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Finnischer Morgen

Birkhahn, Spätbalz, Finnland, See (2 Einträge)

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257 mal angesehen
14.10.2008, 20.45 Uhr

Finnischer Morgen

Endlich fiel das Licht der Scheinwerfer von Markus’ Volvo durch die Scheiben des Mökki, in dem ich sehnsüchtig auf ihn wartete. Nach gestriger mitternächtlicher Ankunft im Holzhäuschen am See sollte es heute Morgen trotz schlechten Wetters auf den kleinen Hahn gehen.
„Ich habe da eine ganz besondere Stelle“ hatte mir mein neuer Finnischer Jagdfreund verheißungsvoll angekündigt. Zu einer kleinen Insel sollte es gehen, auf der die Schwarzen anscheinend die spätherbstliche Nachbalz durchführten. Denn Markus verstand sich auf das Locken des Hahnes mittels des bekannten, aggressiven Zischlautes.

Im Halbdunkeln des frühen Morgens packten wir Flinten, Sitzstuhl und Attrappen in das direkt vor dem Mökki liegende Ruderboot und schon glitten wir durch die noch kühle Luft in die weiten der Finnischen Seenlandschaft.
Wer alleine dies schon einmal erlebt hat, weiß, was es heißt, wenn ich hier von einem ganz besonderen Erlebnis spreche. Während mein Mitjäger langsam in die nur ihm bekannte Richtung ruderte tauschten wir einige Dinge über die Jagd in Finnland im Allgemeinen und auf den Birkhahn im Besonderen aus. Da er hierbei sehr gut Englisch sprach und ich mir die wichtigen Dinge wie teeri = Birkhahn und metso = Auerhahn natürlich gemerkt hatte, stellte man schnell fest, dass man hier einen Vollblutjäger vor sich hatte. Für viele Menschen diese Gegend bedeutete anscheinend erä, also die Jagd und Fischwaid sehr viel – wenn nicht alles.

Zufrieden mit dieser Erkenntnis wendete ich mich weiter der Betrachtung der vorbei gleitenden Landschaft aus Birken, Kiefern und einigen Fichten zu. Wald und Wasser, das macht Finnland aus!
Nun kam Markus auf die Details der Insel zu sprechen, die langsam am Horizont sichtbar wurde. Diese schwamm nämlich auf dem Wasser und bewegte sich im Laufe des Jahres auf dem See vor und zurück… na gut, dass ich meine neu erstandenen Gummistiefel anhatte…
Diese Insel sei mit einigen wenigen Birken bestanden, was in mir die Frage nach Deckung aufwarf, aber gerade dies schien Markus der Vorteil zu sein. Und da waren wir auch schon. Tatsächlich sank man beim Aussteigen aus dem Boot ein wenig in die Mischung aus Gras und Heide ein, wobei einem schon ein wenig mulmig wurde, aber schon nach wenigen Metern wurde es fester. Im ersten Grauen nahm der Finne lange Stangen und platzierte drei Hahnenattrappen in die kleinen, gerade einmal drei Meter großen Birkenbäumchen. An umgeknickten Spitzen konnte man erkennen, wo die kleinen Sänger schon einmal aufgebaumt hatten. Deckung war weit und breit nicht wirklich, so musste ich mich also auf meine Camo-Klamotten verlassen…
Plötzlich wurden wir von lautem Flügelschlagen von einer anderen kleinen Insel aufgeschreckt. Am sichelförmigen Stoß leicht zu erkennen strichen da fünf oder sechs schwarze Ritter ab. Entgegen Markus Vorhersage schienen also doch einige dieser Art am heutigen, wolkenverhangenen Morgen unterwegs zu sein, was ich als gut, der erfahrenere Kollege aber als schlecht beurteilte. Wir sollten sehen.

Flugs war Markus wieder ins Boot gesprungen, ruderte dieses in Deckung und baute sich selbst einen kleinen Stand mit zwei Attrappen am anderen Ende der Insel, vielleicht 70 m von mir weg, auf. Und schon erklang der zischende Locklaut in die weite des Finnischen Sees. Mal in kürzeren und längeren Abständen, mal weicher oder aggressiver sollten nahe Birkhähne herbeigelockt werden. Welch besondere, vorher nie erlebte Stimmung. Da saß ich da auf meinem Hocker-Rucksack auf einer schwimmenden Insel auf einem Finnischen See und wartete auf den kleinen Hahn. Eine solche Situation und Gelegenheit hätte ich mir noch vor kurzem nicht träumen lassen. Aber was passierte weiter?
In nicht weiter Ferne begannen Singschwäne zu trompeten. Die Wälder hallten wieder von ihrem traurigen Gesang und betonten noch das graue Wetter und die Gesamtstimmung. Welch Erleben. Nach einiger Zeit hob das Paar ab und strich elegant an uns vorbei um in der Ferne zu entschwinden. Nun hieß es, weiter warten, ob die Ritter sich zeigen würden. Und plötzlich ein pfeifendes Geräusch. Deutlich zu erkennen strichen da zwei Birkhähne an der Insel außer Schrotschussentfernung vorbei. Ein leises „gurrullu“ war alles, was man von ihnen vernahm. Offensichtlich hatten die beiden einvernehmlich beschlossen, das Eiland zu passieren, denn sie entschwanden in Richtung einiger großer Kiefern am Horizont. Irgendwie war ich aber auch gar nicht so recht auf Waidmannsheil am ersten Morgen eingestellt. Einfach beobachten und alles in mich aufnehmen wollte ich… wunderbar.

Viel zu schnell ging die Zeit bis neun Uhr vorbei und so richtig kalt war mir, wohl auch ob der vielschichtigen Bekleidung nicht geworden. Aber schon sah ich Markus die Attrappen abbauen und zum See stapfen. Schnell beeilte auch ich mich, die Flinte zu entladen und die Pappkameraden einzusammeln. Schließlich sah ich mich nicht als typischer Jagdgast sondern als Mitjäger.
Genauso bedächtig wie vorher machten wir uns nun auch auf den Rückweg. Langsam glitten wir von der Insel meines ersten Finnischen Jagderlebnisses weg… in hoffentlich noch viele Finnische Jagdabenteuer!
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swinging_elvis

swinging_elvis

Alter: 45 Jahre,
aus Dubai
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Kommentare

15.10.2008 10:22 2309udo
Schön geschrieben,
wann gehts weiter?
15.10.2008 19:13 swinging_elvis
2309udo schrieb:

Schön geschrieben,
wann gehts weiter?


... mit ein wenig Glück schon Ende Oktober... da sind noch die Hahnen auf... Waidmannsgruß, elvis
15.10.2008 20:05 Renevolution81
Mann, klasse Erlebnis auch ohne WMH- erlebt man nicht alle Tage! Wieder ein neues Kapitel in unserem gemeinsamen Buch Projekt
Mach weiter so,
Grüße René
15.10.2008 21:27 swinging_elvis
Renevolution81 schrieb:

Mann, klasse Erlebnis auch ohne WMH- erlebt man nicht alle Tage! Wieder ein neues Kapitel in unserem gemeinsamen Buch Projekt
Mach weiter so,
Grüße René




Ein Bild mit einem erlegten Birhahn wäre natürlich der Gipfel der Genüsse
Als"Halbfinne" werde ich dann nur nicht wissen, ob ich ihn ausstopfen lassen soll oder er am Abend im Mökki (Finnische Sommerhütte) auf dem Gasherd in der Pfanne brutzelt... Meine Haapana (Pfeifente) lieferte jedenfalls feine Brüste, die heute Abend mit Zwiebeln in der Pfanne landeten... auf Finnbroed echt lecker... Da weiß man, warum man jagd ... elvis
16.10.2008 07:36 kleineJagdfee
Elvis, daß war ja entenpellenfeeling...........danke fürs Aufschreiben und dran teilhaben lassen.

Gruß kJf
17.10.2008 11:34 swinging_elvis
kleineJagdfee schrieb:

Elvis, daß war ja entenpellenfeeling...........danke fürs Aufschreiben und dran teilhaben lassen.

Gruß kJf


Danke, bleibe am Ball... e.
19.09.2009 20:21 swinging_elvis
2309udo schrieb:
Schön geschrieben,
wann gehts weiter?

Es ist weitergegangen... jetzt... ein Jahr später => siehe Block , elvis
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