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Meine Jagderlebnisse

(5 Einträge)

mhm gerste
542 mal angesehen
18.08.2008, 12.47 Uhr

Begegnung mit einer Sau

Heute würden wie länger sitzen bleiben.
Die Sauen waren im Mais und in der Gerste, der Schaden ist deutlich sichtbar, am Feldrand liegen umgeknickte Maispflanzen und in der Gerste sind große niedergetrampelte Platten zu erkennen.
Ich sitze geschützt durch Randbäume direkt am Mais.
Gleich daneben zieht sich ein schmaler Acker auf dem nur noch Stoppeln stehen einige hundert Meter am Mais entlang.
Ein Steinwurf entfernt beginnt die Gerste.
Ich habe es mir gemütlich gemacht, eine Decke liegt neben mir. Heute Nacht soll es kühl werden.
In der beginnenden Dämmerung erkenne ich am Waldrand überhalb des Gerstenfelds ein Rehhaupt.
Vorsichtig sichert es in alle Richtungen, ehe es gefolgt von einem kräftigen Kitz den Schutz des Waldes verlässt.
Dann ist die Bühne wieder leer.
Die Sonne ist mittlerweile fast verschwunden, in den Bäumen im Osten erkennt man den roten Schimmer des aufgehenden Mondes. Eine unglaublich geladene Stimmung herrscht über den Feldern und Wäldern, es scheint als ob alles darauf wartet bis die Sonne ganz verschwunden ist und der Mond seine volle Pracht zeigt. Dann wird hier das Leben beginnen, so hoffe ich jedenfalls.
Es ist heute Nacht sehr hell und keine Windchen weht. Vom Tal ziehen weisse Nebelschwaden langsam die Hänge nach oben, leuchtend im stärker werdenden Mondlicht.
Ganz ruhig sitze ich, geniese diese Momente der absoluten Stille. Kein Vogel singt mehr.
In der Weite des Waldes erschallt plötzlich der Ruf des Kautzes, weit hallt er über das Land. Immer und immer wieder klingt er zwischen den Bäumen hindurch.
Doch es rührt sich nichts, bis auf eine Eule die lautlos aus dem Wald schwebt, eine große Runde dreht und wieder von den Bäumen verschluckt wird.
Plötzlich vernehme ich ein Knacken. Es ist noch weit entfernt, aber deutlich hört man wie es näher kommt, direkt von hinten auf mich zu. Immer lauter und immer deutlicher hört man wie Äste zerbrechen und wie Blätter rascheln.
Jetzt ruft auch kein Kautz mehr, es ist kein Geräusch in der Luft. Absolute Stille. Vom Dorf im Tal klingt zwei Mal eine Glocke. Wenn mich nicht alles täuscht ist es halb elf, der Mond scheint mir ins Gesicht und die Stille schien wie an einem seidenen Faden zu hängen, jederzeit muss wieder das Ästeknacken zu vernehmen sein.
Und da ist es wieder, lauter denn zuvor höre ich wie etwas hinter mir hin und herzieht, immer im Schutz des Waldes das Randgehölz rauf und runter.
Langsam nehme ich die Waffe in die Hand. Da kommt es wieder und das Geräusch ist nicht mehr irgendwo, nein es ist direkt unter dem Sitz. Und in dem Moment sehe ich sie. Keine fünf Meter neben mir bricht die Sau durch das Randgehölz auf das Stoppelfeld heraus, immer im raschen Trab bewegt sie sich der Gerste entgegen. Ich bin gespannt bis in die Fingerspitzen, die Waffe ist im Anschlag, mein Blick geht durch das Zielfernrohr. Entsichert habe ich, ich warte einen günstigen Moment ab. Fünfzig Meter trabt die Sau an der Gerste entlang, biegt ab und nun sehe ich nur noch den Rücken aus der Gerste schauen. Sie kommt zurück und streckt ihr Haupt aus dem Getreide, versucht Wind zu bekommen. Deutlich sehe ich wie sich die Teller drehen, doch ich mache kein Geräusch.
Dann ist der Spuk vorbei, die Sau verschwindet im Unterholz.
Von der Größe her ein Überläufer, vielleicht vierzig Kilo. Ich war drauf. Aber ich habe nicht geschossen. Hätte sie am Feldrand verhofft, hätte ich sie strecken können, aber sie blieb in Bewegung.

Viele werden jetzt sagen, mitziehen und drauf.
Wäre sicherlich möglich gewesen. Aber als unerfahrener Jungjäger? Noch nie eine Sau geschossen, und dann gleich im Trab?

Es ist kühl geworden und eingehüllt in meiner Decke warte ich weiter, vielleicht kommt die Sau ja noch einmal zurück...


Mein Jagdherr klopfte mir später auf die Schulter und meinte ich habe richtig gehandelt, wenn ich mir nicht sicher bin bleibt die Kugel im Lauf.

Welch ein aufregender Ansitz.

Gruß Jan
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Geschrieben von

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Lakai

Lakai

Alter: 26 Jahre,
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Kommentare

18.08.2008 14:09 Semmelkneter
weidmanns heil zu dem erlebnis, der geschichte und vor allem zu der richtigen entscheidung!
18.08.2008 16:06 Kuhbett
kenn die situation! habe letztes jahr auch einige sauen ziehen lassen, bei denen ich mir unsicher war. mach weiter so! dann machst du wenigstens nix falsch. die routine kommt noch.
Gruß Tim
18.08.2008 19:11 Renevolution81
Schöne Geschichte Du wirst sehen, dass Dein kontrolliertes Handeln irgendwann Früchte trägt- und dann passt alles zu 100%
Waidmannsheil und Gruß,
René
18.08.2008 22:33 Hirschmann
Wunderschön geschrieben! Danke dafür!

Auch Respekt dafür, dass Du lieber den Finger gerade gelassen hast, weil Du es Dir in der Situation nicht zugetraut hast.

Auch wenn wir hier in Sachsen den Schuss auf den laufenden ÜL-Keiler als Prüfungspflich haben, ist der Schuß auf die lebende Kreatur doch etwas anderes. Du wirst sehen, mit etwas Routine gelingen Dir dann auch solche Schüsse.

WMH
HM
20.08.2008 20:45 swinging_elvis
Ja eine sehr schöne Erzählung, Lakai, Hut ab, Respekt, sehr gut geschrieben (nicht selbstverständlich) und von daher zu lesen wie ein gutes Buch
Meiner Meinung nach sollte dieser Respekt vor der Kreatur in jedem Waidmann wachsen. Sicher kann man mit viel Praxis auch schneller und trotzdem waidmännisch handeln... aber eben nur, wenn man sich sicher ist!

Letztes Wochenende saß ich auf einer offenen Leiter und hörte plötzlich bei gutem Licht und fast Windstille ein Stück Wild näher ziehen. Mein erster Blick fiel durch das Blättergewirr auf eine "blonde" Decke/Schwarte (Rot-, Reh- und Schwarzwild im Revier). Direkt die Waffe in die Hand, da ich ahnte, es müsse ggf. schnell gehen. Im Anschlag konnte ich dann einen einzelgehenden Überlaufer erkennen. Mein Versuch, GENAU anzusprechen, also Keilerchen oder Bache, schlug ob der Blätter fehl. Im Absehen sah ich auf 15 m das Stück recht schlecht und mit der grünen Farbe der Blätter gefleckt...
Die Spannung war unbeschreiblich, aber es dauerte alles nur wenige Sekunden... dann warf das Stück auf, schien zu überlegen und zeigte mir von da an nur noch Pürzel und Keulen (von denen ich mir sicherlich gerne das ein oder andere Stück auf den Grill gelegt hätte).
Also, die Kugel blieb im Lauf, weil ich mir nicht sicher war...

Waidmannsheil, elvis
20.08.2008 20:56 Lakai
Danke für das Lob, ich streng mich an.

Ein Jagdkamerad sagt immer, Jagd ist Erfahrung.
Wenn ich in ein paar Jahren die Situation vielleicht wieder erleben werde, wird sie eventuell anders ausgehen.
Bis da hin hab ich noch viel zu lernen und hoffe dass ich meine Sache gut und so wenig Fehler wie möglich mache, die auf Kosten dieser wunderbaren Kreaturen gehen, in Form von Schmerz und Leid.

Waidmannsheil und Horrido,

Jan
20.08.2008 21:38 swinging_elvis
Ein ältere Jagdfreund meinte einmal zu mir, ein Jäger, der noch nicht vorbei geschossen hat, hat nicht viel gejagt. Leider mußte ich dass schon bestätigen. Ein umsichtiger Umgang mit dem Wild beugt immerhin vor.

Außerdem sind solche Situationen - nicht geschossen - für mich elementarer Bestandteil der Jagd. Man hat das Wild beobachtet und nicht gleich erlegt... somit von seinem Verhalten gelernt... und kann so schön darüber nachsinnen: Was hätte ich nicht alles anders machen können!"
Waidmannsgruß, elvis
21.08.2008 14:29 Hirschmann
In dem Moment, als ich das erste mal mit Absicht nicht geschossen hatte, weil ich mir sagte, dieses Kalb ist zu kräftig, vielleicht kommt ja noch ein schwächeres, begriff ich, was "Jäger sein" bedeutet und welche Verantwortung auf einem Ruht.
28.08.2008 14:38 kleineJagdfee
Eine wunderschöne Geschichte, jan. Sehr gut geschrieben und ich klopf Dir symbolisch auf die Schulter......... für die Kugel im Lauf gelassen.

Gruß kJf
29.08.2008 22:54 jungjaegerin
Super schöne geschichte! war die richtige entscheidung nicht zu schiessen!
vielleicht klappts das nächste mal!:)

waidmannsheil jungjägerin
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