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Ein ganz normales Heiderevier....

Geschichten und Erlebnisse (21 Einträge)

Nach getaner Arbeit... Folgen einer Kollision mit einem Fahrzeug... Ort des Geschehens
598 mal angesehen
30.07.2008, 13.28 Uhr

Vor dem Hunde...

Als mittags das Telefon klingelte, ärgerte ich mich gerade über die Ingnoranz von Aikon, der im Forum die Geltung des Tierschutzgesetzes auch für Jäger nicht wahrhaben wollte.

"Hier ist Brigitte H., eben rief Heiner an, an der neuen Straße zum Mun-Depot würde ein laufkrankes Reh auf dem Stoppel stehen. Kannst du Dich drum kümmern?"
Klar, und ob ich kann, schließlich habe ich Urlaub.

In Windeseile suchte ich meinen Backbeermus zusammen, rief Atz' meinen Hund, ohne den ich bei solchen Gelegenheiten selten das Haus verlasse, und schon fünf Minuten später waren wir am angegebenen Ort. Von einem kranken Reh war aber weit und breit nichts zu sehen. Scheibenkleister...

Langsam fuhr ich die angrenzenden Straßen ab und leuchtete mit dem Feldstecher über die Schläge. Zahlreiche Landwirte waren mit Erntearbeiten beschäftigt, ob sie wohl etwas gesehen hatten?

Irgendwie konnte ich mir nicht vorstellen, dass sich das kranke Reh auf dem von Brigitte beschriebenen Stoppel finden sollte. Zum einen ist auf der nur für landwirtschaftliche Fahrzeuge zugelassenen Straße kaum Verkehr, zum anderen steht hier auch nur selten Rehwild. Allerdings liegt einer der Unfallschwerpunkte unseres Reviers unweit davon an der vielbefahrenen Landstraße; den sollte ich unbedingt noch kontrollieren.

Beim Blick durch das Glas meinte ich mittig auf dem dortigen Stoppel 2 Lauscher zu erkennen, also zunächst mal näher ran. Die Lauscher entpuppten sich als die eines Reh's. Es lag mit wankendem Haupt mitten auf dem großen Schlag. Ein gesundes Reh würde sich hier kaum niedergetan haben und das wankende Haupt kennzeichnet nicht selten ein schwerkrankes Stück. Das mußte es sein...

Noch unschlüssig, wie ich es angehen sollte, schätzte ich die Möglichkeiten ein. Auf der einen Seite eine vielbefahrene Straße, auf der anderen Seite Erntearbeiten mit zahlreichen Erntehelfern und an wiederum anderer Seite Wohnbebauung. Mit der Waffe ging das eigentlich garnicht...

Das kranke Stück, welches ich als weiblich ansprechen konnte, hatte sich so in den Schlag gelegt, dass sich von jeder Seite mindestens eine Schußentfernung von 120 Meter ergab. Auf diese Entfernung ist das Haupt - mehr war nicht zu sehen - ein verdammt kleines Ziel, wobei der Gefährdungsbereich bei einem flachen Schuß auf den Weizenstoppel unkalkulierbar wäre. Ich umschlug den gesamten Schlag, probierte verschiedene Schußpositionen, ohne mich jedoch entschließen zu können - alles zu riskant. Ich mußte näher ran.

Das allerdings mochte das Stück vielleicht nicht aushalten und bei den o.g. Risiken auf das möglicherweise flüchtige Stück hinterher zu schießen, schied aus Sicherheitsgründen ebenfalls aus. Hier war guter Rat teuer.

Neben mir hatte Atze schon gepeilt, worum es ging. Nachdem er mich mehrfach beobachtet hatte, wie ich probehalber in Anschlag ging, fiepte er schon erregt leise vor sich hin. "Ja mein Lieber, ich glaube, die Sache mußt Du richten..."

Nach einem erneuten Stellungswechsel hielt ich unter Wind am Straßenrand, warf die BBF über und nahm den Hund an die Leine. Sehen konnte er noch nichts - er mußte erst Wind bekommen.

Noch während ich das Stück für optimalen Wind umschlug, nahm es sich plötzlich auf und stand wankend auf 3 Läufen - schwerkank, eindeutig! Ich glaube nicht einmal, dass es uns schon mitbekommen hatte, vielmehr tat es sich erneut nieder, blickte aber in die andere Richtung. Zum Schießen war leider nicht genügend Zeit.

Geduckt pirschte ich mich vorsichtig näher heran. Atze hob schon die Nase. Wir waren auf dem flachen Acker auf ca. 80 m heran. Mehr sollte ich wohl nicht riskieren, sonst konnte es sein, dass das Reh in die Deckung abspringt, bevor ich den Hund abgekoppelt habe und er dran ist.

Somit streifte ich die Halsung herunter. Atze schaute mich noch einmal an, als wollte er fragen: " Soll ich wirklich?" Mittels Handzeichen wies ich ihm noch einmal die Richtung und schickte ihn voran. Zunächst verhalten, dann aber immer schneller werdend, stürmte er der Krank-Witterung entgegen, bis schließlich das Reh vor ihm hoch wurde. Erstaunlich, was so ein krankes Stück noch einmal für Kräfte mobilisiert. Das Ziel vor Augen gab aber auch mein Atz' alles und packte das Stück in voller Fahrt am Hinterlauf und riß es runter. Laut klagend machte sich das Reh aber wieder frei und schlug nach dem Hund, der unbarmherzig nachsetzte. Noch einmal zog er es zu Boden und noch einmal konnte es sich los machen.

Inzwischen hatte ich meine Waffe und den Pirschstock abgelegt und rannte mit dem Messer in der Hand auf das Geschehen zu. Endlich war es ihm inzwischen gelungen, das Stück zu binden. Nur wenig später war ich dann auch heran und fing es mit der kalten Klinge ab.

Nur mit Mühe konnte ich Atze überzeugen, nunmehr loszulassen. Die Tritte mit den scharfen Hinterschalen hatten ihn doch erheblich "verärgert". Zum Glück war er dabei aber nicht verletzt worden.

Vor mir lag ein Schmalreh, welches offenbar infolge eines Verkehrsunfalls erhebliche Verletzungen an der Hinterhand davongetragen hatte. Gott sei Dank war es nun aber erlöst.

Aus dem Augenwinkel sah ich neben meinen Fahrzeug einen dunklen Van stehen. Die Insassen hatten die dramatischen Ereignisse offenbar von der Straße beobachtet. Da würde ich wohl etwas erklären müssen... Doch noch bevor ich zurück am Wagen war, setzte der Van seine Fahrt fort. Hatte sich vermutlich erledigt.

Nun mußte ich erst einmal eine Wildwanne holen, denn die hatte ich bei meinem eiligen Aufbruch stehen lassen. Das Schmalreh ließ ich auf dem Stoppel, wo es war, und fuhr zunächst nach Hause - nicht ohne allerdings meinen Jagdhelfer zuvor ordentlich saufen zu lassen. Solche "Kampfhandlungen" kosten regelmäßig unheimlich viel Kraft - gerade bei den heutigen Temperaturen von ca. 32° C im Schatten.

Als ich jedoch nach ca. 20 Minuten zurückkehrte, glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen:

Mich erwartete eine kleiner Menschenauflauf und mitten drin - ein Polizeiwagen. Siedend heiss fiel mir ein, dass ich nicht einmal meinen Jagdschein eingesteckt hatte. Nun aber gab es kein zurück mehr. Ich versuchte mich selbstsicher zu geben: "Na, was ist denn hier los?"

Wie ich erfuhr, hatten die Insassen des Van die Polizei gerufen, weil sie ein Wildereidelikt vermuteten. Zugegebener maßen sah ich mit meinem bunten Freizeithemd eher wie ein Feriengast aus, als wie ein deutscher Jägersmann.

Ruck-zuck klärte sich dann aber alles auf. Die Polizisten nahmen zwar meine Personalien auf, nach dem Jagdschein oder anderen Ausweisen wurde ich aber nicht einmal mehr befragt. Die Van-Insassen entschuldigten sich zwar mehrfach, doch ich konnte sie beruhigen. Grundsätzlich hatten sie ja richtig gehandelt, denn wenn hier ein Hund wirklich ein gesundes Reh zu Tode gehetzt hätte, hätte ich mich schließlich über die Aufmerksamkeit solche Beobachter gefreut.
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Ruedemann

Ruedemann

Alter: 56 Jahre,
aus Nordheide
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Kommentare

30.07.2008 17:20 Jungjaeger9492
Gut gehandelt !!:)
Das ist ja nochmal gutgegangen :) !
30.07.2008 20:40 WaldFeldundWiesenmann



....suchte ich meinen Backbeermus zusammen, rief Atz' meinen.....


Was ist denn Backbeermus?

Ist das lecker?
30.07.2008 23:32 Ruedemann
WaldFeldundWiesenmann schrieb: ....suchte ich meinen Backbeermus zusammen, rief Atz' meinen.....

Was ist denn Backbeermus? Ist das lecker?


Wenn ich "Siebensachen" geschrieben hätte, würest Du dann fragen, welche "sieben"?
31.07.2008 05:28 WaldFeldundWiesenmann
Ruedemann schrieb:

Wenn ich "Siebensachen" geschrieben hätte, würest Du dann fragen, welche "sieben"?



Danke, hier in NRW kennt man diesen Ausdruck nicht.


WaiHei


Sascha
31.07.2008 11:55 orben76
Respekt für so viel Erfahrung, Ruhe und Weitsicht!

Beide Seiten, auch die Insassen des VAN, haben m.E. richtig gehandelt! Es wir eh viel zu viel weggeschaut...!
Lieber einmal zu viel der Vorsicht/Aufmerksamkeit als einmal zu wenig!

Gruß Torben
31.07.2008 13:22 Hirschmann
Weidmannsheil! Toll erzählt!

Ruedemann schrieb:
Erstaunlich, was so ein krankes Stück noch einmal für Kräfte mobilisiert.


Mit mir (ich lag obenauf) ist mal ein Schmalspiesser beim Abfangen beim Abfangen aufgestanden (Situationsbedingt konnte ich nicht schiessen). Linker Vorderlauf und rechter hinterlauf waren durchgeschossen (net von mir!). Da weißt du, was Adrenalin bewirken kann.

Gruß
HM
31.07.2008 17:50 Ruedemann
orben76 schrieb: ...Es wir eh viel zu viel weggeschaut...!
... Gruß Torben


Recht hast Du !!
03.08.2008 09:21 swinging_elvis
Auch von mir Respekt zu Deinem überlegten und entschlossenen Handeln. Gerade Entschlossenheit ist hier meiner Meinung nach von Nöten, denn ein krankes Stück mit der kalten Waffe abzufangen ist etwas anderes, als es auf 100 m zu erlegen. Also Waidmannsheil, elvis
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