Zur mobilen Version wechseln »
Jagd-VideosCommunityMediadatenNewsletterFormulare & Vordruckejagderlebenlandlive.deANVISIERTPRAXISSERVICEMARKTJAGD-WETTERAPPSPirschunsere JagdNiedersächsischer JägerDer Jagdgebrauchshund
Erweiterte Suche »
UploadChatForenFotosFotoalbenVideosBlogsTermineMitgliederGruppenPartnersuche

JAGDGEWEHRE

(1 Eintrag)

DAS ELEFANTENGEWEHR DAS ELEFANTENGEWEHR ELEFANTEN
861 mal angesehen
06.11.2008, 10.22 Uhr

DAS ELEFANTENGEWEHR

Gemeinschaftsansitz auf Schwarzwild im Revier eines Freundes. Beim Abmarsch aus der Jagdhütte fragt mich einer meiner Jagdfreunde, die alle meine Sammelleidenschaft für Repetierstutzen kennen, was ich für ein Gewehr heute dabei habe und kommentiert die Waffe mit den Worten: „Ach so, das Elefantengewehr!“ Elefantengewehr? Afrika?
Eigentlich begann die ganze Sache in der ersten Hälfte der 80iger Jahre bei einem Frühansitz im nördlichen Saarland. Ich saß auf meinem Hochsitz, sah rein gar nichts und vertrieb mir die Zeit mit dem Lesen einer „Pirsch“. In einem amüsanten Artikel beschrieb Werner Reb, wie er auf einer Drückjagd gleich zwei Waffen durch Schaftbruch vernichtet hatte, in der Hauptsache ging es jedoch um das Kaliber 9,3x62, welches er recht positiv beurteilte. Nach der Lektüre dieses Artikels und nachdem ich in den folgenden Tagen alle möglichen Informationen über Entstehung und Leistung dieses Kalibers eingeholt hatte (Google gab`s ja noch nicht!) stand fest: So ein Teil muss her! Dies um so mehr, als ich schon einige Zeit eine Nachsuchenwaffe suchte. Klar war, dass es keine Waffe von der Stange sein sollte. Also rief ich einen Jagdfreund aus dem Schwäbischen an, der seine jagdfreie Zeit damit verbrachte, Jagdwaffen zu bauen, bzw. unter seiner Aufsicht bei einem befreundeten Büchsenmacher bauen zu lassen. Die Modalitäten waren schnell geklärt: 98iger System, Stutzen, kurz, Fluchtvisierung, seitliche Riemenbügel und natürlich 9,3x62! Schaftmaße lagen von der letzten Waffe noch vor.
Über mögliche Lieferzeiten oder Dauer der Bauzeit mit meinem Freund zu sprechen, war, wie mir vom Bau einer anderen Waffe her bekannt , in Bezug auf aussagekräftige Termine ziemlich sinnlos. Hier galt am ehesten der Satz des verstorbenen Börsengurus Andre Kostelany über den Kauf von Aktien: „Kaufen, sich einige Jahre schlafen legen und dann nachsehen, was daraus geworden ist!“ Deshalb war ich völlig überrascht, als ich nach einigen Tagen einen Anruf aus dem „Schwäbischen“ erhielt und mein Freund mir ganz euphorisch erklärte, er habe für mich ein 98iger System von Hänel und Lorenz, welches schon einmal eine Afrika-Waffe gewesen sei und auch schon dort war! Ob es mich stören würde, dass der Magazindeckel mit einem Bild eines bärtigen Buren mit Afrikahut graviert sei? Es störte mich natürlich nicht und dies war für mehrere Monate das letzte Lebenszeichen von Freund und Gewehr. Hin und wieder rief ich an und erhielt immer neue Erklärungen für die lange Lieferzeit: Der Lauf käme nicht bei, der Schäfter (auf schwäbisch: Schääääfter) habe gerade seine schöpferische Pause und…und… !
So war ich völlig überrascht, als einige Tage vor Weihnachten ein Anruf kam, in dem mir mitgeteilt wurde, mein Jagdfreund sei über die Feiertage im Saarland und habe den Stutzen dabei, aber nur zum Anschauen, da er noch nicht fertig sei! Na also, dies war doch ein Fortschritt und so machte ich mich am 2. Weihnachtsfeiertag auf den Weg zur Besichtigung.
Als die Waffe auf dem Wohnzimmertisch lag und ich das Schaftholz sah, war mir sofort klar, dass diese Waffe nicht dafür gebaut worden war, auf der Nachsuche durch den Schwarzdorn gezerrt zu werden! Schönes Schaftholz, bayerische Backe mit Doppelfalz, Pistolengriff mit Krawatte, Schaftmagazin und im Bereich des Vorderschafts hatte der „Schääääfter“ seiner Vorliebe für Art deco – Linien freien Lauf gelassen, Fischhaut und Riemenbügel waren noch nicht vorhanden. Auch die Kunststoffbettung musste noch gemacht werden. Aber genauso klar war mir, dass ich diesen Stutzen haben musste! Nachdem wir uns kurzfristig darauf einigten, die Nachsuchenbüchse zu einem späteren Zeitpunkt zu bauen, überbrachte mein Freund mir als Weihnachtsgeschenk noch eine Botschaft des „Schääääfters“: Dieser sei bereit, bei der Waffe eine leichte Arabeskengravur anzubringen, deren Motive sich als Begrenzung der noch zu schneidenden feinen Fischhaut wiederholen sollten, und dies für „ganz kleines Geld“, quasi kostenlos. Im Gegenzug müsste ich damit einverstanden sein, dass er auf der rechten Hinterschaftseite ein Afrikamotiv schneiden dürfe, welches er als Vorlage für seinen Katalog brauche. Mit meinem Einverständnis und der Bitte, möglichst kein Giraffenmotiv anzubringen, machten sich Freund und Gewehr wieder auf den Heimweg nach Süddeutschland. Pünktlich zum Aufgang der Bockjagd waren beide wieder im Saarland. Sonntagsmorgens sollte die Übergabe der Waffe erfolgen. Sie lag wieder auf besagtem Wohnzimmertisch, montiert mit einem Kahles 3-9x42 und einem Druckpunktmatchabzug. Die Arabeskengravur an Laufwurzel, Magazindeckel (auf den Buren hatten wir nun doch verzichtet) und Schaftmagazin lachte mich an, die feine Fischhaut mit Arabeskenabschluss war exzellent ausgeführt. Ich drehte die Waffe um und mir müssen dann nach Aussage aller Anwesenden die Gesichtszüge entgleist sein: Der „Schäääfter“ hatte auf der rechten Schaftseite als Afrikamotiv 4 Elefanten vor einem Affenbrotbaum und dem Kilimandscharo im Hintergrund angebracht! Nachdem ich mich von dem Schock erholt hatte und mir auch klar war, dass es keine Möglichkeit gab, dieses Motiv zu entfernen bzw. zu ändern, sah ich mir die Ausführung der Verschneidung genauer an und war begeistert! Sie war nicht sehr tief geschnitten, mehr in der Art einer Flachstichgravur, dafür aber umso plastischer! Aufgrund dieser Qualität und der zwei Tage später festgestellten Spitzenschussleistung war dann klar, dass ich die Waffe trotz der Elefanten behalten würde! Nach der Erlegung einiger Böcke hatte ich mit dieser Waffe nach Aufgang der Rotwildjagd ein geradezu unheimliches Waidmannsheil! Die Waffe ( im Freundeskreis hatte sie zwischenzeitlich den Spitznamen „Elefantengewehr“ erhalten) brachte mir Jagdglück! Nachdem ich im ersten Jahr noch einige kleine Änderungen vorgenommen hatte ( der Druckpunkt wurde durch einen Flintenabzug, das Kahles durch mein Standardglas 2,5- 10 x 52 Zeiss ersetzt, die 98iger Flügelsicherung gegen eine Hartmann und Weiss – Sicherung ausgetauscht), führe ich das Elefantengewehr (trotz gefülltem Gewehrschrank) bis heute als Hauptwaffe. Immer, wenn es darauf ankam, hat sie mich begleitet, sowohl im In-als auch im Ausland. Lediglich in`s Gebirge durfte sie nicht mit und Afrika hat sie auch nicht wiedergesehen!
Jedesmal, wenn neue Jagdfreunde oder Gäste das Elefantengewehr zum ersten Mal sehen, zeigt sich ein leicht amüsiertes Grinsen in den Gesichtern, welches spätestens nach einer genaueren Begutachtung der Waffe zu einem achtungsvollen Lächeln wechselt. Aufgrund dieser Verschneidung haben im Lauf der Jahre etliche Jäger den Weg in`s Schwäbische zu dem „Schääääfter“ gefunden, aber Elefanten hat keiner mit nach Hause gebracht! Ach so, als Nachsuchenwaffe habe ich mir einige Zeit später einen Original Mauser-Nachsuchenstutzen gekauft!
offline

Geschrieben von

Private Nachricht schreiben »

Kohlfuchs

Kohlfuchs

Alter: 63 Jahre,
aus dem Saarland
Anzeige

Schlagwörter

Bitte gib die Schlagwörter mit Komma getrennt ein.

Kommentare

06.11.2008 10:30 Tassilo
Schöner Bericht ! So bekommen Waffen ihren Namen..............
06.11.2008 12:32 Stroepper
Schön erzählt, Kohlfuchs. Ich geb zu, die Elefanten wären mein Ding nicht. Aber ansonsten ein tolles Gewehr. Dein Beitrag passt heute wie die Faust auf's Auge. Ich hab auch noch einen 98er, aus dem mal was werden soll. Gestern Abend hatte ich bei einem Jagdfreund ebenfalls einen 9,3x62 Stutzen in der Hand - ein Traum, handwerkliche Spitzenleistung. Und jetzt kommst Du und machst mir die Nase lang. Ich glaub ich setze mich am WE mal mit meinem Hut in die Fussgängerzone statt ins Revier.
Grüsse Stroepper
06.11.2008 13:28 Sauerlaender92
schönes gewehr und schöne geschichte !!
Der Schäääääääfter ist mir sympatisch
WmH Mattes
06.11.2008 13:35 Renevolution81
"Traumwaffe" und schön erzählte Geschichte Da sieht man mal wieder was Saarländer und Schwaben alles leisten können
Grüße Renevolution81
06.11.2008 15:10 Stroepper
Renevolution81 schrieb:
... Da sieht man mal wieder was Saarländer und Schwaben alles leisten können
Grüße Renevolution81

Der Saarländer ist aber ursprünglich ein Pfälzer. Das war sicher kein Nachteil.
06.11.2008 15:47 Renevolution81
... sind mir noch sympatischer- da ich ja ein halber bin
Grüße René

Stroepper schrieb:

Der Saarländer ist aber ursprünglich ein Pfälzer. Das war sicher kein Nachteil.

09.11.2008 17:49 OEMI
Zugegeben ein sehr schöner Bericht und eine ebenso schöne Waffe. Wenngleich die Elefanten im Detailfoto etwas gewöhnungsbedürftig aussehen, so muß ich doch zugeben, in der Gesamtaufnahme von Bild 1 wirkt die gesamte Schaftausbildung durchaus stimmig. Würd mich mal interessieren, was man in etwa bei deinem Schäääääfter wo so eine Maßanfertigung hinlegen muß.
Wenn du hierüber sprechen möchtetst kannst du mir ja mal eine ungefähre Hausnummer mitteilen, da ich ein ähnliches Ansinnen habe.
Viele Grüße, Rolf
30.12.2017 09:31 waidmannszweitetochter
Kohlfuchs, wirklich toller Schreibstil, gefällt mir außerordentlich gut!
Tipp für iPhone-Benutzer: Du kannst alle Kommentare durchblättern, indem du zwei Finger zum Scrollen verwendest.
Anzeige
Zum Seitenanfang