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Jagd in Finnland

Auf Elch und Birkwild (9 Einträge)

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163 mal angesehen
29.10.2008, 21.35 Uhr

Teeri, metso ja pyy

Wer des Finnischen nicht mächtig ist, dort aber auf Rauhfußhühner jagern möchte, der wird sich mit den oben genannten Vokabeln schnell bekannt machen: Von Birk-, Auer- und Haselwild ist hier die Rede und diese drei können im Revier in den Monaten September und Oktober bejagt werden. Ich hatte mein verlängertes Wochenende extra so geplant, dass dieses auf Ende Oktober viel, um es noch einmal mittels Attrappen auf das Birkhuhn zu versuchen. Schon beim ersten Aufenthalt im Finnischen Revier war es zu einer spannenden Jagd gekommen, bei der allerdings weder kleiner Hahn noch Henne zur Strecke gekommen waren. Also auf ein Neues!

Nach nächtlicher Ankunft hieß es wieder früh aufstehen. Ein Treffen im Ort war ausgemacht und Markus brachte gleich Juha, seinen Nachbarn mit. Auf ging es in den tiefen Wald. Fast endlos wollte mir die Fahrt erscheinen, bis wir schließlich anhielten. Auf einem durch Schranke versperrten Weg wanderten wir mit der Ausrüstung los. Nach einiger Zeit kamen wir an ein Mökki (Finnisches Holzhäusschen) an einem See, wo wir vom Weg in den Wald einbogen, anscheinend auf einem Elchwechsel. Nach einigem Auf und Ab wurde der Wald lichter und gab schließlich den Blick auf ein wunderbares Gebiet frei: In einer mir fast kreisrunden Moor-Arena von vielleicht 600 m Durchmesser befand sich fast in der Mitte eine Insel auf Kiefern, Birken und Felsen. Zu dieser machten wir uns, bei bläulich grauendem Morgenhimmel und aufgrund der Temperaturen um die Null Grad leicht knisternden Untergrund auf. Hier und da versank man schon einmal ein wenig, aber zum Glück hatte ich aufgrund unbekannter Verhältnisse die Finnische National-Fußbekleidung gewählt: Gummi-Stiefel!
An der „Insel“ angekommen wurden schnell die Stände verteilt. Ich nahm hinter einer kleinen Kiefer Platz, Markus und Juha gingen hinter Felsen in Deckung. Alle aber waren wir Richtung Osten ausgerichtet, denn dies sollte die bevorzugte Einflugrichtung der kleinen Ritter sein. Die Attrappen wurden zum einen mittels langen Fichtenstangen in die Bäume gesetzt, zum anderen im Moor auf Grasbülten gesetzt. Dabei waren die Baumhühner die Zuschauer des sich in der „Arena“ abspielenden Schauspiels.

Und jetzt hies es harren der Dinge die da kommen sollten. Für den weiteren Schuss hatte ich meine Hornet-Büchse mitgebracht. Wichtiger aber war die Flinte, die ich langsam lud. Was würde der Morgen bringen?

Die Wetterbedingungen jedenfalls waren bis auf einen leichten Wind optimal. Schon färbte sich der Horizont rötlich, als zum ersten Mal das zischende Fauchen ins Rund der Bäume fuhr. Markus tat dies mit solcher Inbrunst, dass sich sein Tarn-Gesichts-Schutz heftig wölbte. Tschiuuuiii- Tschiuuuuiiiii… Heute mussten einfach Hühner einfallen. Fest hielt ich die Browning umgriffen und duckte mich hinter die Kiefernzweige, die noch zwecks besserer Tarnung aufgestellt worden waren… harren, warten, schauen…
Und zum Schauen bot diese wunderbare Natur wahrlich einiges. Wie unglaublich musste das Erleben sein, hier im Frühjahr den Tanz des kleinen Hahnes auf seinem Balzplatz zu erleben. Vor meinen Augen kam Leben in eine der Attrappen im Moor, begann sie zu tanzen, den Flattersprung auszuführen, zu fauchen oder ein zärtliches Gurrulluu auszustoßen…

Im Sinnen und Wähnen bemerkte ich am Rande der Arena die ersten Schaulustigen. Ein Flug von vielleicht 5 Hühnern wurde am Horizont sichtbar, kam aber trotz Markus heftiger werdendem Gefauche nicht näher. Der Flug begann…

Während sich die Sonne so langsam über die Spitzen der Bäume schob, kam plötzlich auch Leben in den Wald rechts von uns. Birkwild. Tiefer ging es in Deckung als auch schon eines der Hühner auf unsere „Insel“ zu strich… und genau wenige Meter über mir im Baum landete, unter dem ich saß. Da half nur stocksteif sitzen bleiben und hoffen, dass meine Mitjäger die Lage schnell genug erfassen würden… RRUMMMSSS für Markus Hagel in die Zweige und keinen Meter neben mir fiel die Birkhenne mausetot ins welke Gras. Am liebsten wollte ich mich rüberbeugen um mir die Beute genauer anzuschauen, aber schon zischte Markus wieder und rief mir gedämpft ein „get ready“ zu… Im Voranschlag sah ich tatsächlich wieder einen Vogel auf uns zu streichen. „Der kommt perfekt“ – so dachte ich, ging in Anschlag, fuhr mit und… feuerte gleich zweimal an dem pfeilschnellen Vogel vorbei… Aus den Augenwinkeln gewahr ich, dass der Hahn trotz der Kannonade in den Kiefern hinter mir einfiel, drehte mich um und mit meiner Flinte knallten auch die Flinten der Mitjäger. Von Ast zu Ast gleitend fiel der schwarze Ritter getroffen zu Boden. Zumindest war er somit nicht geflügelt abgeritten, ein wenig geärgert habe ich mich dann aber doch - das war ja nicht gerade eine Vorstellung vom Feinsten, die ich hier gab… Aber was wunderte ich mich: Auf die heimischen Fasanen hatte ich auch immer so meine Probleme… warum sollte das in Finnland anders sein. Im Geiste jedenfalls schrieb ich die Beute Markus zu, der meiner Meinung nach den ersten Schuss auf den aufgebaumten Hahn abgegeben hatte. Und wie heißt es bei uns: Schrotschuss ist Totschuss! Eine weitere Henne hatte übrigens Juha erlegen können.

Aber der Morgen war ja noch jung und so luden wir wieder und begaben uns in Hab Acht-Stellung. Wunderbar schimmerten die Strahlen der noch tief stehenden Sonne durch die im Moorgras hängenden Gespinste. Spontan fiel mir hierzu der Titel von Von Gagerns Grüner Chronik ein: „Stunde und Stimmung“. In solchen Momenten kann man nachempfinden, was der Autor hiermit sagen wollte…

Während meines Spekulierens gewahr ich zwei Hennen, die von hinten aus dem Arena-Rund zu unserer Baumgruppe anstrichen. Jetzt hieß es aufpassen. Vielleicht kam nun meine Chance. Tatsächlich kamen die schönen Vögel immer näher und baumten in den Kiefern hinter uns auf. Die Zweige waren noch nicht zur Ruhe gekommen und die Hennen hatten noch nicht Ihren alles prüfenden Rundum-Blick begonnen, als ich auch schon herumfuhr, Maß nahm und die Schrote in die Wipfel entsandte. Peng fiel der Vogel getroffen aus dem Baum. Die zweite Henne ritt ab. Waidmannsheil. Glücklich erhob ich mich nach kurzem Blickkontakt mit Markus, um mein erstes erbeutetes Stück Birkwild in Augenschein zu nehmen. Nach einigen wenigen Flügelschlägen war das Leben aus Ihr gewichen, ich nahm sie auf, strich die Federn glatt und erfreute mich an dem schönen Kleid, welches die Henne trug. Feines braun mit einem kleinen schwarzen Querstreifen auf jeder Feder, die Ständer ebenfalls mit kleinen Federchen geschmückt, was dem Vogel den Gattungsnamen gab… zufrieden nahm ich wieder Platz und legte meine Beute neben mir ins Gras um mit weiter an ihr satt zu sehen.

Wenig später mahnte Markus allerdings zum Aufbruch. Er nannte dies „sustainability“, was auf Deutsch nichts anderes als Nachhaltigkeit bedeutet, und wer versteht das nicht. Während wir ein paar Fotos schossen und die Vögel zusammen suchten, erschienen doch am Horizont wieder Flüge dieser faszinierenden Art. Ca. fünf Stück saßen in den Kiefern und weitere fünf waren zu Boden gegangen. Auf Markus Zischen kam auch tatsächlich kurz Antwort. Dann strichen beide Flüge weiter. Vielleicht hatten sie etwas von uns Jägern bemerkt. Wir waren darüber nicht traurig. Eine dann doch noch über unsere kleine Bauminsel streichende Henne nahm ich noch einmal unter Feuer, leider erfolglos. So ging es trotzdem zufrieden auf dem Elchwechsel fort von diesem wunderbaren Ort. Welch ein Morgen!
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swinging_elvis

swinging_elvis

Alter: 45 Jahre,
aus Dubai
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Kommentare

30.10.2008 19:16 Renevolution81
Schöne Geschichte- aber was anderes hätte ich auch nicht von Dir erwartet
Natürlich 5 Pkt.
30.10.2008 21:48 swinging_elvis
Renevolution81 schrieb:

Schöne Geschichte- aber was anderes hätte ich auch nicht von Dir erwartet
Natürlich 5 Pkt.


...und bei Euch liegt schon Schnee? Super.
Waidmannsdank! Elvis
04.11.2008 20:25 Lakai
Waidmannsheil Elvis,

habe die Geschichte eben erst gelesen, stark geschrieben, man konnte sich richtig in die Stimmung reinfühlen.
Bestimmt ein Traum so eine Jagd.

Jan
04.11.2008 20:29 swinging_elvis
Lakai schrieb:

Waidmannsheil Elvis,

habe die Geschichte eben erst gelesen, stark geschrieben, man konnte sich richtig in die Stimmung reinfühlen.
Bestimmt ein Traum so eine Jagd.

Jan


Das kann ich Dir sagen... als ich da mit meinen Mitjägern saß und der Morgen erwachte wußte ich auch nicht recht, ob ich wachte oder träumte... elvis
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