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Tolle Drückjagd in Rumänien 19...

Wie ich zu einem Bärenabschuss kam... (1 Eintrag)

Der Bär und der junge Mann... Rumänischer Ur-Keiler 247kg aufgebrochen... Keiler 180kg aufgebroche...
1797 mal angesehen
08.06.2008, 18.14 Uhr

Das Jagderlebnis meines Lebens!

So, ich möchte hier mal über das Jagderlebnis meines Lebens berichten:
1998 sind wir über Beziehungen meines Vaters nach Rumänien (Medias, Siebenbürgen) gekommen. Er ist Förster und hatte nach dem Zusammenbruch des Eisernen Vorhangs einen "Patenförster" aus Rumänien zugeteilt bekommen. Virgil Bucha war mehrmals für mehrere Monate bei uns in Deutschland und wurde mit den Grundzügen deutscher Forstwirtschaft vertraut gemacht. Eine Einladung in sein Revier inkl. Drückjagdmöglichkeit war logische Folge der freundschaftlichen Verbindung der beiden Forstmänner und der Auftakt einiger unglaublicher Jagderlebnisse! Bilder 2 und 3 zeigen einige der kapitaleren Bassen. Wir (Mein Vater, zwei meiner Onkels, Walter und zwei weitere deutsche Mitjäger) wollten zunächst trotz Bitten des Jagdherrn keinen Bären erlegen. Wir hatten ja noch nicht mal einen in freier Wildbahn gesehen. Was zunächst unvorstellbar erschien rückte aber in die Nähe des Vorstellbaren, als wir von den nächtlichen "Angriffen" der Bären auf Hühnerställe, Schafherden und Mülltonnen in den Dörfern hörten. Offensichtlich hatte sich in der Sozi-Zeit der Bestand so rapide vergrößert (den Menschen waren Kugelwaffen zur Verteidigung ihres Hab und Guts verboten), dass die Bären auf diese leicht zu erschließenden Nahrungsquellen frech zurückgriffen. Als wir dann noch sahen, dass die Treiberwehr mit Strychnin vergiftete Fleischköder ausbrachte war für uns die Freigabe eines Bären erteilt...

Ich möchte aber nun von dem Jagdtag berichten, an dem der Wald um die Südhangdickung ungewöhnlich ruhig war und die Hundemeute keine Lust zeigte mit den Treibern das Treiben zu eröffnen. Wir wurden entlang einiger Erosionsrinnen im Hang mit offenem Buchenbestand verteilt. Ich war beim Anstellen oberhalb der Dickung der dritte von vier Schützen, Nummer zwei war mein Vater. Wir konnten uns aber gegenseitig nicht sehen. Das Treiben wurde in Richtung des Anstellens, unterhalb der Schützenkette begonnen. Zunächst blieb es ungewöhnlich ruhig, dann begannen aber plötzlich die Hunde Laut zu geben...eher ängstlich als jagdhitzig, so hatte ich das hier noch nie gehört! Die Hunde verstummten wieder und plötzlich donnerte die 8x68S meines Vaters durch den Buchenbestand...einmal, zweimal, dreimal! Dann vernahm ich hinter einer Kuppe eine Art Galoppgeräusch im Herbstlaub. Ich konnte mit diesem Geräusch zunächst nichts anfangen, bis in ca. 45m Entfernung ein Bär über der Kuppe erschien, Kurs direkt auf mich zu! Beeindruckend war die Tatsache, dass der Bär nach hinten äugte (er suchte nach der Quelle des Gedonners) und trotzem full speed auf mich zukam. Schlagartig fielen mir die Warnungen Virgils ein: Erschrecke nie einen Bären, treib ihn nie in die Enge und vor allem: Stell Dich ihm nie in den Weg wenn er flüchten will. "Bär ist periculos!" Erschrocken war er wahrscheinlich schon und ich stand ihm direkt im Weg! Ich hob den Repetierer Steyr-Mannlicher SSG im Kaliber .308, zielte so sorgfältig wie es mit 1,8 Promille Adrenalin im Blut eben ging und beschoss den Bären so ca. 30m vor mir. Auf meinen Schuß hin blieb der Bär unvermittelt stehen, bäumte sich auf und biss sich in den linken Oberarm. Ich nutzte die Gelegenheit und trug ihm einen zweiten Schuß auf die Kammer an. Die Reaktion des Bären war verblüffend! Er schaute sich auf den Schuß hin um und entdeckte mich beim Repetieren. Mit einem Blick aus tiefschwarzen Augen und gefletschten Zähnen stürzte er auf mich los. Gott sei Dank brach er nach dem ersten Satz auf seiner durchschossenen Vordertatze ein und gab mir beim Aufrappeln die Gelegenheit einen dritten Schuß anzubringen. Der nächste Satz endete ca. 15m vor mir ebenfalls auf der kaputten Vorderhand und ich hatte Gelegenheit im Rückwärtslaufen noch einmal zu repetieren. Doch diesesmal sah ich beim Aufrappeln des Bären hellroten Lungenschweiß beim Brüllen aus dem Fang spritzen. Es konnte sich also nur noch um einige Sekunden handeln, aber das könnte für einen oder zwei weitere Sätze zu mir reichen. Doch der Bär wankte plötzlich und als er einen kurzen Blick nach hinten wagte platzierte ich die vierte Kugel direkt unterhalb der Ohrmuschel. Das streckte ihn endgültig nieder...fast im selben Moment (kam mir zumindest so vor) versagten dann meine Beine ihren Dienst. Ich musste mich, den Bären noch fest hinter dem Absehen 1 unter Beobachtung, am Wurzelanlauf einer dicken Buche absetzen. Ich zitterte am ganzen Leib, mein Herz raste und ich dachte ich hätte einen Marathon hinter mir, so heftig musste ich Luft holen. So muss der Körper reagieren, wenn das Gehirn bemerkt: Es geht um alles! Beinahe genauso bleich wie ich gewesen sein musste kam plötzlich mein Vater über die Kuppe gesprungen, über die 20 Sekunden zuvor der Bär gesprungen kam. Nachdem wir uns verständigt hatten, daß es der Bär nicht bis zu mir geschafft hatte und ich unversehrt sei näherten wir uns vorsichtig. Aber er machte keinen Mucks mehr. Wir untersuchten den Bär und stellten fest, dass alle vier Schüsse auf dem Bären zu finden waren. Einen Schuß in die Vorderhand, zwei Blattschüsse ohne Wirbelsäulenverletzung und einen Kopfschuss. Vom 8x68-Gedonner konnten wir nur Holzsplitter im Pelz und zwei Streifschüsse an dicken Buchen finden...

Später am Jagdhaus wurde der Bär versorgt. Es handelte sich "lediglich" um ein weibliches, nicht führendes Exemplar mit ca. 190cm "Stehgröße" und ca. 100kg Lebendgewicht. Ich möchte mir nicht vorstellen, was passiert wäre, hätte ich das Ganze mit einem ausgewachsenen Männchen erlebt! An alle Bärenjäger der Zukunft: Nehmt die Warnungen und Hinweise der Jagdführer ernst! Bären sind wehrhaft und im Gefahrenfalle extrem aggressiv!

Eigentlich gehört so ein Erlebnis an´s Ende eines Jägerlebens. Aber alles in allem möchte ich dieses Jagderlebnis nicht missen. Es gehört zu den eindrücklichsten Erlebnissen überhaupt in meinem Leben! An dieser Stelle bedanke ich mich auch ausdrücklich bei meinem Vater und meinen Onkels, ohne die dieses Abenteuer nicht entstanden wäre.
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seneca

seneca

Alter: 44 Jahre,
aus Ludwigsburg
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Kommentare

08.06.2008 18:46 Biobauer
Beeindruckende Schilderung, Waidmannsheil.
Wobei ich vieleicht in Erwartung von Bären nicht mit der 308 loswäre. Aber ist ja gut ausgegangen.
08.06.2008 20:04 Bergkern
Waidmannsheil
Du solltest die Geschichte irgendwo veröffentlichen!
Habt ihr den Bären "gratis" erlegen dürfen ich habe von extremen Preisen (zB. Russland) gehört.
08.06.2008 22:45 OEJVLER
Diese Erzählung gehört vom DLV-Verlag veröffentlicht! Du hast das Zeug zum Jagdschriftsteller.

Einwandfreie Leistung! Davon kann man hier mehr lesen.
09.06.2008 09:14 Pirki
Was für eine Jagd !

Waidmannsheil Michi
09.06.2008 10:07 faehe81
Waidmannsheil zu deinem Bären!
Eine sehr beeindruckende Geschichte, die solltest du echt mal an verschiedene Jagdzeitungen schicken.

Viele Grüße
faehe
09.06.2008 12:11 schaaal
weidmannsheil!

tolle story!

einzigartiges erlebnis!!!
09.06.2008 12:22 Kuhbett
Waidmannsheil!
Gruß Tim
09.06.2008 13:10 Hirschmann
Ein wirklich beeindruckendes Erlebnis und wunderbar beschrieben! Weidmannsheil dazu!

Du kannst wirklich froh sein, das Deine (für Bärenjäger) "Pill-Palle-Pille" Dir am Ende doch noch das Leben gerettet hat.
09.06.2008 19:27 seneca
Waidmannsdank Euch allen!

Schön, daß man hier doch auch noch von außergewöhnlichen Jagderlebnissen berichten kann. Ich hatte Angst mit einem Bärenabschuß vielleicht gleich in der Luft zerrissen zu werden...deshalb hatte ich die Geschichte etwas länger zurück gehalten. Vielleicht fällt mir ja noch die eine oder andere Geschichte aus meinem Jägerleben ein

Zu den Fragen:
Biobauer, Hirschmann: Ist die .308 mit einem ordentlichen Geschoss denn wirklich zu schwach für einen Europäischen Braunbären? Ich meine mit einem größeren Kaliber hätten diese Schüsse auch nicht mehr bewirkt...

Bergkern: Ganz umsonst war´s natürlich nicht. Wir mussten uns trotz der offiziellen Beziehungen bei der Forst&Jagdbehörde anmelden und Jagdtage und Abschüsse bezahlen. Die Preise besser gesagt das Verwiegen/Vermessen des erlegten Wildes war aber "ok"

faehe81, Bergkern, OEJVLER: Ich denke die Veröffentlichung hier reicht. Ich mag diese aufgemotzten Berichte in den einschlägigen Hochglanzmagazinen nicht so. Ich jage primär für mich und teile die Erlebnisse am liebsten mit Familie und Freunden.
09.06.2008 21:48 Fallwild
seneca schrieb:

Waidmannsdank Euch allen!

Schön, daß man hier doch auch noch von außergewöhnlichen Jagderlebnissen berichten kann. Ich hatte Angst mit einem Bärenabschuß vielleicht gleich in der Luft zerrissen zu werden...deshalb hatte ich die Geschichte etwas länger zurück gehalten. Vielleicht fällt mir ja noch die eine oder andere Geschichte aus meinem Jägerleben ein


Aber Nein....Hier sind doch alle nur lieb zueinander und wer eine andere Meinung hat ist ein gemeiner Troll!!
Fallwild
09.06.2008 22:07 Agrardesigner
So was liest man immer gerne, eine Abwechslung zu den in den Zeitschriften geschriebenen Texten weiter so und Waidmannsheil !
10.06.2008 11:58 Hirschmann
Nein, Nein seneca. Sicher, die 308 kann den Bären schon umhauen, keine Frage, bei Dir hat´s ja auch geklappt. Ich wundere mich nur, warum auf Bärenjagden in Nordamerika lieber größere Kaliber bevorzugt werden - sind die Braunbären da so viel schußhärter?
10.06.2008 13:44 jaegermeister5
eine tolle geschichte....selbst beim lesen ist mir das adrenalin in den kopf gestiegen ;)...WAIDMANSHEIL!
10.06.2008 14:58 Meffi
Eine spannendes Erlebniss, sehr gut und lesbar (be)geschrieben.
Super und Hut ab!!!

Warum sollte eine solche Geschichte hier nicht ihre Zustimmung und eine begeisterte Leserschaft finde???
Das dem doch so ist sollten Dir die vielen begeisterten Kommentare sagen

Mein herzliches Waidmannsheil zum Bären und mein Dank für Deine schöne und spannende Geschichte, ich war beim Lesen live dabei!

Gruß Meffi!

PS: 5 Punkte!
10.06.2008 15:13 squatinAh
Meine Fresse... ich glaube, ich lese lieber Bärenjagdgeschichten als selbst welche zu erleben. Das ging hart an die Grenze. Gar nicht dran zu denken, was gewesen wäre wenn... Waidmannsheil - und hoffentlich war der Beruhigungsschnaps gut, denn der Blutdruck hat es sicherlich gebraucht...
10.06.2008 20:15 Mannlicher90
Wahnsinns Geschichte!!!
Wie in eim guten Film vorzusstellen!!!
Echt super...sowas erlebt man bestimmt nur ein mal im Leben...
Bist ja heil davon gekommen!
Waidmannsheil und weitere fette Beute!
Horrido!
11.06.2008 20:20 seneca
Fallwild schrieb:

Aber Nein....Hier sind doch alle nur lieb zueinander und wer eine andere Meinung hat ist ein gemeiner Troll!!
Fallwild


Hallo Fallwild,
ich hab´s bei einem anderen Beitrag von mir schon anders erlebt und Du solltest mal mein privates Postfach sehen...krass was sich da Leute, die die Jagd nicht kennen und damit nicht verstehen können, so einfallen lassen.
Kostproben? Bitteschön:

"Dieses traurige Ereignis zu feiern ist noch perverser, als die Geilheit den Bären zu töten"

"Das jetzt viele Schreiber in diesem Killerforum das feiern und gerne selbst erleben möchten ist ein deutliches Zeichen für solche Jäger, die überflüssiger sind als ein Kropf und mit denen wir trotzdem leider leben müssen!!! Ich könnte kotzen wenn ich mir vorstelle, solche Typen wären in meiner Nähe!"

"Das Foto mit dem gekillten Bären würde ich persönlich als tiefe Schande empfinden"

...dabei hab ich nur eine E-Mail, die in rel. nettem Ton verfasst war ausgewertet.

Waihei seneca
11.06.2008 20:31 swinging_elvis
Wohl war eine einmalige Geschichte... Wer hat so was schon erlebt oder will es überhaupt? Bärenjagd ist in Gegenden mit entsprechenden Beständen - ganz zu schweigen von sog. Schadbären - doch nichts, über das man schweigen muss. Neben dem möglicherweise imperialistischen Auftreten einiger Waidmänner glaube ich schon, dass die Devisen auch einem Land helfen können.
Rock, Elvis
24.08.2008 19:57 manu81
Wahnsinns Geschicht seneca. Das ist ja wie im film. Das man so etwas am eigenen leibe durchmachen durfte, ist glaube für einen jäger ein unvergessliches erlebnis! Mir wurde beim lesen schon anders..hut ab, muss ich sagen!

Liebe grüsse Manu81
30.08.2010 08:55 forester48
Mit einer .308 Steyr.Mannl. und 6 Patronen drin, plus Ersatzrollenmagazin mit 5 Schuß griffbereit fühle ich mich besser angezogen als mit einer 8x68S, R93 und 3(4)Patronen im Gewehr ohne Magazin.
27.10.2010 11:10 Jaeger1984
WAIDMANNSHEIl

Also wirklich schön geschrieben. Hast ja wirklich Glück gehabt, dass du zu dieser Jagd gekommen bist. Schön freut mich für dich. Das würde mich auch mal reizen. (aber das geht wohl fast allen so)
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