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Morgenstund'

(1 Eintrag)

Feistzeit 2005 Feistzeit 2005
285 mal angesehen
04.07.2008, 20.34 Uhr

Morgenstund'

"So früh?" meinte mein Jagdkollege Rainer. Neee, da sei er noch im Bett und pirsche lieber ab 05:30 Uhr durchs Revier. Ich aber wollte noch im Dunkeln und vor dem Erwachen der Vögel auf dem Posten sein. Und so ging mein Wecker für dieses Wochenende um 03:30 Uhr. Ohne nachmittags mal kurz auf Ohr hauen ging da natürlich nichts.
Es war Anfang Juni, die Wiesen waren noch nicht gemäht und die Nächte waren kurz. Ein Feistbock wollte mir an diesem Wochenende aber nicht zur Beute werden. Die Herren wurden heimlicher. Und so nahte einmal mehr der spannende Sonntagmorgen.

Gegen alle Regeln beschloss ich, den Hochsitz auf einer Wiese direkt vor einem größeren Waldstück aufzusuchen. Hier war zu erwarten, dass Rehe draußen stehen würden. Da ich aber hier zum einen schwachen Jährling bestätigt hatte und zum anderen einen stärkerer Bock anhand der Plätzstellen direkt unter der Leiter, wollte ich es versuchen.

Zwischen zwei Rapsfeldern hindurch pirschte ich also langsam um 03:50 Uhr Richtung Wiese. Kaum hatte ich diese betreten, als auch schon das Trommeln von Schalen meine Befürchtungen bestätigte. Wenig später dröhnte dann das Schmälen aus dem Wald. Klang weiblich! Rechterhand - na toll - fühlte sich anscheinend eine Freundin angesprochen und gab ebenfalls rülpsende Töne von sich. Das fing ja gut an - mehr bitte - !
Nach kurzem Abwarten betrat ich dann die Wiese und ging am Bach vorbei auf den Hochsitz zu. Da – „ böh böh böh“ ging das dritte Stück ab. Na Waidmannsheil!
Dass es schlimm werden würde hatte ich erwartet, aber so …

Jetzt konnten nur noch Diana und Hubertus im Bunde helfen. Also aufgebaumt und fertig gemacht. Mit dem Doppelglas versuchte ich, die graue Dämmerung zu durchdringen. DA – in einem Wiesenschlauch, der sich in den Wald hineinschlängelte war ein dunkler Fleck - vermutlich Reh. Tatsächlich! "Ricke" nahm ich an, denn das Stück äste intensiv und hob selten das Haupt, so wie es die momentan sehr energiebedürftigen Muttertiere tun. „Na - ich halt´s mal im Auge......“

Gegen 04:15 Uhr wurde das Stück plötzlich klein - es hatte sich, wie ich später feststellte, nieder getan. Dies war das erste Mal, dass ich meinte, schemenhaft etwas zwischen den Lauschern zu erkennen. BOCK? Mit dem Spektiv war erst gegen 04:30 Uhr zu erkennen, dass etwas Schwarzes zwischen den Lauschern war, aber was? Schauen, Spekulieren, Versuchen, was ist es? Wenig später konnte ich Vordersprossen ansprechen. Dran bleiben, dran bleiben...

Da erhob er sich und am Gebäude konnte man erkennen, dass es sich nicht um einen Jährling handelte, sondern um einen reifen Bock.
Angestrengt schaute ich durch das Spektiv... was genau hatte er auf? DA - nun sah ich Hintersprossen - und gar nicht mal so kleine...
Also los. Der Rucksack lag schon auf der Brüstung, aber - Auflage zu hoch - runter damit, die Büchse auf die Faust, rechter Ellenbogen aufgelegt, so passt´s. Ruhig visierte ich den Bock an, der jetzt halbspitz von mir weg gen Wald zog.

Würde es klappen? Ist Diana mir heute hold? Der Wald kam näher und näher und nicht selten hat man es in solchen Fällen erlebt, dass es das Reh plötzlich eilig hat und - weg! ... als sei ihm gerade etwas eingefallen...

Dran bleiben - da - vor einem überhängenden Busch bleibt er stehen, fegt, äst am jungen Grün der herabhängenden Zweige. Das Absehen Vier fährt den Ziemer entlang. Längst habe ich gespannt. Hochblatt anhaltend krümmte sich langsam der Drückfinger und RUMMMS ging ein Feuerstrahl raus in den noch frühen Morgen. Zeichnen? Abspringen? Nichts! Bühne leer. Kein Grashalm bewegte sich.

Und jetzt packte es mich. Raseln! „Zusammenreißen, in 10 min gehst Du an den Anschuss“. Aus den 10 wurden dann 15 ... ich wollte mir sicher sein.

Eine Ricke trat plötzlich auf den Plan und stakste am Anschuss herum, intensiv Witterung nehmend. Dies schien mir ein gutes Zeichen. Langsam schritt ich dann gegen kurz vor fünf durch die taunasse Wiese. "Welch ein Paradies für das Wild" ging es mir durch den Kopf. Die Schritte zählend kam ich langsam zum Anschuss und... NULL! Das kurze Aufwallen von Unsicherheit ließ sich aber leicht unterdrücken. Ich hatte das Gefühl, sauber abgekommen zu sein. Der genauere Blick brachte dann auch Sicherheit. Hellrot perlte der Lungenschweiß von den Grashalmen. Vermutlich war der Bock im Knall abgetaucht und unter den Busch in den Wald abgesprungen, aber weit konnte es nicht sein. Einen Einschlupf in den Fichtenwald suchend umschlug ich den Anschuss und plötzlich wieder dieses Trommeln von Schalen auf dem Waldboden - ein abspringendes Reh, aber das konnte nur die Ricke sein. Unter einen tief hängenden Ast durchtauchend sah ich ihn dann auch schon! Auf einer kleinen Anhöhe lag er wie auch dem Präsentierteller... mein erster starker Bock. Wie verzaubert trat ich an den Gefallenen heran, griff tastend in die Kronen, die Perlung, die Rosen... zufrieden, glücklich. Ich konnte es kaum fassen! Sachte zog ich meine Beute durch den Fichtenwald auf eine Wiese. Schwer wog die Last. Ein starkes Stück. Dort am Wegesrand wollte ich aufbrechen. Jetzt nur schnell den Wagen holen.

Wenig später hing der Edle sauber aufgebrochen an einer Randfichte und die ersten Sonnenstrahlen fielen auf seine rote Decke.
Ich hatte mein Klappstühlchen rausgeholt und sann nach über Glück und Unglück, Schicksal im Waidwerk, während der schwere Wildkörper auskühlte. Ein wunderbarer Tag begann...

WAIDMANNHEIL!

elvis
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swinging_elvis

swinging_elvis

Alter: 45 Jahre,
aus Dubai
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Kommentare

04.07.2008 20:53 harzbaer
Guter Bericht, toll erzählt.

Gruß
05.07.2008 09:14 Drahthaar2406
Ja Ja Morgenstund hat Gold im Mund.
Waidmannsheil auch von mir.

Gruß
05.07.2008 11:09 Meffi
Eine schön und stimmungsvoll erzählte Jagdgeschichte. Danke!

Herzliches Waidmannsheil zum Bock!

Gruß Meffi!
05.07.2008 15:50 platzi
Weidmannsheil
Nett erzählt.
***** Punkte

Diether
05.07.2008 16:08 swinging_elvis
Danke für die netten Kommentare... schreibe seit einiger Zeit, vielleicht lasse ich bald noch was los...
JETZT ALLE LAUT HILFEEEEEEEEEEEEEEEEE SCHREIEN Elvis
05.07.2008 22:39 peanuts
waidmannsheil
früh aufstehen is immer s.....
aber wenn man draussen is , genial
peanuts
06.07.2008 14:27 kipepeo
Prima Geschichte, tolles Erlebnis und ein sehr guter Bock! Waiheil!!
Sebastian
31.08.2010 20:57 luderbusch
Nochmals Weidmannsheil. Gut erzählt, tolles Erlebnis, ich wäre gerne dabei gewesen.

Wmh Luderbusch
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