichte man zwischen einer Fichtendickung und lichtem Buchenbestand einen Hochsitz, den Mülleimer, von dem sicher seit Jahren kein Schuss mehr gefallen war. Auf dem Weg zu diesem passierte man zum einem links einen im Wald liegenden alten Dachsbau und rechts einen etwas zurückliegenden Drückjagdsitz, der Blick auf eine Fichtenkultur bot.
Der Mülleimer war so selten besetzt, dass er bereits von einem unter ihm stehenden Holunder teilweise umwuchert war. Eine alte Schneise in den Fichten vor ihm war ebenfalls kaum noch zu erkennen… alles Zeichen von geringem jagdlichem Interesse. Und meine eigenen Aktivitäten? Einmal hatte ich mich auf einem alten Stuhl in die Nähe einer Hauptröhre des Dachsbaus angesetzt, um Schmalzmann mit Nr. 3 auf die Schwarte zu rücken, aber alles blieb still, bis ich auch die Hand nicht mehr vor Augen sehen konnte. Im Sommer zog es mich regelmäßig an diesen verwunschenen Ort, denn hier vermutete ich den Einstand eines alten Bockes. Aber dieser kam nie in Anblick. Auf der Pirsch kam mir ein Schmalreh auf wenige Meter und beim Ansitz an der Fichtenkultur stand zwischen den hohen Disteln eine Ricke. Wie hatte ein Finnischer Jäger mir kürzlich nach der Jagd an der Hütte gesagt: “Nicht der Jäger nimmt sich das Wild, der Wald gibt es ihm.“

Kyrill hatte auch die alten Fichten in dieser Gegend arg getroffen. Auf lange Zeit war der Weg nicht begehbar, da auch hier andere Prioritäten gesetzt wurden. Erst jetzt bei meinem Aufenthalt im Dezember teilte mir der Förster mit, dass auch dort „aufgeräumt“ sei und er den Mülleimer wieder reaktivieren wolle, da er nun Ausblick auf die freien Flächen bot. Das musste ich mir anschauen.

Nach ereignislosem Morgenansitz bei um die Null Grad und nebeligem Wetter heizte ich erst mal die Jagdbude auf und bereitete mir ein kräftiges Frühstück, um die Lebensgeister zu wecken. Dicke Stullen mit ordentlichen Zwiebeln kamen da gerade richtig. Frisch gestärkt trat ich nach draußen um die Lage zu prüfen. Die Sonne war seit Tagen nicht stark genug gewesen, das graue Wetter zu vertreiben. Ich aber ließ mich nicht verdrießen und beschloss, mich zum Mülleimer aufzumachen. Der Wagen wurde nahe der Straße geparkt und der Drilling geschultert – man konnte ja nie wissen. Die 7x57 TIG wanderte wie die Hornet und Rottweils Hagel Nr. 3 in das Laufbündel. Vielleicht gab mir der Wald ja heuer ein Stück Wild…

Der Ziehweg war tatsächlich frei geräumt und dicht mit nassen Buchenblättern belegt, eigentlich ideal zum pirschen, wenn die Blätter nicht auch kleine Zweige unsichtbar machten, die dann doch einmal das ein oder andere Knacken von sich gaben.
Zunächst einmal ging es an der Burg von Meister Grimbart vorbei, der doch tatsächlich eine neue Röhre in die Böschung direkt neben dem Weg angelegt hatte. Da diese direkt vom Hochsitz einsehbar war, sieht der passionierte Jäger Schmalzmann bereits vor sich zur Strecke gelegt. Aber zum Glück ist das ja nicht immer so leicht…
Weiter ging es mit Blick rechts auf den 50 Meter entfernten Drückjagdsitz an der Fichtenkultur. Diese bot noch guten Einblick. Aber dazu später.

Am Mülleimer angekommen stellte sich dieser wirklich als tolle neue Ansitzmöglichkeit heraus. Nach dem Fällen einiger weniger Randfichten wäre der Blick über eine große Freifläche möglich, die ringsherum von Wald umgeben war. Toll. Zufrieden baumte ich wieder ab und machte mich auf zu dem Drückjagdhocker. Leise den Weg herunter pirschend gewahr ich plötzlich am hinteren Ende der Fichtenkultur eine Bewegung… eine? Von wegen… schwupps, schwupps, schwupps sah ich da Wild durch das hohe Gras nach links abgehen, mal heller, mal dunkler… SAUEN! Aber bei der Entfernung von sicher 120 Metern war hier an Schießen gar nicht zu denken. Aber was tun. Ob ich schnell zurück zur Freifläche sollte, um dort auf die Schwarzkittel zu hoffen? Nein, so dumm sind dies Tiere nicht. Wie hatten die mich überhaupt mitbekommen?
Unentschlossen blieb ich bei einer Hainbuche stehen, den Drilling in den Fäusten und … sah plötzlich wieder Wild: zwei auf den ersten Blick starke Rehe kamen hochflüchtig aus der Richtung, in die die Sauen abgegangen waren, und verhofften mitten in der Kultur, um nach hinten zu sichern. Schnell war der Dreilauf in Anschlag, aber Schießen war erstens nicht möglich und zum zweiten auch zu unsicher, da die Stücke halb vom Sitz verdeckt waren. Nur einen Moment und beide Rehe verschwanden rechts in einer Fichtendickung.
Na das war ja mal spannend. Da soll doch mal einer sagen, dass es in diesem Waldteil kein Wild gebe. Interessanterweise war mir aber auf dem Weg kein Zeichen der Anwesenheit von Schwarzwild aufgefallen. Es war wie so oft bei uns: Sah man frische Fährten oder war der Weg umgebrochen, so waren die Sauen schon längst wieder in einem anderen Teil des Reviers unterwegs. Und hier springt gleich eine ganze Rotte ab. Mit diesen Gedanken machte ich die paar letzten Schritte zum Drückjagdhocker und… erstarrte. Aus dem Augenwinkel hatte ich links ein Reh bemerkt, welches dem Anschein nach ebenfalls von den Sauen hoch gemacht worden war. An der Leiter ging ich in Anschlag und sprach das Stück in ca. 60 Metern Entfernung blitzschnell an… Gedrungener Körper, kurzes Haupt, kurzer Träger, keine Knutsen: Rickenkitz…
Und da war die 7x57 auch schon aus dem Lauf. Hockblatt getroffen lag das Kitz im Knall und schlegelte nur noch kurz… Für mich war das ganze viel zu schnell gegangen. Sehen, Anschlag, entsichern, stechen, ansprechen, rumms! Selbst das sonst immer nach dem Schuss eintretende Jagdfieber blieb aus…
Wie betäubt schritt ich durch das vergilbte Gras zwischen den hüfthohen Fichten hindurch. Ja, da lag es. Waidmannsheil!
An den Vorderläufen ziehend machte ich mich langsam auf zum Wagen wo ich sauber aufbrach und das Kitz zum Auskühlen auf einen Holzstapel legte. Nach langen Jahren hatte sich der Wald an diesem Ort also doch entschlossen, mir einen seiner Bewohner zur Beute werden zu lassen. Wer konnte ahnen, dass die sonst immer getriebenen Sauen mir hierbei als Treiber dienen würden.
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swinging_elvis

swinging_elvis

Alter: 45 Jahre,
aus Dubai
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Kommentare

31.12.2008 07:45 kleineJagdfee
ELVIS............. die ist zur kurz, die Geschichte
Hast Du fein geschrieben, danke......aber ich hab doch noch Adrenalin

LG kJf
31.12.2008 10:30 platzi
Weidmannsheil
Auch ein Rehkitz macht Freude

Gruß

Diether
31.12.2008 10:52 Kuhbett
Waidmannsheil, schöne Geschichte.
Gruß und 'en guten Rutsch,
Tim
31.12.2008 12:18 swinging_elvis
Waidmannsdank an alle. Ja, die Kürze der Geschichte gibt die Kürze des Erlebens wieder, ohne vorheriges und großes anschließendes Genießen, wie ich es normalerweise tue... hat mir trotzdem große Freude bereitet und man kann ja auch noch zu Hause auf dem Sofa nachdegustieren
Auch Euch allen einen guten Rutsch in 2009 rein. elvis
31.12.2008 15:57 Keiler
Waidmannsheil zum Bericht und Kitz Elvis!

Grüße vom Keiler
31.12.2008 16:54 Renevolution81
Ich muss schmunzeln, denn mir erging es heute morgen ähnlich! Pirschend in einem liegen gelassenen Revierteil konnte ich unverhofft, ein schwaches Bockkitz strecken (8kg). Auch bei mir ging alles viel zu schnell Nur die Sauen fehlten
Tolle Geschichte und nochmals Waidmannsheil!
31.12.2008 17:16 Isegrim
Super story und Waidmannsheil. 5 Punkte da sehr gut erzählt

Dir alles Gute für 2009

Gruss v. Ise
31.12.2008 18:05 swinging_elvis
Renevolution81 schrieb:

Ich muss schmunzeln, denn mir erging es heute morgen ähnlich! Pirschend in einem liegen gelassenen Revierteil konnte ich unverhofft, ein schwaches Bockkitz strecken (8kg). Auch bei mir ging alles viel zu schnell Nur die Sauen fehlten
Tolle Geschichte und nochmals Waidmannsheil!


Duplizität der Ereignisse
Allen Waidmannsdank und nen guten Rutsch... und jeeeeeetzt:
"ABSCHALTEN!"
(Zitat P. Lustig) elvis
31.12.2008 19:51 harzbaer
Waidmannsheil!

Schöner Bericht. Es kommt halt meistens anders als man denkt!
01.01.2009 14:00 Schorfheide
Sehr gut geschrieben, Waidmannsheil...
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