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Jagd in Finnland

Auf Elch und Birkwild (9 Einträge)

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664 mal angesehen
28.11.2008, 22.09 Uhr

Unendliches Waidmannsglück

Wieder hatte ich mich auf den Weg in den Norden gemacht. Über Kokkola erreichte ich schließlich die Abfahrt in den Wald zu den Mökki (Hütten). Dort empfing mich eine kleine Gesellschaft von vier Finnischen Jägern, welche bereits bester Laune war. Auch Ari, der gerade aus der Sauna kam, begrüßte ich freudig. Bei Kerzenschein und noch ein paar Bierchen wurde das Wochenende reich an Hoffnung begonnen. Aber was würde es uns wirklich bringen?

Der kommende Morgen wartete mit bedecktem Himmel bei minus sieben Grad Celsius und dünner Schneedecke auf. Soweit also ein guter Beginn. Schnell wurde Wasser aufgesetzt und jeder mummelte sich in seine wärmsten Sachen. Ich setzte wieder auf reichlich Unterwäsche, viele Schichten ala Zwiebelprinzip und abschließend meine Camo-Klamotte mit Membran als Windschutz. Rote Mütze und Tarn-Warnjacke durften natürlich auch nicht fehlen (Finnisches Gesetz).

Am Treffpunkt angekommen waren die Finnischen Mitjäger mal wieder bester Laune. Reimo, Hundeführer und Mitarbeiter im Finnischen Forst, tat sich dabei besonders hervor. Schnell wurde das erste Treiben besprochen, ich erhielt ein Funkgerät und ab ging es in die Autos und in den Wald. Über Nacht hatte es eine geringe Neue gegeben und ein Mitjäger hatte bereits die Waldwege nach frischen Fährten abgespürt. Es waren Elche im Revier!

Bei mir machte sich eine angenehme Spannung breit, die allerdings auch Grenzen hatte, war ich doch bereits von meiner letzten Reise mit Waidmannsheil wiedergekehrt und somit waren rein statistisch meine Chancen zu Schuss zu kommen eher gering. Das störte mich aber nicht im Geringsten. Einfach dabei sein und zu einer erfolgreichen Jagd beitragen war mir schon genug. Die ersten Stände waren wieder entlang eines Waldweges. Langsam ging die Sonne auf, im Wald zeugten nur einige Spechte sowie verschiedene Meisenarten von ein wenig Leben. Einige Male hörte ich in der Ferne den Laut eines Hundes, der aber nicht näher kam. So beobachtete ich also meine Reaktion auf die Kälte, die mir so früh am Morgen und ohne Sonne doch recht schnell durch die Kleidung kriechen wollte. Aber ich gab mich so schnell nicht geschlagen und hielt auch ganz gut aus. Nach ca. 1,5 Stunden kam von links Matti gefahren, mich mitzunehmen. Die Kette wurde umgesetzt, denn man hatte mittels GPS den genaueren Standort des Bails geortet.

Wenig später ging es mit ca. sechs Jägern auf einen alten Ziehweg in den verschneiten Wald. Nachdem Matti ein Platz zugesprochen worden war, kam ich als nächster an der Reihe. Wenn ich auch mittlerweile gelernt zu haben meine, dass Wild eher deckungsreiche Wechsel nimmt als freie Flächen, so freute ich mich doch über die recht gute Sicht bis zu 50 Meter. „Feines Schussfeld“ dachte ich, setzte mich auf meinen Klappstuhl und lud die Büchse. Auch hier wollte ich es mir wieder gemütlich machen. Die Temperaturen waren ein wenig gestiegen, der Organismus war in Schwung – ein schöner Tag konnte beginnen!

Bereits beim Angehen mussten wir uns leise benehmen, denn der Bail schien nicht allzu weit entfernt zu sein. Plötzlich vermeinte ich aus der Richtung des Lauts ein leises Knacken zu vernehmen. Sollte da etwa Wild anwechseln? Und schon bemerkte ich die charakteristische Farbe des Elchwildes fern zwischen den Bäumen. Da näherten sich zwei Stücke, die ich nach einigem Schauen als Tier mit Kalb ansprechen konnte. Welch herrlicher Anblick, als die beiden gewaltigen Wildkörper sich im typischen Fluchttroll durch den Wald bewegten. Rein reflexartig spannte ich und ging ich in Anschlag, jedoch war die Entfernung zwischen 50 und 60 Meter und dort standen die Kiefern doch schon wieder recht eng… und ein Jäger nach dem Motto „Nicht geschossen ist auch vorbei“ war ich noch nie… Meine Chancen also gegen Null berechnend verfolgte ich, wie das Tier gut gedeckt verhoffte und offensichtlich zunächst sicherte, bis es weitergehen sollte. Als es dann weiterzog traute ich meinen Augen kaum: schon nach wenigen Metern verhoffte das Alttier erneut, und zwar derart, dass das ebenfalls stoppende Kalb mit dem Blatt genau zwischen zwei Kiefern zu stehen kam. Meine Gedanken überschlugen sich. Welch eine Chance! Im Hinterkopf regte sich auch ein Geist, der mir sagte, dass ich ja bereits zu Schuss gekommen sei… aber diese einmalige Chance… Teufelchen – Engelchen – Teufelchen… verwoben sich in einen immer enger werdenden Wirbel … den Wirbel des um die Stelle hinter dem Blatt kreisenden Absehens… bis sich dieser konzentrierte und in seiner Mitte die 13 Gramm Norma Oryx auf die Reise ging.
Wie aus einer Trance erwachend versuchte ich, das sich herumwerfende und flüchtende Wild mit den Augen zu verfolgen. Unkoordiniert kam mir das Kalb vor, schwankend… und dann waren sie weg…

Und dann kam es wieder – das Nach-dem-Schuss-Jagdfieber. Was habe ich geraselt, geklappert, hat es mich geschüttelt… und das nicht vor Kälte!!!

Schon kurz darauf die Meldung aus dem Äther, ob ich geschossen hätte. Kurz erzählte ich das Geschehene… war fassungslos… immer noch nicht in die Wirklichkeit zurück gekehrt…
Wenig später sah ich Matti, der sich langsam in Richtung Anschuss bewegte. Ein wenig von mir eingewiesen bekam ich leider keine Rückmeldung von ihm, was diese schlimme Ungewissheit noch größer werden lies. War ich gut abgekommen? Mein Gefühl sagte mir: Ja!
Wenig später eine Stimme aus dem Funkgerät in gebrochenem Deutsch: „Ja, hier liegt ein Elch!“

Riesengroße Steine fielen mir vom Herzen. Lag!, mein!, Waidmannsheil!… Den Rucksack überwerfend machte ich mich auf, übersprang zwei vereiste Gräben und war wenig später an meiner Beute: einem Elchtierkalb. Sauber hinter Blatt eingedrungen war die Kugel ein wenig schräg gegangen und hatte die Leber zerfetzt. Welche Freude… Welch Glück.
Aber so richtig zur Ruhe kommen sollten wir nicht. Der Hund gab immer noch Laut und kam näher. Da sahen wir erneut ein großes und ein kleineres Stück auf sicher 80 Meter durch den dichten Wald gehen. An Schießen war nicht zu denken, Der Wille war aber nach so reicher Beute auch gering, so dass ich Matti mitteile, er solle im Falle eines Falles schießen. Aber dazu kam es nicht, wohl aber bei einem weiter entfernt abgestellten Jäger. Mit Kugelschlag kam uns der Schuss gut vor. Leider sollten wir später erfahren, dass der Schütze das Blatt nicht freibekam und deswegen versuchte, dem Kalb auf das Haupt zu schießen, was mit einem Kieferschuss gründlich misslang. Auch ein weiterer Schuss führte nicht zum Erfolg… Mist!

Nach dem Aufbrechen und schweißtreibenden Bergen des Stückes wurde deshalb beschlossen, jetzt nur noch auf das angeschweißte Kalb zu jagen. Einige Jäger meinten übrigens beobachtet zu haben, dass das Kalb bei einem jungen Hirschen stand, was bei Verlust des Alttiers vorkommen soll. Die Tatsache, dass sich dieses von dem adulten Elch trennte, spricht dafür, dass die Bindung nicht ganz so eng war…

Reimo, der Mann vom Forst nahm mit seiner Rilli die Wundfährte auf. Dazu muss man aber sagen, dass Rilli noch nicht so erfahren ist und deshalb große Teile der Fährte im Schnee vom Führer ausgearbeitet wurde. Aufgrund der Erfahrungen mit Schwarzwild versprach ich mir allerdings nicht allzu großen Erfolg. Mit einigen wenigen Jägern und Sakari, dem Revierverwalter, wurden wir in eine bestimmte Ecke des 5000 Hektar messenden Reviers geschickt. Hier harrten wir weiterer Instruktionen. Leider aber kam keine Mitteilung, ein Hundelaut war auch nicht zu hören und so sank die Stimmung von Minute zu Minute. Würde Reimo vielleicht doch an das kranke Wild kommen? Dies war aufgrund der hohen Mobilität des Kalbes eher unwarscheinlich… Auf eine Nachricht wartend sannen wir vor uns hin. Ich durchlebte natürlich wieder und wieder dieses erneute wundersame Erlebnis am Morgen, das mir unverhofftes Waidmannsheil verschafft hatte… Was war dies doch für ein uriges … Paaafff—ptsch… Schuss und Kugelschlag. Aufhorchend schauten wir uns fragend an, als auch schon der Funkspruch des überglücklichen Reimo kam: Das wunde Kalb war zu Strecke gekommen! Was war das eine Freude!!!

Finnen machen in so einem Falle erst einmal ein entspannendes Lagerfeuer an, die Klappstuhlrucksäcke werden aufgestellt, Äste mit kleinen Gabeln geschnitzt und die Makkara – die Bratwurst der Finnen – über der Glut gebraten. Lecker, lecker… und sehr schön…

Aber anscheinend wusste man auch, was dann kam. Das Kalb war in einem äußerst unwegsamen Gebiet erlegt worden. Die Bergung gestaltete sich als echte Knochenarbeit und am Ende kann ich nur sagen, ich hätte mich am liebsten der Länge nach in den Schnee geworfen… so fertig war ich. Gleichzeitig kann ich nur bemerken, dass in so einem Fall Zwiebelprinzip und atmungsaktive Kleidung Gold wert ist, um bei -9°C nicht krank zu werden.

So konnten wir also bereits am ersten Jagdtag zwei Kälber in die Wildkammer liefern. Eines mit viel zu viel Glück durch mich gestreckt, ein weiteres durch eine unglaubliche Leistung des Reimo unverhofft doch noch zur Strecke gekommen. Welch Erleben, welch Waidmannsheil!

Nachdem beide Stücke aus der Decke geschlagen waren, ging es wieder zurück zum Mökki am See. Nach Sauna, ein wenig essen und ein paar Bierchen war für mich dann aber endgültig Schluss. Das Knistern der Glut in den Ohren entglitt ich in einen festen Schlaf… in der Tiefe der Finnischen Wildnis…
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swinging_elvis

swinging_elvis

Alter: 45 Jahre,
aus Dubai
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Kommentare

28.11.2008 23:18 Meffi
Schöne Geschichte!
Herzliches Waidmannsheil!
Gräme Dich nicht all zu sehr über Dein "Glück" sondern freu Dich einfach. - Wenn es Brei regnet soll man den Löffel raushalten -

Gruß Meffi!
29.11.2008 08:29 platzi
Weidmannsheil zum "besonderen" Wild!
Glück gehört zur Jägerei!
Übrigens ist die Erzählung angenehm zu lesen!


Gruß

Diether
29.11.2008 09:40 Dirk71
Waidmannsheil!
Tolle Geschichte, gut erzählt.
29.11.2008 16:19 swinging_elvis
platzi schrieb:

Weidmannsheil zum "besonderen" Wild!
Glück gehört zur Jägerei!
Übrigens ist die Erzählung angenehm zu lesen!


Gruß

Diether


Hmmm... ehrlich gesagt gebe ich mir auch Mühe und nutze außerdem Word/Thesaurus, bevor ich Geschichten einstelle. Mir liegt etwas an einer guten, vor allem auch geschriebenen Sprache. Schade manchmal, wenn tolle Jagderlebnisse durch Chat-Sprache recht schwer zu lesen sind. Aber vielleicht ist das der Geist der Zeit. Hierdurch soll sich auch keiner abgehalten fühlen... immer her mit tollen Jagdgeschichten!!! elvis
30.11.2008 10:40 Keiler
swinging_elvis schrieb:

Hmmm... ehrlich gesagt gebe ich mir auch Mühe und nutze außerdem Word/Thesaurus, bevor ich Geschichten einstelle. Mir liegt etwas an einer guten, vor allem auch geschriebenen Sprache. Schade manchmal, wenn tolle Jagderlebnisse durch Chat-Sprache recht schwer zu lesen sind. Aber vielleicht ist das der Geist der Zeit. Hierdurch soll sich auch keiner abgehalten fühlen... immer her mit tollen Jagdgeschichten!!! elvis


Waidmannsheil zu deinem Kalb. Lass dich nie zu einem Schuß auf´s Haupt hinreißen, sieht zwar riesig aus aber der tötliche Bereich ist verdammt klein.
Solche Schüsse sind in Schweden nur als Fangschüsse erlaubt. Schieß einer so auf einen gesunden Elch wäre die Jagd dann für ihn vorbei!
Auch Fangschüsse werden bevorzugt auf den Träger abgegeben.
Aber du bist mit dem Herzen dabei wie man deinen Erzählungen entnehmen kann.
Ich war für einen Moment wieder in Schweden bei der Elchjagd!
Spannend und aufregend wie immer!

Grüße vom Keiler
30.11.2008 11:35 swinging_elvis
Keiler schrieb:

Waidmannsheil zu deinem Kalb. Lass dich nie zu einem Schuß auf´s Haupt hinreißen, sieht zwar riesig aus aber der tötliche Bereich ist verdammt klein.
Solche Schüsse sind in Schweden nur als Fangschüsse erlaubt. Schieß einer so auf einen gesunden Elch wäre die Jagd dann für ihn vorbei!
Auch Fangschüsse werden bevorzugt auf den Träger abgegeben.
Aber du bist mit dem Herzen dabei wie man deinen Erzählungen entnehmen kann.
Ich war für einen Moment wieder in Schweden bei der Elchjagd!
Spannend und aufregend wie immer!

Grüße vom Keiler


Lieber Keiler,
ich schicke ein wenig meines Waidmannsdankes an Hubertus und Diana auch an Dich. Diese Erlebnisse hallen nach...

Ja, habe gerade noch einmal in "Das Elchwild" unter "Schusswirkung" nachgelesen:
"Das Gehirn des Elches hat ungefähr die Größe einer Faust. Es ist als Treffpunkt deshalb ungeeignet, es sei denn bei sehr nahen Entfernungen und günstigen Bedingungen. Schüsse gegen das Haupt sind immer riskant. Es kann dabei zu üblen Kieferverletzungen kommen, die dem Wild immer ein qualvolles Ende bereiten."

Auch Finnen haben mir gleichlautende Hinweise gegeben. Es sieht also nicht viel anders aus als zum Bsp. bei der Jagd auf unser heimisches Schwarzwild.

Noch ein kleiner Nachklang zur Jagdgeschichte:
Da die Leber zerschossen war, sicherte ich mir Nieren und Herz und legte diese zum Kühlen neben den Elch. In der Luft waren mir bereits während der Jagd Aufklährer aufgefallen: die schlauen Kolkraben, die mit melodischem klong-klong in sicherer Höhe kreisten. Diese nutzten meine Abwesenheit von vielleicht 5 min dazu, sich diese leckeren Brocken zu sichern. Zwar schade um die Leckereien, aber ich gönnte es den Wotansvögeln.
elvis
30.11.2008 12:46 Keiler
swinging_elvis schrieb:

Lieber Keiler,
Zwar schade um die Leckereien, aber ich gönnte es den Wotansvögeln.
elvis


Allein die Jagd in Skandinavien mitmachen zu können ist schon ein Erlebnis - diese Natur, die Tiere, die Landschaft und ihre Menschen.
Einmal mitgemacht kommt man davon nicht wieder los.
Ich verstehe dich sehr gut Elvis!

Grüße Keiler
04.12.2008 22:17 RhoenerKauz
Klasse Geschichte, die du nicht vergessen wirst.
Mit den Kopfschüssen ist das wieder ein extra Thema, deswegen schreib ich dazu auch nix, nur, daß 5% meiner Jagdjahresstrecke bei Schalenwild auch hier getätigt werden).
Auslandsjagd mit anderen Wildarten hat schon was für sich, einmal die andere Tierwelt, zum anderen aber auch die andere Landschaft. Ein Erlebnis, eigentlich unvergeßlich, für jeden, und für immer.

PS: Danke für die gute Schreibweise, ich kann das auch nicht haben, wenn ich hier versemmeltes Deutsch les, was sich nach ner Fremdsprache anhört
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