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Füchse, Füchse, Füchse

Fuchsjagd (10 Einträge)

Fähe 12.12.2008 um 23:45
473 mal angesehen
14.12.2008, 23.07 Uhr

Der Volle am 12.12.2008

Auf dieses Wochenende hatten sicher viele Jäger hingefiebert. Am 12.12.2008 sollte der Mond in einer Pracht und einer Helligkeit am Himmel stehen, wie es nur selten geschieht. Wie schön, dass ich für das Wochenende in einem Revier eines Freundes jagen durfte. Das besonderes Schöne dabei war, dass es auf die Schwarzen und den roten Freibeuter gehen sollte. Außerdem war eine trockene und kalten Wetterlage angesagt… was will der Waidmann mehr…
Die abendliche Ankunft wurde bei mit einem leckeren Abendessen gefeiert, denn mein Freund hatte bereits einen Frischling gestreckt. Den Weg raus in die Kälte konnte ich allerdings kaum erwarten.

Gegen 21:30 Uhr war es endlich soweit. Im Geländewagen rollten wir langsam in die monddurchglänzte Nacht. Erst beim Aussteigen merkten wir auf dem freien Feld, dass der Wind aufgefrischt hatte. Die Temperatur lag um die Null Grad und der Wind ließ alles steinhart gefrieren. Das merkte ich auch auf dem Weg zu meinem Ansitz auf dem Acker. Durch den Frost war alles mit einer feinen Eisschicht überzogen. Hier und da glitzerten die Kristalle im Mondlicht. Die Sicht war ausgezeichnet, aber würde ich der Kälte widerstehen können?

Mein Platz war eine kleine fahrbare Kanzel. So leise wie möglich öffnete ich die zugefrorene Tür und stieg die drei Stufen hoch. Innen setzte ich mich rittlings auf das Sitzbrett und öffnete alle Fenster – alle, bis auf das in Richtung der steifen Briese. Hier stopfte ich sogar die letzten Ritzen mit eine kleinen Decke zu. Langsam ließ ich den Blick um mich gleiten. Rundherum gab es Wald in einer Entfernung von 100-250 Metern, nur hinter mir ging es ins offene Feld. Sauen konnten von überall herkommen, jedoch war meine Hoffnung auf Schalenwild hier recht gering. Dieses würde lieber auf windgeschützten Flächen austreten. Aber man konnte nie wissen. Auf der Jagd ist alles möglich.

Gegen die Kälte hatte ich meine Klamotten an, die auch schon Opa vorm Erfrieren geschützt hatten, ein langer Lodenmantel sowie die gute Russenmütze, natürlich mit heruntergeklappten Ohrschützern. Bewaffnet war ich allerdings mit neuer Technik, Repetierer .30-06 mit 56er Glas und Leuchtpunkt. Die Schwarzen und die Roten konnten kommen… wollten aber vorerst nicht wie ich…

Zunächst einmal kehrte nach dem abendlichen Mahl eine angenehme Müdigkeit bei mir ein. Warm war mir auch noch und so lehnte ich mich zurück und schloss die Augen. Vor meinem inneren Auge allerdings schnürten Rotfüchse durch die Nacht und brach eine Rotte Überläufer im harten Boden. Wäre das schön, wenn einer dieser Guten-Abend-Träume wahr werden würde. Aber zunächst präsentierten sich Wiesen und Felder wildleer. Also machte ich es mir bequem und genoss die Ruhe. Nur der Wind pfiff ein wenig am hinteren Fenster.

Diese kleinen Kisten haben im Winter doch einen großen Vorteil. Man ist in der Lage, mit Eigenwärme sehr lange auszuhalten. Gegen kurz vor elf wurde ich langsam wacher. Nach wie vor zeigte der Blick durch das Doppelglas nur Leere an den Waldrändern. Unwirklich war die Natur um mich herum, so hell und geheimnisvoll, so spannend aber auch so lebensfeindlich aufgrund des eisigen Windes… Mit diesen Gedanken begann ich, mich mehr um das Praktische zu kümmern. Was würde sein, wenn ein Fuchs von rechts käme? Um das Bein schnell über die Sitzbank schwingen zu können kam der Rucksack auf den Boden. Frostige Nächte sind sehr hellhörig und dass der rote Schelm beim kleinsten Geräusch mit der Lunte grüßt musste schon so mancher Jäger leidvoll nach durchsessener Nacht erfahren. Sitzbänke konnten auch schon so manchen Rotrock retten. Diese hier war einige Millimeter zu lang, so das Gewichtsverlagerungen zu verräterischem Knartzen führte. Ein wenig Hin- und Herrücken machte die Lage besser. Füchse konnten kommen… wollten es aber immer noch nicht. Per SMS verabredete ich mich mit dem Beständer auf Mitternacht, das hieß, noch eine halbe Stunde blieb mir. Umso aufmerksamer glaste ich die Umgebung ab. Linkes Fenster, gerade aus, rechtes Fenster und wieder zurück. Auf dieser großen einsehbaren Fläche musste sich doch ein Stück Wild zeigen. Aber anscheinend sollte dies heute Nacht eine Nullrunde werden… dabei sollte Sauen da sein, die Kirrungen… aber was war das? Beim Blick nach rechts an den 300 m entfernten Waldrand machte ich einen schwarzen Fleck auf dem Feld aus, der vorher noch nicht da gewesen war. Sollte das etwa ein Reh sein? Nein, die klare Nacht zeichnete vor mir die für die Jäger magische Sihouette eines Rotfuchses, der dort hinten irgendetwas gefunden hatte und untersuchte. Ein Fuchs, ein roter Freibeuter… sollten meine Wünsche war werden?

Vor vielen Jahren war bei einem Ansitz auf Sauen ebenfalls ein Roter aus dieser Richtung fast bis unter den damals noch hier stehenden Hochsitz geschnürt. Sollte dies auch heute geschehen? Würde mir Hubertus in dieser letzten halbe Stunde noch hold sein? Ich konnte es fast nicht glauben, stellte mich aber schon einmal auf die Richtung ein. Das Verhalten von Reineke war nun wiederkehrend. Immer wieder fand er etwas Interessantes, was es zu untersuchen galt. Dabei zeigte er mir jeweils Breitseite und Blatt. Natürlich war ein Schießen auf noch so weite Entfernung für mich undenkbar. Zu klein war das Ziel und ich wollte nichts riskieren. So konnte ich zu meinem unsäglichen Glück beobachten, wie der der Fuchs langsam aber sicher auf mich zu schnürte. Immer wieder das gleiche Spiel: Zügiges Schnüren, verhoffen und Blatt zeigen, dann zügiges Weiterschnüren… darauf musste ich mich einrichten… Wenn sich Reineke aber zwischendurch von etwas Interessanterem auf der Waldwiese angezogen fühlte, wäre meine Chance vertan. Aber näher ging es, immer näher… Längst schon lag ich im Fenster und beobachtete nur noch durch die lichtstarke Optik. Sollte ich jetzt…? Zu lange überlegt, weiter ging es auf meinen Sitz zu… lange durfte ich nicht mehr warten… 100 m waren bald unterschritten und immer näher kam meine erhoffte Beute. Plötzlich musste ich eine drohende Welle von Jagdfieber unterdrücken. Oh nein, nicht jetzt… aber zum Glück konnte ich das Raseln überwinden. Dran bleiben, der nächste Stopp sollte meine Chance bleiben. Ein letztes Nachfahren mit der Büchse, auflegen auf den Neoprenriemen, da sah ich den Roten auch schon erneut verhoffen, vielleicht auf 60 m… Rotpunkt und Blatt wurden eins und langsam bog sich der Drückefinger…

Mit einem hohlen Plock verließ die Kugel den gezogenen Lauf. Den Fuchs warf es um… nur um gleich wieder hochzuschnellen… Ungläubig blieb ich im Ziel, sah, wie er plötzlich auf die Hinterläufe aufsteilte… und dann zu Boden ging… endlich brachte ich es fertig, zu repetieren… aber der Rote lag, noch einmal wedelte die Lunte, dann war Ruhe. Die Stille der Nacht fiel wieder über die Szene. Er lag, der Fuchs lag… erneut warf ich einen Blick mit dem Doppelglas auf die Stelle und sah die weiße Wolle an der Bauchseite…

So langsam fiel die Spannung von mir ab und jetzt ließ ich auch dem hereinbrechenden Jagdfieber freien Lauf. Rappeln, raseln… aber er lag, er lag…
Da machte sich die Technik der heutigen Zeit wieder bemerkbar. Brummend fragte mein Beständer über das Handy: “UND?“ Nur langsam konnte ich die Mitteilung ins Handy tippen. Ein Waidmannsheil kam prompt und machte die Nacht noch perfekter. Einen roten Freibeuter in frostiger Nacht zu erbeuten ist sicher der Traum vieler Waidmänner…Waidmannsheil – Waidmannsdank!

Bedächtig packte ich meine Sachen zusammen. Baumte ab und machte mich langsam auf zu meiner Beute. Eine kleine Fähe war es. Und eines kann ich Euch sagen: In monddurchleuchteter Nacht mit einem Fuchs zum Treffpunkt zu wandeln ist pures Waidmannsgück! Hubertus sei dank!
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swinging_elvis

swinging_elvis

Alter: 45 Jahre,
aus Dubai
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Kommentare

15.12.2008 09:58 platzi
Weidmannsheil!
Wieder schön erzählt!

Gruß

Diether
15.12.2008 11:29 Lakai
Waidmannsheil, wie immer sehr schön und bildhaft geschrieben.

Danke dafür ;)

Jan
15.12.2008 13:18 Dirk71
Waidmannsheil!
Klasse geschrieben... als wär man live dabei
16.12.2008 11:20 OEMI
Waidmannsheil Elvis. Sehr schöne Story sehr packend und gut geschrieben. Weiter so, OEMI
16.12.2008 13:44 Aikon
Geschichten die das Leben erzählt - super, mein Waidmannsheil.
08.12.2011 20:35 pitter
Toll, wenn man seine Jagderlebnisse so schön niederschreiben kann. Dann hat man auch nach Jahren noch etwas davon - und andere auch!

Vielleicht finden wir ja mal Zeit für ein 2. Kapitel!

Waidmannsheil!
08.12.2011 21:13 swinging_elvis
pitter schrieb:
Toll, wenn man seine Jagderlebnisse so schön niederschreiben kann. Dann hat man auch nach Jahren noch etwas davon - und andere auch!

Vielleicht finden wir ja mal Zeit für ein 2. Kapitel!

Waidmannsheil!

Na dann Waidmannsdank² Die Freude ist und war ganz auf meiner Seite und ja... nachempfinden... Passt! el
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