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Saufänge

(1 Eintrag)

1077 mal angesehen
21.08.2008, 18.16 Uhr

Allgemeines über Saufänge

6 Allgemeine Beschreibung von Saufängen

Die Errichtung eines Saufanges ist nach, § 19, Ziff. 7 BJagdG grundsätzlich verboten, kann
aber genehmigt werden. Daher ist ein Antrag auf Genehmigung zur Errichtung eines Saufanges
bei der unteren Jagdbehörde des Plangebietes zu stellen.

6.1 Verschiedene Arten von Saufängen

BRIEDERMANN (1986) beschreibt verschiedene Arten von Saufängen: Großfänge, Kleinfänge
und Kleinstfänge.

6.1.1 Großfänge

Großfänge sind eingezäunte Wildwiesen, die eine Größe von 0,25 ha bis 1 ha haben. In Ihrem
inneren haben sie zusätzlich eine Fütterung. Die Tore werden durch einen Beobachter manuell
per Hand geschlossen. Der Vorteil dieser Fanganlagen besteht darin, dass neben Schwarzwild
auch andere Wildarten, vornehmlich Rot- und Damwild gefangen werden können (BRIEDERMANN
1986). Der Nachteil liegt in den enormen Kosten und dem hohen Aufwand, der bei der
Errichtung entsteht. Außerdem sind sie nicht mobil und müssen, um ökonomisch zu sein, über
einen langen Zeitraum genutzt werden.

6.1.2 Kleinfänge

Kleinfänge sind nach BRIEDERMANN (1986) Fanganlagen, die einen mehrere Quadratmeter
großen Raum umschließen, an den sich ein oder mehrere Fangkästen anschließen. Genannt
werden verschiedene Arten. Der Schwarzwildfang nach KOSLO (1973), beschrieben aus
BRIEDERMANN (1986), hat die Form eines Trapezes. Die Schmalseite ist 4 m lang und enthält
die Falltür. Die Seitenwände haben eine Länge von 8 m. Die Rückseite ist 6m lang, in ihr befindet
sich die Abfangvorrichtung. Die Höhe des Fanges beträgt 2,5 m, Alle Seiten sind aus
Quergenagelten Nadelholzstangen gefertigt, die etwa 2 cm bis 3 cm Zwischenräume bilden.
Der Fang wird mechanisch durch eine berührungsempfindliche Auslösung durch das Wild
selbst verschlossen.
Der mehrkammerige Schwarzwildfang, beschrieben von STUBBE (1982) in BRIEDERMANN
(1986), hat ebenfalls eine Trapezform und ist an der Schmalseite mit einem Falltor von etwa
2,30 m breite versehen. Es werden zwei Materialvarianten empfohlen. Soll die Falle stationär
betrieben werden, wird ein mit Maschendraht bespanntes Rahmenwerk genannt. Wird der
Fang mobil genutzt, kommen massive Zaunfelder in den Massen 1,25 m x 2,30 m zum Einsatz,
die an einen Eisenrahmen geschraubt oder gehängt werden. Hier erfolgt die Auslösung
durch das Wild selbst, oder durch Fernauslösung eines Beobachters. An der Hinterfront befinden
sich auf jeder Seite zwei Auffangkisten in den Maßen 2,0 m x 0,7 m x 1,0 m, die auf
jeder Seite eine Falltür haben. Sie sind in der Mitte mit einem Durchlaufauslöser versehen.
Während des Fanges stehen die Falltüren offen. Schließt sich das Hauptfangtor hinter den
Sauen, versuchen sie durch die Auffangkisten zu flüchten und werden durch Auslösen der
Falltüren separiert. Die Gefahr besteht hier darin, dass sich mehrere Sauen in einem Auffangkasten
fangen und sich gegenseitig verletzen.

6.1.3 Kleinstfänge

Das Institut für Wildtierforschung (IWFo) an der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
verwendete für ein Forschungsprojekt Kleinstfänge in den Maßen ca. 3,0 m x 1,20 m x 1,30
m. Sie sind aus Winkeleisen und Baustahlmatten geschweißt.
Der Fußboden ist mit Fichtenbrettern ausgelegt. An der Vorderseite befindet sich ein Falltor,
das durch Berührung einer Maurerschnur am hinteren Ende der Falle nach unten fällt. Die
Auslösung erfolgt über eine oben mittig montierte Rattenfalle, die durch eine weitere Maurerschnur
mit dem Haltehaken des Falltores verbunden ist.
Mit diesen Fallen wurden in dem
Zeitraum von 1997 bis 2005 über 350 Sauen gefangen und zum Teil markiert und besendert.
Die höchsten Einzelfänge lagen in einer Nacht zwischen 16 und 18 Frischlingen, wobei sich
einige Sauen auch innerhalb weniger Tage mehrfach fingen.

6.2 Fangtor

Um das Wild sicher zu fangen, benötigt man ein schnell schließendes Fangtor. Hierbei kommen
zwei Varianten in Betracht: ein Schwingtor oder ein Falltor. Ausgelöst werden beide durch ein Fangschloss.
Mit Schwingtoren wurden schlechte Erfahrungen gemacht. Die Tore fallen für Schwarzwild
zu langsam und es kommt häufig zu Fehlfängen. Die Startgeschwindigkeit der Sauen ist so
hoch, dass sie beim ersten Geräusch des fallenden Tores dies bereits erreicht haben bevor es
geschlossen ist. Dadurch gelingt es ganzen Rotten, aus der Falle zu flüchten (STUBBE et al.
1995).
Besser ist die Verwendung eines Falltores. Auch bei Selbstauslösung durch die Sauen kommt
es nicht zu Verletzung oder Todesfällen durch das hinab fallende Tor (STUBBE et al. 1995).
Die Auslösung erfolgt bei beiden Varianten durch eine Selbstauslösung oder eine Handauslösung.
Bei der Selbstauslösung fällt das Tor durch die Berührung eines Fadens oder Drahtes
durch die Sauen. Die Arretierung des Tores wird gelöst und dieses fällt nach unten.
Die Handauslösung erfolgt durch einen Beobachter, der in ca. 50 m Entfernung auf einem
Hochsitz ansitzt. Befindet sich ein Großteil der Rotte oder die gewünschten Stücke in der Falle,
kann der Beobachter durch einen Seilzug die Falle schließen. Der Vorteil liegt hier in der
Selektivität des Fanges und der verminderten Gefahr, dass sich eine Sau während der Auslösung
unter dem Tor befindet. Außerdem löst die Falle nicht bei falschem Wild oder durch
Vogelberührungen aus. Nachteilig ist der personelle Aufwand und die Tatsache, dass die Fänge
meist nachts, oder bei schlechter Witterung stattfinden (Regen, Schnee, Kälte…). STUBBE
et al. (1995) geben an, dass fast mit Sicherheit voraussagbar sei, das Sauen bei Regenwetter
am Fang seien und sich leicht fangen ließen. Außer zum Fang sind die Tore zu sichern. Das
Betreten des Fanges durch ein ungesichertes Fangtor ist verboten (ANONYMUS 1999).

6.4 Behandlung der gefangenen Sauen

Zur Handhabung gefangener Frischlinge sind mindestens zwei Personen erforderlich. Diese
müssen zuverlässig und im Umgang mit Schwarzwild erfahren sein. Es muss festes Schuhwerk
und Schutzkleidung getragen werden (ANONYMUS 1999).

6.4.1 Euthanasie

Eine Möglichkeit des Tötens der gefangenen Sauen stellt die Euthanasie mittels Narkosegewehr
da. Da das Fleisch eines unmittelbar vor der Tötung mit Medikamenten behandelten
Wildschweins nicht mehr als Lebensmittel tauglich ist (§ 17, Nr. 3; Anlage 1, Kap III, Nr. 2
VO über die hygienischen Anforderungen und amtlichen Untersuchungen beim Verkehr mit
Fleisch), muss, bei gewünschter Verwertung des Wildbrets, eine andere Tötungsmethode angewendet
werden. Es ist ethisch nicht zu vertreten, die gefangenen Sauen einfach zu verwerfen.

6.4.2 Durchströmung

Eine Tötung mittels einer elektrischen Durchströmung, wie sie bei Hausschweinen angewandt,
ist nicht durchführbar. Fanganlagen für Schwarzwild befinden sich in nicht erschlossenem
Gelände, in dem eine Stromversorgung nicht gegeben ist.

6.4.3 Bolzenschussapparat und Blutentzug
Alternativ kommt die Tötung per Bolzenschussapparat und Blutentzug in Betracht. Zur Vorbereitung der Betäubung müssen die Tiere in eine solche Stellung gebracht werden, dass der
Bolzenschussapparat ohne Schwierigkeiten, genau und so lange wie nötig angesetzt werden
kann (§ 12 Abs. 1 Satz 1 TierSchlV). Beim Bolzenschuss müssen das Gerät so angesetzt und
die Größe sowie die Auftreffenergie des Bolzens so bemessen sein, dass der Bolzen mit Sicherheit
in das Gehirn eindringt. (Teil II, Anlage 3 TierSchlV).
Nach dem Betäuben muss sofort mit dem Entbluten begonnen werden. Das Tier muss entbluten, solange es empfindungs- und wahrnehmungsunfähig ist. Bei warmblütigen Tieren muss dafür gesorgt werden, dass durch Eröffnen mindestens einer Halsschlagader oder des entsprechenden Hauptblutgefäßes sofort ein starker Blutverlust eintritt (§ 13 Abs. 3 TierSchlV).
Nach Anlage 2 TierSchlV beträgt die Höchstdauer zwischen Betäubung und Entblutungsschnitt
bei anderen Tieren außer Rindern, Schafen und Ziegen 20 Sekunden. Das Schlachtpersonal,
welches die Bolzenschussbetäubung ausführt, muss über die hierfür notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen. Diese müssen in Deutschland durch eine Sachkundebescheinigung nachgewiesen werden (§ 4 TierSchlV). Die den Saufang betreuende Person hat sich daher einer Sachkundeprüfung zu unterziehen. Alternativ könnte ein Schlachter oder eine andere kundige Person bestellt werden, die die Tötung vornimmt.
Die gefangenen Sauen müssen demnach einzeln separiert werden. Hierzu wird eine Abfangvorrichtung an den Falleneingang oder einen separaten Ausgang gestellt und fixiert. Nach
Öffnung des Tores flüchten die Sauen in diesen scheinbaren Ausweg. Hinter dem Tier wird
nun das Tor wieder geschlossen. Anschließend wird die Sau durch eingesteckte horizontale
Stangen und einer seitlichen Fixierung ruhig gestellt. Um panikartige Reaktionen der im Fang
verbleibenden Stücke zu vermeiden, sollte der Abfangkasten außer Sicht- und Hörweite der
restlichen gefangenen Sauen gebracht werden. Durch eine Öffnung über dem Kopfbereich
kann nun der Bolzenschussapparat angewendet werden. Danach muss das Tier der Abfangvorrichtung entnommen und der Entblutungsschnitt durchgeführt werden.

6.4.4 Kugelschuss

Eine andere Variante des Tötens ist der Kugelschuss.
Dabei wird ein Kugelschuss auf Kopf oder Hals des Tieres abgegeben. Nach TierSchlV, Anlage
3, Teil II, muss dass Projektil über eine solche Auftreffenergie verfügen, dass das Tier
sofort betäubt und getötet wird. Gatterwild darf nur mit Büchsenpatronen von mindestens
6,5mm (…) getötet werden. Abweichend dazu allerdings darf Dammwild, (…),
auch mit Büchsenpatronen mit einem Kaliber von mindestens 5,6 mm (…) getötet werden.
Dies wäre eine Munition ab Kaliber 22. lr.
Da es sich beim Fangen von Wild um Jagdausübung handelt (§ 1, Abs. 4, BJagdG), ist die
Verwendung der oben genannten Methoden der Tötung ohne Ausnahmegenehmigung nicht
gestattet. Genehmigende Stelle ist die Untere Jagdbehörde. Da normalerweise nur Frischlinge
gefangen werden, ist davon auszugehen, dass diese Stücke ein Körpergewicht bis maximal 35
kg (aufgebrochen) haben. Bei Sauen dieser Größe ist mit der oben genannten Munition eine
ausreichende Wirkung zu erwarten. Wird diese Genehmigung erteilt, scheint der Schuss mit
kleinkalibriger Munition auf den Kopf der fixierten Sau die stressfreiste und schnellste Lösung
zu sein, und wird auch so in der Literatur empfohlen (STUBBE et al. 1995), (MENZEL
2003), (mündl. Mitt. GROß 2007).
Bei dieser Jagdmethode handelt es sich um Fangjagd, daher kommt auch der Fangschuss mit
Pistole oder Revolver in Betracht, wenn die Mündungsenergie mindestens 200 Joule beträgt
(§ 19, Abs. 2, d, BJagdG), (ANONYMUS 1999).
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Heidefoerster

Heidefoerster

Alter: 36 Jahre,
aus der Heide
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