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Gestern Abend

Erfolg auf Sauen (2 Einträge)

kleine Waffen
629 mal angesehen
13.05.2008, 18.44 Uhr

Ansitz am gestrigen Abend

Seit Tagen sitze ich nun, von einer Ausnahme abgesehen, immer auf der gleichen Kanzel und versuche einen dort mehrfach bestätigten 6er-Bock strecken zu können.
Meinen ersten Ansitz habe ich auf einem anderen Sitz gehabt, auf dem ich einen viel zu guten 2-jährigen Bock gesehen habe und diesen gerne noch schonen möchte.
Also rauf die nächsten Tage auf den zweiten Sitz und der Dinge geharrt, die da so kommen mögen. Es dauert nicht lange und es treten an der Grenze zum Nachbarn 2 Schmalrehe raus und äsen auf ca. 200m gemächlich vor sich hin. Vor mir tritt an diesem Abend noch ein Rudel Damwild (18 Stück Spießer und Schmaltiere) raus und tobt wie irre auf der Wiese rum. Ferner sind etliche Hasen hochaktiv unterwegs und versuchen sich ständig zu vermehren. Zu später Stunde dann noch zwei Füchse. Eigentlich nicht schlecht, aber vom Bock keine Spur.
Das gleiche Schauspiel am nächsten Abend. Ist schon komisch, der Bock wurde regelmäßig dort gesehen aber kaum sitzt man an, ist er wie vom Erdboden verschwunden...
Also gestern wieder raus. Ich sitze also seit 18.30 Uhr und langweile mich diesmal entsetzlich. Nichts bis auf die beiden Schmalrehe auf die zu große Entfernung. Sonst absolute Ruhe. Um 21.15 Uhr ist dann ein Landwirt aus der Nachbarschaft der Meinung noch ein paar (allerdings sehr wenige) Runden mit dem Schlepper und der Egge auf dem vorgepflügten Acker direkt neben dem Hochsitz drehen zu müssen. "Tut mir ja leid, aber wie haben Hochdruck den Mais in den Acker zu kriegen". Nicht lange gemurrt oder geschimpft....
Also, nichts wie runter und ran an die Kirrung. Die Hoffnung stirbt schließlich zuletzt. Ich sitze keine 10 Minuten, da treten 2 Damspießer an die Kirrung raus, räumen diese bis auf den versteckten Mais ab. Danach wieder absolute Ruhe.
Gegen 22.15 Uhr dann ein Knacken rechts hinter mir zur Feldseite hin. Ohren gespitzt. Die Wilduhr sagte mir, dass so zwischen 22.00 und 22.45 Uhr Betrieb von den Sauen sein müsste. Da! Ein schwarzer Fleck! Glas hoch, genau geguckt. Ein einzelnes Schwein. Jetzt Geduld haben, kommen noch Frischlinge? Die letzten die ich gesehen hatte, hingen der Bach förmlich am Gesäuge. Es verstreichen 5 Minuten, nichts kommt hinterher. Es verstreichen 10 Minuten, immer noch nichts. Also mutig sein. Sau steht breit, Kugel fliegt. Im Schuß startet die Sau durch ab ins Unterholz. Ich höre sie noch ca. 40m ziehen. Dann wie ein kurzes Schlägeln. Was nun? Ohne Kurzwaffe ins dichte grünende Unterholz und dann noch ohne Hund? Niemals! Warten bis zum nächsten Morgen? Ausgeschlossen, viel zu warm. Also ran ans Handy, den lieben guten 76-jährigen Vater angerufen. Bitte, bitte komm mit Hund und starker Taschenlampe. Der Filius braucht Hilfe. Ich also zum Anschuß: Lungenschweiß! Guter Grund zur Hoffnung, dass das Schwein verendet ist.
Also zurück zum Auto, Kurzwaffe mit, Marscherleichterung. Da kommt auch schon der alter Herr angefahren. Umgesattelt auf einen Wagen, dichter zur Kirrung gefahren. Dem alten Herren den Sachverhalt geschildert und den Anschuß gezeigt. 2 Mann - 1 Meinung: Die müsste liegen. Zur Sicherheit Kurzwaffe durchgeladen, Hund angesetzt und mit kurzer Leine in Affenhaltung durch die Büsche durch. Vater so gut es geht mit der guten Aldi-Leuchte hinterher. Leider wird mein kleiner KLM wenn es zu langsam geht etwas zu ungeduldig und arbeitet die Fährte nicht sauber mit tiefer Nase aus. Trotzdem dem Hund gefolgt, denn der Hund hat Recht (wie wir alle wissen). Nach gut 40m dann ein schwarzer Fleck im Kegel der Taschenlampe: Sau liegt! Vorsichtig ran, aber keine Regung mehr. Jetzt darf auch der Hund das Schwein mal beuteln. Welch Freude für den Hund.
Man, die Sau sieht aber recht groß aus. Etwas genauer nachgesehen: Überläufer von stattlichen 67kg. Nicht schlecht Herr Specht. So schön die Jagd bis dahin ist, aber nun kommt der anstregende Teil. D.h. Bergegurt (wie haben dazu alte PKW-Sicherheitsgurte umfunktioniert) umgeschnallt und kräftig gezogen so zwischen den ganzen Bäumchen (Abstand ca. 40cm). Erst einmal wie an der Kirrung sein. Dort liegt die Wildwanne, die uns den weiteren Transport erleichtern soll. 3 Pausen später haben wir diese erreicht und laden das Schwein in die Wanne. Zigarettenpause!
So, tief durchatmen, weiter geht's. Sicherheitsgurt an der Wanne befestigt und fleißig gezogen. Gottlob kann Vater auch mitziehen obwohl er den Hund hat, der sich immer wieder in den Kopf setzt, seitwärts auszubrechen. Nach 300m ist dann endlich das Auto erreicht. Schweißgebadet stehen wir beide am Wagen.
Ups, wir sollten eventuell die Regierung zu Hause einmal kurz über den Stand der Dinge informieren... Also mal schnell das Handy gebadet, hilft ja nichts.
Als Segen stellen sich doch immer wieder die Kopflampen heraus. Es lässt sich super mit deren Verwendung aufbrechen. Moment, da war doch noch die Sache mit dem Ringeln. Noch nie gemacht. Egal, Ringelhilfe und Handschuhe raus und ran ans Werk. Geht erstaunlich gut. Organe untersucht, i.O., also gleich weiter. Die Sau schnell in die Wildwanne verfrachtet und rauf auf den Heckträger. Mann, ist das ein Segen, solch ein Ding zu haben. Du hebst nicht mehr so hoch und er Wagen bleibt innen schön sauber (danke dem, der die Idee dazu hatte).
So, nun aber heim! Zur Kühlkammer sind es nur 3km, dort das Schwein gehesst und gewogen. Anschließend gründlich mit fließendem Wasser gereinigt und im Vorraum der eigentlichen Kühlkammer aufgehängt. Kurz noch die Schweinerei auf dem Fußboden beseitigt und ab nach Hause zu Muttern. Die wartet schließlich zur ausführlichen Berichterstattung. Im Heimathafen angekommen, fix die Hände gewaschen, Schuhe und sonstiges Handwerkszeug gereinigt, dann ein Spurt mit letzten Kräften in den Keller: Bier holen.
Da lernt man ein kühles Blondes aber so richtig zu schätzen. Aber Vorsicht: die Wirkung des 3. Bierchens ist nicht ohne, angesichts der körperlichen Anstrengung. Zum Abschluß noch ein Schnäpschen und nach 2 Stunden bergen und nur noch 30min Tottrinkens dann endlich ins Bett.

Und heute tun so richtig schön die Beine weh....

Schön war es doch und so liebe ich eigentlich auch die Jagd.
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harzbaer

harzbaer

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aus Astfeld
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Kommentare

14.05.2008 04:06 Isegrim
Waidmannsheil zum Überläufer

Tolle Geschichte und vor allen Dingen super erzählt *****points

Das mit der Ruhe der ´Kleinen Münsterländer auf Nachsuchen kenne ich
auch

Gruss

Isegrim

P.S.: Ich hoffe Du hattest am darauf folgenden Tag Urlaub



14.05.2008 09:11 harzbaer
Isegrim schrieb:

Waidmannsheil zum Überläufer

Tolle Geschichte und vor allen Dingen super erzählt *****points

Das mit der Ruhe der ´Kleinen Münsterländer auf Nachsuchen kenne ich
auch

Gruss

Isegrim

P.S.: Ich hoffe Du hattest am darauf folgenden Tag Urlaub


Halllo und danke.
Glücklicherweise habe ich die ganze Woche Urlaub. Heute ist so richtig gut der Muskelkater hervor gekommen...

Gruss
15.05.2008 10:12 zickigeRicke
Ein herzliches Waidmannsheil zum Überläufer!
Super erzählt die Geschichte und kommt jedem, da selbst schon ähnliches erlebt, sicherlich in der einen oder anderen Weise bekannt vor.
Gruß
zR
15.05.2008 12:01 harzbaer
zickigeRicke schrieb:

Ein herzliches Waidmannsheil zum Überläufer!
Super erzählt die Geschichte und kommt jedem, da selbst schon ähnliches erlebt, sicherlich in der einen oder anderen Weise bekannt vor.
Gruß
zR


Herzlichen Dank. War ein toller Abend.
20.06.2008 12:46 swinging_elvis
harzbaer schrieb:

Herzlichen Dank. War ein toller Abend.


Wirklich eine tolle und sehr jagdnahe Erzählung. Schön, dass Du mit Deinem Vater so ein tolles Team bei der Jagd bildest. Solche Erlebnisse schweissen zusammen. Das sollte nicht unterschätzt werden.

Genauso werden bei uns quasi familiär auch schon einmal größere Stücke Wild selbst verarbeitet bis zum Steak und Braten, auch wenn meine in die Jahre gekommenen Eltern oft mal ein Stück zum Metzger geben.
Wenn dann im Sommer das Steak vom Überläufer auf dem Grill schmort... dann weiß man, was hinter der Jagd steckt!!!

Gruß, Elvis

PS: ... und mit letzterem Argument kriegt man sie alle... auch so manche, die weniger als neutral der Jagd gegenüberstehen.
20.06.2008 19:36 harzbaer
swinging_elvis schrieb:

Wirklich eine tolle und sehr jagdnahe Erzählung. Schön, dass Du mit Deinem Vater so ein tolles Team bei der Jagd bildest. Solche Erlebnisse schweissen zusammen. Das sollte nicht unterschätzt werden.

Genauso werden bei uns quasi familiär auch schon einmal größere Stücke Wild selbst verarbeitet bis zum Steak und Braten, auch wenn meine in die Jahre gekommenen Eltern oft mal ein Stück zum Metzger geben.
Wenn dann im Sommer das Steak vom Überläufer auf dem Grill schmort... dann weiß man, was hinter der Jagd steckt!!!

Gruß, Elvis

PS: ... und mit letzterem Argument kriegt man sie alle... auch so manche, die weniger als neutral der Jagd gegenüberstehen.



Danke Dir. Ich hoffe, dass das auch noch lange so bleibt.
Immerhin ist er schon über 70......

Gruß Dirk
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